Papst Leo warnt: Digitale Welt grenzt Arme immer stärker aus
14.06.202614:13
Vatikan/Papst/Armut/Soziales
Papstbotschaft zum Welttag der Armen veröffentlicht - Leo XIV. sieht in der digitalen Welt eine Verschärfung von Vorurteilen und Gleichgültigkeit gegenüber Armen und fordert ein Umdenken, vor allem auch von Christen.
Vatikanstadt, 14.06.2026 (KAP) "Der Herr ist die Zuflucht des Armen" ist Leitwort des diesjährigen Welttages der Armen, der am 15. November begangen wird. In seiner Botschaft dazu, die bereits an diesem Sonntag veröffentlicht wurde, ruft Papst Leo auch die Kirche zur Gewissenserforschung auf. Er lenkt u.a. den Blick auf die Verstärkung von Diskriminierung und Gleichgültigkeit durch digitale Medien und fordert ein Umdenken.
"Der Schrei der Armen nach Gerechtigkeit wird heute durch vielfältige, immer subtilere Techniken erstickt, bis all ihre Bemühungen, ihren Forderungen Gehör zu verschaffen, verstummen", so Leo XIV. wörtlich in seiner Botschaft zum 10. katholischen Welttag der Armen. Und er fährt fort: "Die digitale Welt radikalisiert die Vorurteile ihnen gegenüber und verstärkt den Schleier der Gleichgültigkeit, der ihre Anliegen verhüllt."
Die soziale Ungerechtigkeit, "die von einer vermessenen Verdorbenheit herrührt", und die zunehmende Zahl armer Menschen begründet der Papst mit einem Verlust des Sinns für das Transzendente im Alltag. Dies sei keine theoretische Leugnung der Existenz Gottes mehr, sondern zeige sich darin, dass seine Güte und Barmherzigkeit bei den Bemühungen um persönliche und soziale Gerechtigkeit nicht berücksichtigt werden.
Diese unselige Logik aus Egoismus, Ungerechtigkeit und Ausgrenzung marginalisiere und erniedrige nicht nur einzelne Menschen, sondern ganze Bevölkerungsgruppen.
In seiner Botschaft appelliert Leo XIV. an diejenigen, "die sich Christen nennen", nicht gleichgültig zu bleiben gegenüber den vielen, die von der Gesellschaft übersehen werden. Sie sollten sich für die Armen und ihre Befreiung einsetzen. "Dann werden wir sehen, dass die Armen selbst zur Zuflucht für andere werden." Es gelte, alles von unten her neu zu denken - in Demut und Geschwisterlichkeit, denn nur diese heilten eine von Überheblichkeit verwundete Welt.
Papst Franziskus (2013-2025) hatte den Welttag der Armen 2016 initiiert, um den Blick auf die zahlreichen Formen von Armut heute zu lenken. Er findet immer am vorletzten Sonntag vor Beginn des Advents statt, heuer am 15. November. Üblicherweise isst der Papst nach der Messe zum Welttag mit benachteiligten Menschen zu Mittag. Im letzten Jahr speiste Leo XIV. mit rund 1.300 Personen in der Vatikanischen Audienzhalle.