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Glaube & Wissenschaft
Bild Copyright: © Paul Wuthe/Kathpress

Hohe Auszeichnung für Arzt und Theologen Prof. Huber

13.06.2026 09:43
(zuletzt bearbeitet am 13.06.2026 um 10:51 Uhr)
Österreich/Kirche/Theologie/Wissenschaft/Johannes.Huber/Auszeichnung
Thomas-Morus-Preis im Stift Heiligenkreuz an den Vorkämpfer für Versöhnung von Glaube und Wissenschaft verliehen - Huber warnt in Dankesrede vor "gewaltiger transzendentaler Verarmung der Gegenwart"
Wien, 13.06.2026 (KAP) Der Wiener Arzt und Theologe Prof. Johannes Huber (80) ist am Freitagabend für sein "mutiges wissenschaftliches Engagement" mit dem Thomas-Morus-Preis ausgezeichnet worden. Die Verleihung fand im Rahmen eines Festaktes im Kaisersaal des Stiftes Heiligenkreuz statt. Der Preis wird vom Alten Orden von St. Georg an Personen vergeben, "die im öffentlichen Leben kompromisslos ihr Bekenntnis zur christlichen Werteordnung bezeugt haben und ihrem christlichen Gewissen gefolgt sind", wie es hieß. Huber selbst hielt in seiner Dankesrede einmal mehr ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, dass Glaube und Wissenschaft einander nicht ausschließen, sondern bedingen.

Huber sprach von einer "gewaltigen transzendentalen Verarmung der Gegenwart". Die Erhebung des Konsums zum Maß aller Dinge gleiche einer säkularen Investitur, einem "Eintrittsschein in die Neue Zeit". Man breche alle Brücken zu anderen Seinsweisen ab und sei an Fragen der Transzendenz nicht mehr interessiert. Würde man diese Verarmung als Christen akzeptieren, so Huber, "wäre das fatal".

Huber verwies in diesem Zusammenhang etwa auf den deutschen Philosophen Jürgen Habermas, der in einem seiner letzten Interviews vor seinem Tod vor einem "Wellness-Christentum" gewarnt hatte, das die große Erzählung von Tod und Auferstehung "hinausettiketiere". Der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk betone in gleicher Weise, dass es ein großer Fehler wäre, "wenn die christliche Urbotschaft des Exilcharakters unseres Lebens allein in Charity umgemünzt würde".

Abgesehen von immer wieder versuchten Sticheleien, etwa durch die Infragestellung von Kreuzen in öffentlichen Gebäuden oder einseitig geführten Diskussionen über den Religionsunterricht, stehe im Hintergrund dieser gesellschaftlichen Debatten eine andere Auseinandersetzung, so Huber. Es gehe um die "intellektuelle Redlichkeit der Jenseitigkeit". An dieser "Front" stellt sich für den Mediziner und Theologen die große Auseinandersetzung der Gegenwart dar, "denn man wehrt sich, zu dieser Grundfrage auch die Wissenschaft zuzulassen". Nachsatz: "Das war ein Grundanliegen Kardinal Franz Königs. Es war auch das Thema des letzten Gespräches, das ich vor seinem Tod mit ihm hatte."

Es sei ein Alleinstellungsmerkmal des christlichen Glaubens, den Kontakt mit der Wissenschaft bzw. mit der Vernunft zu suchen, führte der Mediziner und Theologe weiter aus. Schon in den ersten Jahrhunderten der Kirchengeschichte habe man versucht, mit dem menschlichen Geist das Mysterium der Inkarnation zu verstehen. Und auch spätere Wissenschaftler wie Johannes Kepler, Nikolaus Kopernikus oder Isaac Newton seien überzeugt gewesen, mit ihrer Beschreibung der Naturgesetzen den Bauplänen des Schöpfers näher zu kommen.

Als der Mensch erstmals das Transzendente verspürte

Huber kam auch auf seine eigene wissenschaftliche Profession zu sprechen: "Wir Gynäkologen sind so etwas wie Archäobiologen der Evolution und wir glauben, nachzeichnen zu können, wie erstmals unser Gehirn das Transzendente verspürte." Es müsse vor ca. 1, 7 Millionen Jahren gewesen sein, als eine Veränderungen in den mitochondrialen Kaliumkanälen zu einer explosionsähnlichen Vergrößerung des Großhirns führte "und unsere Ahnen die ausgestreckte Hand des Schöpfers zugestreckt bekamen". Die Sensibilität für Transzendentes "wurde zur Mitgift unserer Gehirnentwicklung".

Huber zitierte u.a. auch den Psychotherapeuten Otto Kernberg, der dies so zusammengefasst habe: "Aufgrund dieser Evolution hat der Mensch Gott entdeckt - und nicht erfunden". Und der Hirnforscher Wolf Singer habe kürzlich gemeint: "Ich lebe mit der Gewissheit, dass das, was sich uns erschließt, nur ein kleiner Teil von etwas Größerem, nicht Erfassbarem sein kann."

Huber verwies in seiner Rede auch noch auf zahlreihe weitere Wissenschaftler - Roger Penrose, Federico Faggin, Anton Zeilinger, Albert Einstein oder Walter Thierring -, für die die Vergänglichkeit nicht das letzte Wort hat und eine Seinsweise jenseits des irdischen phänomenalen Raums wohl außer Zweifel steht.

"Christlicher Glaube schreit nach Erkenntnis"

In die gleiche Kerbe wie Huber schlug auch sein Laudator Prof. Matthias Beck: Prof. Huber stehe für einen christlichen Glauben, der reflektiert wird mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. - Das charakterisiere wohl am besten Hubers Lebenswerk. "Der christliche Glaube schreit geradezu nach Aufklärung, Erkenntnis und Reflexion", so Beck wörtlich. Es sei ein Drama, dass es - wann auch immer- zum Bruch zwischen Glaube bzw. Theologie und den Naturwissenschaften kam. Es gelte, die "Einheit in Verschiedenheit" wieder herzustellen.

Huber habe sich diesbezüglich große Verdienste erworben, stellte Beck fest, der in diesem Zusammenhang Hubers Dialogfähigkeit würdigte. Dies liege auch ganz auf der Linie von Papst Leo XIV., der immer wieder zum Dialog mit den Wissenschaften aufrufe.

Mediziner und Sekretär Kardinal Königs

Johannes Huber wurde am 31. Mai 1946 in Bruck an der Leitha geboren, studierte in Wien Theologie und Medizin und war von 1973 bis 1983 Sekretär von Kardinal Franz König (1905-2004). 1985 habilitierte er an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien. Von 1992 bis 2011 war er Leiter der klinischen Abteilung für gynäkologische Endokrinologie im Wiener AKH. Zu seinen wissenschaftlichen Schwerpunkten gehören die Frauen- und Altersforschung. Bis 2007 leitete er die Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt.

Immer wieder sorgte Huber mit seinen Büchern für Aufsehen. 2008 verfasste er etwa zusammen mit dem Physiker Walter Thirring das Buch "Baupläne der Schöpfung - Hat die Welt einen Baumeister?". Und auch in seinen Büchern "Es existiert - Die Wissenschaft entdeckt das Unsichtbare" (2016), "Der holistische Mensch - Wir sind mehr als die Summe unserer Organe" (2017) und "Woher wir kommen. Wer wir sind. Wohin wir gehen: Die Erforschung der Ewigkeit" (2018) plädierte er dafür, dass Naturwissenschaften und Theologie keine Gegensätze sind.

Im Band "Das Gesetz des Ausgleichs" (2020) brachte Huber eine Reihe von Argumenten dafür, dass gute Menschen auch gesünder und länger leben. 2021 erschien zum gleichen Thema "Die Kunst des richtigen Maßes". Weitere Bücher folgten im Jahrestakt. Mit seinem Werk "Der Seelenheiler" (2025) versuchte sich Huber auch als Romanautor, begab sich auf eine Spurensuche nach dem jungen Jesus und zeichnete den Weg zum bedeutendsten Heiler aller Zeiten nach.

Huber wurde für sein Wirken vielfach ausgezeichnet, etwa mit dem Großen Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (2006), der Opilio-Rossi-Medaille der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (2019), dem Goldenen Doktordiplom der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien (2024) oder dem "MenopausenAward" (2024).

(Infos zum Thomas-Morus-Preis: https://aovstg.org/thomas-morus-preis/sir-thomas-more-award)
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