Papst in Videobotschaft an Klimaschutzkonferenz "Austrian World Summit": Umweltkrise Teil einer sozioökonomischen Krise; wohlhabende Staaten müssen Klimaverpflichtungen erfüllen - Zehnter Austrian World Summit in Wiener Hofburg mit ehemaliger US-Vizepräsidentin Kamala Harris sowie Bundespräsident Van der Bellen und Bundeskanzler Stocker
Wien, 16.06.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat die Klimakrise als Ausdruck einer sozialen und wirtschaftlichen Fehlentwicklung bezeichnet und zu einer stärkeren internationalen Zusammenarbeit zum Schutz der Umwelt aufgerufen. In seiner Videobotschaft anlässlich des zehnten Austrian World Summit in Wien betonte der Papst am Dienstag, die ökologische Krise sei "kein isoliertes Problem, sondern vielmehr der ökologische Aspekt der gegenwärtigen sozioökonomischen Krise". Technische Lösungen allein würden daher nicht ausreichen, solange Fragen von Gerechtigkeit, Menschenwürde und Teilhabe ungelöst blieben. Nötig sei zudem "die Entwicklung eines neuen, menschenzentrierten internationalen Finanzrahmens", von dem die ärmsten Länder "und diejenigen, die am stärksten von Klimakatastrophen bedroht sind" profitieren sollte.
Der gebürtige Österreicher und kalifornische Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger ist Initiator der Konferenz, an der u.a. die ehemalige US-Vizepräsidentin Kamala Harris teilnimmt. Die Begrüßungsworte sprachen Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP). Unter den Sprecherinnen und Sprechen sind u.a. UNO-Generalsekretär António Guterres, EU-Klima-Kommissar Dan Jørgensen sowie Lorna Gold, Direktorin der weltweit aktiven "Laudato Si'"-Bewegung.
Der Papst stellte seine Botschaft unter die christlichen Grundtugenden Glaube, Hoffnung und Liebe. Der Glaube könne einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung des Klimawandels leisten, weil er die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung unterstreiche. Wer die Welt als Gottes Schöpfung verstehe, sei in besonderer Weise verpflichtet, sie zu bewahren. Zugleich verwies Leo XIV. auf gemeinsame ethische Grundlagen verschiedener Religionen, die den Schutz des Lebens und den sorgsamen Umgang mit der Natur unterstützten.
Multilateralismus für Lösungen
Angesichts des globalen Charakters der Herausforderungen und der Sorgen der Menschen sprach sich der Papst für eine verstärkte "internationale Zusammenarbeit sowie einen kohärenten und zukunftsorientierten Multilateralismus, um wirksame Lösungen zu finden", aus. Gleichzeitig warnte er vor politischen Blockaden durch Angst vor Veränderung, Machtverlust oder ungewissen Folgen.
Hoffnung könne dabei trotz Skepsis und Zynismus eine starke Triebkraft sein, so Leo XIV. Und weiter: "Gerade hier, so glaube ich, können religiöse Führer und Gemeinschaften einen besonderen Beitrag zur Unterstützung ehrgeiziger sozialer und ökologischer Bemühungen leisten, denn die Bibel ist voller Beispiele dafür, wie die Ängste der Menschen durch Hoffnung überwunden werden können, die letztlich ein Geschenk Gottes selbst ist."
Gemeinwohl vor Profitinteressen
Nötig sei ein "gerechter Übergang" zu Gesellschaften, in denen das Gemeinwohl Vorrang vor wirtschaftlichen Profitinteressen habe, so der Papst, der damit auf die Verhandlungen im Rahmen der UN-Klimakonferenz COP30 verwies. Wohlhabende Staaten müssten ihren Verpflichtungen nachkommen und ärmere Länder finanziell unterstützen.
Im Fokus der klimapolitischen Maßnahmen müssten dabei stetes die Ärmsten und Verwundbarsten stehen. Klimaschutz sei untrennbar mit Fragen sozialer Gerechtigkeit verbunden, mahnte der Papst. Zugleich forderte der Leo XIV. einen neuen, am Menschen orientierten internationalen Finanzrahmen, damit besonders von Klimakatastrophen bedrohte Staaten Entwicklungschancen wahrnehmen könnten.
Abschließend warb Leo XIV. für eine "Kultur der Sorge" um die Umwelt und griff dabei den von Papst Franziskus (1936-2025) geprägten Begriff der "bürgerlichen und politischen Liebe" auf. Letzteres sei der "Schlüssel zu einer authentischen Entwicklung". Ziel müsse eine Kultur sein, die Umweltzerstörung entgegenwirke und Sorge füreinander zum Maßstab politischen und wirtschaftlichen Handelns mache. Der Austrian World Summit könne dazu beitragen, den notwendigen Dialog über wirksame Lösungen zum Schutz der Schöpfung voranzubringen, hielt der Papst fest.