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Solidarität
Bild Copyright: © GHONEIM

Hilfswerk "Korbgemeinschaft": Dramatische Zustände in Syrien

14.06.2026 08:25
Österreich/Syrien/Kirche/Soziales/Armut/Korbgemeinschaft
Aus Syrien stammender Wiener Priester Hanna Ghoneim: Unvorstellbare Armut, steigende Kriminalität und politische Instabilität machen Alltag für fast alle Menschen immer unerträglicher
Damaskus/Wien, 14.06.2026 (KAP) Unvorstellbare Armut, steigende Kriminalität, eine für die meisten Menschen unerschwingliche medizinische Versorgung, politische Instabilität und immer weniger Hilfe aus dem Westen. So fasst der in Wien tätige und aus Syrien stammende Priester Hanna Ghoneim die aktuelle Lage für fast alle Menschen in seiner Heimat zusammen. Ghoneim leitet das Wiener Hilfswerk "Korbgemeinschaft", das in Syrien tätig ist. "Was in Syrien derzeit geschieht, ist auf jeden Fall menschenunwürdig", so das Fazit des Geistlichen, der zugleich um Spenden bittet.

In einem Kathpress vorliegenden aktuellen Bericht schildert er die Zustände vor Ort. Mittlerweile gebe es zwar mancherorts fast ständig Strom, "leider jedoch nicht überall und außerdem ist der Strom sehr teuer geworden". Das Monatsgehalt der meisten Menschen könne die Kosten nicht abdecken. "Die Energiepreise sind kürzlich wieder abrupt um 30 Prozent gestiegen. Damit sind fast alle Waren aufgrund gestiegener Transportkosten empfindlich teurer geworden", berichtet Ghoneim. Selbst Brot sei teurer geworden.

Das durchschnittliche Monatsgehalt liege derzeit umgerechnet bei 100 Euro. Das sei höher als früher. Eine Familie brauche jedoch mindestens 1.000 Euro, um halbwegs menschenwürdig leben zu können. Und es gebe viel zu wenige Jobs. Die Arbeitslosigkeit sei enorm. Die Einkommen seien zudem sehr ungerecht verteilt. Ghoneim: "Einige bekommen in fremden Devisen sogar vierstellige Summen, andere werden in lokaler Währung sehr schlecht bezahlt."

Es gebe immer noch kein Parlament, das Gesetze erlässt. Man merke, "dass in der Politik und Wirtschaft Chaos herrscht und dass die jetzige Regierung viele Schwierigkeiten zu bewältigen hat". Das Niveau des Unterrichts an staatlichen Schulen sei merklich zurückgegangen. Das Bildungsniveau an Privatschulen sei noch gut, allerdings seien die Schulkosten extrem gestiegen und eine enorme Belastung für die Familien. Nachsatz: "Viele Familien fragen hier ratlos um Hilfe."

Auch die medizinische Versorgung sei alles andere als zufriedenstellend, so der Geistliche: "In Spitälern fehlt es oft an Materialien für Behandlungen und Operationen. In manchen Fällen muss der Patient diese selbst besorgen und beistellen, denn sonst kann die Behandlung nicht durchgeführt werden." Schon allein die Kosten für Diagnosen seien für viele unerschwinglich geworden. Es gebe zwar auch private Krankenhäuser, "aber die sind sehr kostspielig". Krebskranke müssten mit astronomischen Summen rechnen. Die Folgen für die Familien seien verheerend.

Soziale Einrichtungen wie Altenheime, Waisenhäuser oder Behindertenschulen und -heime seien ständig von der Schließung bedroht, da es immer schwieriger werde, das Personal, die Pflege und die Aufrechterhaltung des Betriebes zu finanzieren.

Zugleich werde die Hilfe von Hilfswerken aus dem Westen immer geringer. Und Investoren blieben auch aus, "da es weder eine gesunde Infrastruktur, noch Sicherheit gibt". Die politische Lage sei instabil und die Kriminalität nehme zu.

Ghoneim: "Es gibt etwa große, spezialisierte Diebsbanden in der Umgebung von Damaskus, die auf den Raub von Kabeln spezialisiert sind. Da die Internetkabel teuer sind, werden sie abgerissen ohne Rücksicht auf die Dienstleistung, die sie erbringen. Dann bleiben die Menschen ohne Kommunikation zurück."

Die Sicherheitslage auf dem Land sei noch prekärer als in den Städten. "Große Angst hat man vor Motorradfahrern, die den Passanten Sachen im Vorbeifahren aus den Händen reißen", so Ghoneim: "Niemand kann etwas dagegen tun, da solche Räuber meistens bewaffnet sind. Den Schutz durch eine funktionierende Polizei gibt es kaum."

Trotz dieses erschreckenden Befunds wolle er die Hoffnung und den Glauben an eine bessere Zukunft nicht aufgeben. "Es ist vielleicht gerade jetzt die Zeit, die Kultur der Nächstenliebe mit aller Kraft zu fördern und zu verbreiten. Es beginnt alles klein. Mit viel Ausdauer, Glaube, Hoffnung und Beharrlichkeit können wir viel zur Heilung der Gesellschaft beitragen", schreibt Ghoneim.

"Korbgemeinschaft - Hilfe für Syrien"

Die Hilfe der "Korbgemeinschaft" kommt der christlichen Minderheit, aber auch vielen Muslimen zugute. Partner der "Korbgemeinschaft" vor Ort sind kirchliche Einrichtungen wie auch einzelne Priester, die von der Gemeinschaft bei ihrer seelsorglichen und sozialen Hilfe unterstützt werden. Beispielsweise wird Binnenflüchtlingen bei der Begleichung von Mieten und Energiekosten geholfen, Bekleidung für Bedürftige organisiert oder ärztliche Versorgung vermittelt. Unter anderem hat die "Korbgemeinschaft" nahe bei Damaskus eine Großbäckerei errichtet, in der für bedürftige Menschen günstiges und zugleich hochwertiges Brot hergestellt wird. Zudem wurden einige Sozialmärkte eröffnet, in denen die Menschen Grundnahrungsmittel zu stark verbilligten Prisen kaufen können. Protektor der "Stiftung Korbgemeinschaft" ist Erzbischof Josef Grünwidl. Die Korbgemeinschaft hat in Syrien eine Reihe von lokalen Freiwilligenteams, die die konkrete Hilfe vor Ort umsetzen.

(Spendenkonto: Korbgemeinschaft, IBAN: AT94 2011 1828 5755 6000, Spenden sind steuerlich absetzbar. Infos: www.korbgemeinschaft.at)
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