Salzburger Erzbischof stand Festgottesdienst zum Jubiläum "100 Jahre Thierseer Passionsspielhaus" vor - "Ein Zeugnis christlichen Glaubens"
Salzburg, 15.06.2026 (KAP) Die Gesellschaft braucht die starke Stimme der Kirche, um hohe moralische Standards und Werte aufrechterhalten zu können. Davon hat sich der Salzburger Erzbischof Franz Lackner in seiner Predigt beim Festgottesdienst zum Jubiläum "100 Jahre Thierseer Passionsspielhaus" überzeugt gezeigt. Die Festmesse im Passionsspielhaus war der Auftakt eines Festakts zum 100-Jahr-Jubiläum. Mit dabei waren u. a. der Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle und Landeshauptmann a. D. Günther Platter. Thiersee liegt in jenem Teil Tirols, der kirchlich zur Erzdiözese Salzburg gehört.
Was Tirol besonders auszeichnet, seien seine Gelöbnisse, so Erzbischof Lackner. Er verwies zum einen auf das Herz-Jesu-Gelöbnis, dass seit Ende des 18. Jahrhunderts in Tirol jedes Jahr erneuert wird. Und so hätten zum anderen auch die Bauern von Thiersee vor 100 Jahren in großer Notzeit ein feierliches Gelöbnis abgegeben, die Passion Jesu Christi in regelmäßigen Abständen aufzuführen. Diesem Gelöbnis wüssten sich die Menschen bis heute verpflichtet. "Das verdient Anerkennung und Dank - es ist ein Zeugnis christlichen Glaubens", so Erzbischof Lackner.
"In den Herzen vieler einzelner herrscht große Not"
Wörtlich sagte Lackner: "In großer Not also wurden Gelöbnisse getan, wir begehen sie feierlich, ihr existenziell erlebter Hintergrund scheint jedoch vergangen." Es stelle sich aber die Frage, ob man nicht auch heute in einer Zeit großer Nöte lebe, so der Erzbischof weiter: "In den Herzen vieler einzelner herrscht große Not, Orientierungslosigkeit, grassierende Unzufriedenheit, eine gleichgültige Auffassung, die schnell zur Sinnlosigkeit führen kann." Dazu käme ein nicht zu übersehendes Faktum: "Kriege rücken immer näher an uns heran."
Und schließlich: "Wir leben in einem säkularen Staat - das ist durchaus eine Errungenschaft, aber auch hier ist Vorsicht geboten." Säkular müsse heißen, dass es keine Staatsreligion geben dürfe. Es müsse aber auch bedeuten, mit keiner anderen Weltanschauung ein Bündnis einzugehen, etwa mit einer gänzlich religionslosen Weltsicht, so der Erzbischof: "Insofern muss der Staat neutral bleiben, ohne in eine gleichgültige Philosophie zu verfallen."
Lackner: Säkularer Staat muss wissen, wem er sich verdankt
Lackner berichtete, dass er am Samstag in Berlin bei der Sitzung der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz teilgenommen hatte: "Dort wurde mitunter heftig diskutiert, ob etwa Abtreibungen oder assistierter Suizid auch in christlichen Anstalten durchgeführt werden müssten." Lackners Conclusio: "Hier müssen wir als Christgläubige dagegenhalten."
Der Salzburger Erzbischof verwies auf das Diktum des deutschen Staats- und Verfassungsrechtlers Ernst Wolfgang Böckenförde: Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebe von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren könne. Lackner: "Der säkulare Staat muss Unterschiede schützen; aus gewachsener Herkunft muss er wissen, wem er sich verdankt, was seit Jahrhunderten die tragenden und lebensermöglichenden Quellen des Lebens und Überlebens sind!"
Der Erzbischof erinnerte zudem auch an den polnische Philosoph Leszek Kolakowski, der in einem Interview gegen Ende seines Lebens diesen Sachverhalt pointiert zum Ausdruck gebracht hatte: "Offensichtlich können Einzelne hohe moralische Standards aufrechterhalten und zugleich areligiös sein. Dass ganze Zivilisationen das können, bezweifle ich." Darum, so Erzbischof Lackner, "braucht es die Stimme der Kirche und mit ihr unser Bekenntnis, denn wir sind weder auf einen nationalen noch auf unseren eigenen Vorteil bedacht, sondern wir sind universal ausgerichtet, gerade auch auf Zukunft hin, auf die letzte Gerechtigkeit".
Zeugnisse des Glaubens bewahren
Man habe ein gutes Erbe übernommen und wolle dieses auch künftigen Generationen hinterlassen. Das sei auch eine Frage der Generationengerechtigkeit, "darum braucht es den Glauben der Väter und Mütter, die ihn an ihre Kinder weitergeben". Und darum brauche es auch Zeugnisse wie die Passionsspiele in Thiersee, "die uns auf eindringliche Weise das Erlösungswirken unseres Herrn Jesus Christus vor Augen halten und ins Herz führen".
Das Passionsspielhaus am Thiersee in Tirol entstand 1926 aus einem Versprechen heraus: Die Thierseer Bevölkerung gelobte in einer Zeit der Not vor 100 Jahren, die Passion Christi regelmäßig aufzuführen - ein Versprechen, das bis heute eingehalten wird. Dem Passionsspielverein gehören derzeit rund 280 Personen an. (Infos: https://passionsspiele-thiersee.at)