Beschuss im Libanon: Hilfskonvoi mit Nuntius muss Route ändern
14.06.202612:32
Libanon/Kirche/Krieg/Nuntius
Gefecht zwischen israelischer Armee und Hisbollah sorgte für gefährliche Situation und Verzögerung - Nuntius Borgia gegenüber "Radio Vatikan": "Wir befinden uns in einer Kriegssituation, aber wir werden den Menschen weiterhin helfen"
Beirut/Vatikanstadt, 14.06.2026 (KAP) Ein Konvoi aus 45 Lastwagen und Fahrzeugen, beladen mit Lebensmittelhilfen, Medikamenten und Treibstoff für drei christliche Dörfer im Südlibanon, hat aufgrund von Schusswechseln zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah seine Route ändern müssen. Betroffen davon war auch der Apostolische Nuntius im Libanon, Erzbischof Paolo Borgia, der den Konvoi begleitete. "Wir befinden uns in einer Kriegssituation, aber wir werden den Menschen weiterhin helfen", bekräftigte der Nuntius am Sonntag gegenüber Radio Vatikan. Der Vorfall hat sich demnach bereits am Donnerstag ereignet. Der humanitäre Konvoi war vom Nuntius gemeinsam mit der Caritas und anderen katholischen Organisationen organisiert worden.
Borgia erläuterte im Interview, was kurz vor der Ankunft im Dorf Debel südlich von Tyros geschehen war. "Wir saßen alle im Auto, in einem langen Konvoi, der humanitäre Hilfsgüter verschiedener Art transportierte, vor allem Lebensmittel, Obst, Gemüse und Wasser sowie Medikamente und Treibstoff", die nicht nur für die Bevölkerung von Debel, sondern auch für zwei weitere Dörfer, Ain Ebel und Rmech, bestimmt waren. "Außerdem gab es Waren, die für die Geschäfte in der Gegend bestimmt waren und gleichzeitig für die Landwirte und Viehzüchter, damit das Leben in den Dörfern irgendwie wieder ein wenig in Gang kommen kann."
Unter den Fahrzeugen hätten sich auch Autos mit Anwohnern der Gegend befunden: "Sie wollten einfach nur in ihre Häuser zurückkehren, nachdem sie wochenlang evakuiert worden waren." Dann seien Schüsse gefallen. "Das sind Dinge, die Angst machen, man versucht dann, sie mit der Gelassenheit des Augenblicks zu nehmen."
Panik sei keine ausgebrochen, wegen der entstandenen zusätzlichen Unsicherheit sei es aber auch nicht möglich gewesen, die mit den Behörden abgestimmte Route weiter zu befahren. Deshalb habe der Konvoi "umkehren und eine ganz andere Route nehmen" müssen, "wobei neue Genehmigungen eingeholt werden mussten, um sicher weiterfahren zu können". Schließlich sei man aber "nach zehn Stunden" dennoch in Debel angekommen.
Die Hilfslieferungen seien für die Dörfer überlebensnotwendig. Diese seien aufgrund der laufenden Kriegshandlungen faktisch vom Rest des Landes abgeschnitten. Ziel sei es, so Erzbischof Borgia, "in diese Gebiete zurückzukehren. Wir befinden uns in einer Kriegssituation, aber wir werden unser Engagement fortsetzen, um den Menschen zu helfen; ich glaube, schon nächste Woche wird es einen weiteren Konvoi geben."
Seit Anfang März gab es bereits 17 humanitären Konvois und 3 Pastoralbesuche, berichtete der Nuntius über sein Engagement. Es sei wichtig, vor Ort zu sein, "denn das gibt den Menschen die Möglichkeit, dort zu bleiben und zu überleben". Es gehe aber bei weitem auch nicht nur um materielle Hilfe, so Erzbischof Borgia: "Mit unserer Anwesenheit bringen wir die Präsenz des Papstes, der Weltkirche und der libanesischen Kirche mit, zusammen mit Nähe und Solidarität, denn die Menschen brauchen das Gefühl, verstanden und begleitet zu werden, umgeben von der Liebe der Kirche selbst."