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Ordenspodcast "Lebenswerk" beleuchtet Grenzfragen im Krankenhaus

16.06.2026 11:22
Österreich/Kirche/Ethik/Ordensspitäler/Podcast
Experten diskutieren in Podcast der heimischen Ordenskrankenhäuser über brisante ethische Fragen im Klinikalltag - Palliativärztin Riesinger: "Beim assistierten Suizid positionieren wir uns deutlich: Das ist nicht Aufgabe oder Teil des Angebotes"
Wien, 16.06.2026 (KAP) Wer entscheidet, wenn Patientinnen und Patienten sich nicht mehr selbst äußern können oder eine Behandlung mehr Leid als Nutzen bringt? In der aktuellen Folge des Podcasts "Lebenswerk" der Ordensspitäler Österreichs diskutieren Renate Riesinger, Ethikkoordinatorin und Oberärztin der Palliativstation im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried, und Jürgen Wallner, Leiter des Ethikprogramms der Barmherzigen Brüder der Ordensprovinz Europa Mitte) über Ethik im Klinikalltag.

Die Palliativärztin Renate Riesinger nannte ein konkretes Beispiel: "Eine Patientin, die nicht selbst äußern kann, was sie möchte, könnte zu einer lebensverlängernden Behandlung auf eine Intensivstation verlegt werden. Doch diese Behandlung ist für die Patientin sehr belastend. Eine Ethikberatung kann hier helfen herauszufinden, ob diese Person die Belastungen für eine Lebensverlängerung überhaupt in Kauf nehmen möchte."

Barmherzige Brüder mit eigenem Ethikkodex

Bei den Ordensspitälern sei Ethik fest verankert. Eine Vorreiterrolle hätten hier die Barmherzigen Brüder übernommen, die bereits im Jahr 1994 einen eigenen Ethikkodex eingeführt haben. Doch ein Regelwerk allein macht für den Ethik-Experten Jürgen Wallner noch keine gelebte Ethik aus: "Ethik besteht darin, selbst Verantwortung zu übernehmen. Es gibt Menschen, die sagen: 'Warum sagst du mir nicht einfach, was ich tun soll?' Und da muss ich sagen: Das kann man schon machen, aber da können wir nicht das Etikett Ethik draufkleben. Ethik verlangt immer eine eigenverantwortliche Situationsbewältigung."

Ein zentrales Thema sei die Frage, was passiert, wenn keine Patientenverfügung vorliegt oder diese im Notfall nicht rechtzeitig zur Hand ist. "Die erste Hoffnung ist, dass jemand da ist, der den Patienten oder die Patientin persönlich kennt. Es ist wichtig herauszufinden: Wer ist dieser Mensch, der momentan nicht ansprechbar ist? Was ist ihm wichtig, was möchte er auf keinen Fall?", so Wallner.

Was aber, wenn Patienten und Angehörige unterschiedliche Vorstellungen haben? Für Wallner ist die Antwort eindeutig: "Man muss sich vor Augen führen, wem das Behandlungsteam primär verpflichtet ist, nämlich dem Patienten. Natürlich versucht man, alle mit an Bord zu holen, und die Angehörigen sind ein wichtiger Part. Aber was nicht passieren darf, ist, dass eher auf die Angehörigen eingegangen wird, weil diese besser in der Lage sind, sich zu artikulieren, während die betroffene Person krankheitsbedingt geschwächt ist. Das ist nicht die adäquate Haltung, wenn man Patientinnen und Patienten ernst nehmen möchte."

Wo Ordensspitäler Grenzen ziehen

Ein sensibles Feld berührt die Frage nach den Grenzen, etwa beim Umgang mit dem assistierten Suizid. Riesinger: "Der Schutz des Lebens ist eine fundamentale Grenze der Ordensspitäler. Beim assistierten Suizid positionieren wir uns deutlich: Das ist nicht Aufgabe oder Teil des Angebotes. Dennoch unterstützen und betreuen wir natürlich Menschen mit Wünschen nach assistiertem Suizid oder einer Sterbeverfügung weiter."

Die beiden Ethik-Experten schlossen den Podcast mit dem Appell, dass jede und jeder mit Angehörigen über das eigene Lebensende reden sollte. "Reden Sie mit Ihren Angehörigen, mit Ihren Freunden, mit Ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten, was Ihnen wichtig ist und wie Sie sich Ihr Lebensende vorstellen. Diese Gespräche sind nicht einfach zu führen, machen aber vieles klarer. Und falls Sie irgendwann nicht mehr selbst sprechen können, können Ihre Angehörigen uns unterstützen, gute Entscheidungen für Sie zu treffen", sagte etwa Riesinger.

Fazit des Podcasts laut Aussendung: Getragen von Ordensgemeinschaften verstehen die Ordensspitäler ihren Auftrag nicht als bloße medizinische Leistung auf Spitzenniveau, "sondern als bedingungslose Zuwendung zum Menschen". Ethik bilde dabei das Fundament dieser Haltung.

Ordensspitäler Österreichs

Die 23 Ordensspitäler Österreichs betreuen jährlich rund zwei Millionen Patientinnen und Patienten und stellen damit eine bedeutende Säule des österreichischen Gesundheitswesens dar. Bundesweit steht jedes fünfte Spitalsbett in einem Ordenskrankenhaus. In absoluten Zahlen sind es etwa 7.100 Betten. Über 200.000 Patientinnen und Patienten werden jährlich operiert. Mit rund 20.000 Mitarbeitenden sind die Ordensspitäler ein wichtiger Arbeitgeber.

Der Podcast "Lebenswerk" der Ordensspitäler Österreichs findet sich auf allen gängigen Plattformen und auf www.ordensspitaeler.at/podcast.
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