Kardinal Christoph Schönborn stand in Dominikanerkirche Jubiläumsmesse vor - Dankbarkeit für acht Jahrhunderte Predigt, Präsenz und Gebet in Wien
Wien, 14.06.2026 (KAP) Mit einem feierlichen Gottesdienst in der Wiener Dominikanerkirche hat der Wiener Dominikanerkonvent am Sonntag den spirituellen Höhepunkt seines 800-Jahr-Jubiläums begangen. Kardinal Christoph Schönborn, Alterzbischof von Wien und selbst Dominikaner, stand dem Festgottesdienst in der barocken Basilika in der Postgasse vor.
Seit 1226 sind die Dominikaner in Wien nachweisbar präsent. Das Wiener Kloster ist damit der weltweit am drittlängsten durchgehend von Dominikanern bewohnte Konvent des Predigerordens, nach Krakau und Dubrovnik. Entsprechend groß war der festliche Charakter des Jubiläumsgottesdienstes.
Kardinal Schönborn stellte in seiner Predigt den Ursprung und bleibenden Auftrag des Dominikanerordens in den Mittelpunkt, wie die Erzdiözese Wien berichtete. Ausgangspunkt war das Tagesevangelium vom Mitleid Jesu mit den Menschen, die "müde und erschöpft" seien, "wie Schafe, die keinen Hirten haben". Aus diesem "Erschrecken Jesu über die Not der Menschen" lebe der christliche Glaube bis heute, so Schönborn. Wenn Jesus sage: "Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter", dann sei das ein dramatisches Bild: Eine reife Ernte dürfe nicht zugrunde gehen, weil Arbeiter fehlen.
Genau aus diesem Impuls habe auch der heilige Dominikus gehandelt. Er habe gesehen, dass Menschen Orientierung bräuchten und Irrlehren, menschenfeindliche Ideologien und geistliche Verwirrung nicht mit Gewalt bekämpft werden könnten, sondern nur durch das Evangelium, "durch überzeugendes Leben, gute Predigt und solide Bildung". Dominikus habe darum Männer und auch Frauen um sich gesammelt, die von der Leidenschaft für das Evangelium ergriffen waren. Aus diesem Anfang sei eine Bewegung geworden, die schon innerhalb eines Jahrzehnts ganz Europa geprägt habe.
Schönborn, der mit 18 Jahren in den Dominikanerorden eingetreten ist, verband das Jubiläum auch mit seiner eigenen Lebensgeschichte. In der Wiener Dominikanerkirche Maria Rotunda wurde er zum Priester geweiht. Dem Orden, so hatte er bereits im Vorfeld des Jubiläums betont, verdanke er Entscheidendes in seinem Leben. In seiner Predigt erinnerte er auch an die bleibende Anziehungskraft des dominikanischen Lebens: Sie liege nicht in Perfektion, sondern in einer Lebensweise, die sich ganz dem Evangelium und der Nachfolge Jesu verschreibt.
Die 800 Jahre der Dominikaner in Wien seien nicht einfach eine historische Zahl, sondern Ausdruck einer langen geistlichen, theologischen und kulturellen Geschichte. Der Konvent habe Blütezeiten und Krisen erlebt, sei aber über Jahrhunderte hinweg ein Ort der Predigt, der Wissenschaft, der Liturgie und der Seelsorge geblieben. Entscheidend sei dabei nicht zuerst die äußere Größe eines Ordens, sondern das Charisma, das größer sei als der einzelne Mensch und auch größer als das jeweilige Kloster. Berührt habe ihn, so Schönborn, das Wort eines jungen Mannes, der sich auf den Eintritt in den Orden vorbereitet: "Der Orden ist größer als der einzelne Konvent." Darin liege auch Trost und Ermutigung, gerade angesichts menschlicher Schwächen und aufgelassener Klöster.
Armut, Predigt und Gebet
Drei Grundzüge dominikanischen Lebens hob Schönborn besonders hervor: die evangelische Armut und Einfachheit, die Dominikus ernst genommen habe; die Predigt, die nicht aus bloßem Wissen oder großen Ideen komme, sondern aus der lebendigen Berührung mit dem Evangelium; und schließlich das Gebet. Gerade die Sorge um die Menschen, um die große "Ernte" und um die wenigen Arbeiter müsse aus dem Gebet kommen. Der Kardinal bat die Gläubigen, ihrerseits für die Dominikaner zu beten, damit sie dem Impuls Jesu und des heiligen Dominikus treu bleiben: Den Menschen in ihrer Müdigkeit und Orientierungslosigkeit nahe zu sein, ihnen das Evangelium zu verkünden und Begegnung mit Christus zu ermöglichen.
Festakt und weiteres Jubiläumsprogramm
Der Festgottesdienst bildete den Höhepunkt eines dreitägigen Jubiläumsfestes, mit dem die Dominikaner in Wien ihr 800-jähriges Bestehen "typisch wienerisch" begingen: mit Musik, Kunst, Begegnung, Kulinarik und Gottesdienst. Bereits am Freitag hatte ein Kreuzgang-Heuriger mit Wiener Liedkunst, Wein und Heurigen-Schmankerln das Festwochenende eröffnet. Am Samstag standen eine Basilika-Führung und ein Festkonzert auf dem Programm.
Im Anschluss an den Gottesdienst wurde im Basteigarten, im Kreuzgang und im Thomassaal weitergefeiert. Im Petrus-Hutner-Saal wurde zudem ein Sonderpostamt geöffnet und die Jubiläums-Sonderbriefmarke präsentiert.
Das Jubiläumsjahr wird in den kommenden Wochen fortgesetzt. Am Freitag, 26. Juni, stellen die Dominikaner im Thomassaal des Klosters die Festschrift "Wortgewandt, kunstsinnig und standhaft - 800 Jahre Dominikaner in Wien" vor. Der Sammelband geht auf das 5. Isnard-Wilhelm-Frank-Kolloquium zurück, das 2024 im Wiener Dominikanerkloster stattfand, und beleuchtet die Geschichte des Konvents aus kirchen- und kunsthistorischer Perspektive.