Bischof warnt in Predigt im Innsbrucker Dom am Herz-Jesu-Sonntag vor "neuer Härte" in der Gesellschaft und sieht EU-Asylpakt mit Sorge
Innsbruck, 14.06.2026 (KAP) Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler hat vor einer "neuen Härte" in der Gesellschaft gewarnt, der es mit gelebter Menschlichkeit zu begegnen gilt. In seiner Predigt beim Gottesdienst am Herz-Jesu-Sonntag im Innsbrucker Jakobsdom sagte der Bischof: "Menschlich macht uns ein weiches, lebendiges, einfühlsames Herz - und nicht der Kult um Überlegenheit und die Gier nach Macht." Der Bischof erteilte jedem Besitz- und Perfektionswahn eine Absage und zeigte sich u.a. besorgt, ob der neue EU-Asyl- und MIgrationspakt tatsächlich den Kriterien der Menschlichkeit entspricht.
Das Herz-Jesu-Fest sei ein Korrektiv, eine starke Mahnung in einer Welt, die mehr denn je auf autoritäre Macht und militärische Stärke setze, so der Bischof. Wenn Papst Leo XIV. in seiner Enzyklika davon spreche, dass man die KI entwaffnen müsse, dann meine er, dass "die Gleichsetzung von technischer Macht und dem daraus abgeleiteten Recht, zu herrschen" aufgebrochen werden muss, so Bischof Glettler. Er zeigte sich zudem überzeugt: "Wahre Menschlichkeit ist möglich."
Zu einer solchen Menschlichkeit gehöre freilich auch der Mangel. "Müssen wir alles besitzen, alles noch effizienter gestalten und machen können? Gehört nicht zu unserem Menschsein, dass uns etwas fehlt?", so der Bischof. Alles besitzen und kontrollieren zu wollen sei ein gefährlicher Wahn, der in die Unmenschlichkeit führe. Dem hielt der Bischof das Wort Jesu entgegen: "Kommt alle zu mir, die ihr schwach und beladen seid. Ich werde euch Ruhe verschaffen!" Das sei eine befreiende Ansage Jesu hinein in die gegenwärtige Zeit, die an einer "krankhaften Nervosität" leide, wie der Bischof sagte: "Wann endlich begreifen wir, dass gerade das Unperfekte und Fehlerhafte unser Menschsein ausmacht? Und dass wir versöhnt mit unseren Grenzen menschlicher leben können?"
Glettler weiter wörtlich: "Wir brauchen die Herzensenergie Gottes und wir brauchen einander - im Einsatz für ein Plus an sozialer und ökologischer Gerechtigkeit. Für den Einsatz zugunsten der Vulnerablen in unserer Gesellschaft, besonders am Lebensanfang und Lebensende."
Es brauche Gottes Herzensenergie u.a. auch, um Asylsuchenden, die ihre Heimat verlassen mussten, menschlich zu behandeln, so Bischof Glettler. Und er fügte hinzu: "Vor Kurzem trat das neue Europäische Asylgesetz in Kraft. Geloben wir Menschlichkeit? Wahren wir die Würde der Hilfesuchenden - oder sind sie für uns pauschal nur Nummern oder potentielle Kriminelle?"