Bischof José Mazuelos zieht im Interview mit vatikanischen Medien positive Bilanz des Papstbesuchs: Vom Hafen der Schande zum Hafen der Hoffnung dank Leo
Vatikanstadt, 14.06.2026 (KAP) Bischof José Mazuelos hat den Besuch von Papst Leo XIV. auf den Kanarischen Inseln am Wochenende im Gespräch mit vatikanischen Medien als ein Signal für die Bevölkerung der Region bewertet. Die Menschen in seiner Diözese fühlten sich von den politischen Institutionen häufig unberücksichtigt, so der Bischof. Wörtlich sagte Mazuelos: "Es handelt sich um eine Region, die sich oft verlassen und an den Rand gedrängt fühlt; niemand schenkt ihr Beachtung, man sagt: 'Ach, die Kanarischen Inseln, das ist ja quasi Afrika.' Dass der Papst nun hierherkommt, ist eine Ehre, eine echte Ehre und eine Freude für diese Menschen. Auch die Kirche fühlt sich vom Heiligen Vater geliebt und spürt, dass sie zumindest von der Kirche und vom Papst nicht im Stich gelassen wird."
Mazuelos hob auch hervor, dass es der erste Besuch eines Papstes in der Geschichte dieser Inseln gewesen sei. Laut Angaben des Bischofs traf der Papst in Las Palmas auf eine Gesellschaft, die durch politische Polarisierung und ideologische Debatten bewegt sei. Mazuelos verwies darauf, dass sich die Einwohner der Kanarischen Inseln in Krisensituationen, wie im Zusammenhang mit Migrationsbewegungen oder dem Auftreten des Hantavirus beim Eintreffen von Schiffen, von der Politik nicht ausreichend unterstützt fühlten.
Solidarität trotz Herausforderungen
Trotz dieser Faktoren betonte der Bischof, dass es innerhalb der Bevölkerung der Inseln keine rassistischen Reaktionen oder Ablehnung gegenüber den ankommenden Migranten gegeben habe. Die Aufnahme von Menschen gehöre zum Kern der kanarischen Kultur, was der Bischof als ein wesentliches Merkmal der lokalen Gesellschaft hervorhob.
Der Bischof benannte zudem zentrale Aufgabenbereiche für die lokale Kirche, zu denen die Begleitung und Strukturierung der Migrationsprozesse sowie der Umgang mit der fortschreitenden Säkularisierung gehörten. Durch den raschen Ausbau des europäischen Tourismus auf den Inseln habe sich eine ländlich geprägte Struktur hin zu einer vom Wohlstand beeinflussten Gesellschaft gewandelt. Traditionelle Bindungen hätten teilweise nachgelassen, während die Marienverehrung als Element des Glaubens fortbestehe. Das Motto des Papstbesuchs, "Alzad la mirada" ("Erhebt eure Augen"), sollte die Kirche darin bestärken, als offene Institution zu agieren.
Ein programmatischer Programmpunkt der Reise sei der Besuch beim Hafen von Arguineguín gewesen. Dieser Ort war in der Vergangenheit durch Überbelegung und mangelhafte Infrastruktur für tausende Migranten ein leidvoller Ort und als "Molo della vergogna" (Kai der Schande) bezeichnet worden. Laut Mazuelos hat sich die Situation vor Ort aber verändert.
Migranten, die von Afrika mit den sogenannten Cayucos (Holzbooten) ankamen, wurden durch die Caritas betreut und integriert. Zudem lebten in der Region zahlreiche Migranten aus Venezuela und Kuba. Während des Papstbesuchs kamen neben den Migranten auch Helfer zu Wort, darunter Fischer, die Seenotrettung betrieben, sowie Angehörige der Nationalpolizei, der Guardia Civil und des Roten Kreuzes.
Der Bischof erinnerte an die Worte des Vorgängers von Leo XIV. - Papst Franziskus hatte vier zentrale Begriffe für den Umgang mit Migration definiert: "Fördern, beschützen, aufnehmen, integrieren". Diese Leitlinie sei auch von Papst Leo XIV. übernommen und bei dem Besuch unterstrichen worden. Bischof Mazuelos erklärte, dass diese Prinzipien auf den Kanarischen Inseln aktiv umgesetzt würden.