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Indigene Frau mit Fisch im peruanischen Iquitos
Bild Copyright: © Christen in Not / Larissa Eckhardt

Amazonas-Bischof: Europa mitverantwortlich für illegalen Goldabbau

16.06.2026 13:39
Österreich/Peru/Gold und Edelmetall/Menschenrechte/Welthandel/Kirche/Umwelt/Kriminalität
Bischof im peruanischen Iquitos, Cádenas, warnt vor Umweltzerstörung und Gewalt im Amazonas durch globale Lieferketten
Wien, 16.06.2026 (KAP) Stärkere Verantwortung Europas im Zusammenhang mit illegalem Goldabbau fordert der Apostolische Vikar der peruanischen Amazonas-Diözese Iquitos, Bischof Miguel Ángel Cádenas Cardo. Der spanische Augustinermissionar, der seit mehr als 25 Jahren in der Region lebt, warnte am Dienstag im Interview der Nachrichtenagentur Kathpress vor massiven sozialen, ökologischen und gesundheitlichen Schäden durch diese Praxis, "für die auch der internationale Goldhandel Mitverantwortung trägt". Der Bischof war auf Einladung des Hilfswerks "Christen in Not" in Wien.

Die Folgen des illegalen Goldabbaus in Perus Amazonas-Zuflüssen seien dramatisch und vielgestaltig, so der Bischof. In weiten Teilen des Gebiets rund um Iquitos sei die staatliche Kontrolle nur eingeschränkt. Kriminelle Gruppen nutzten die wirtschaftliche Not der Bevölkerung aus und böten Geld für die Beteiligung am Goldschürfen. Dadurch entstünden soziale Spannungen innerhalb der Gemeinden und eine zunehmende Durchdringung lokaler Strukturen durch organisierte Kriminalität, mit der der illegale Abbau eng verbunden ist, darunter Drogenhandel und bewaffnete Gruppen.

Besonders schwerwiegend seien zudem die gesundheitlichen Folgen der Goldgewinnung: "Die Menschen essen Fisch dreimal am Tag, sie trinken Flusswasser und wissen dabei gar nicht, dass sie sich vergiften", sagte Cádenas. Denn beim Goldabbau werde Quecksilber eingesetzt, das in die Gewässer gelange und sich in der Nahrungskette anreichere. Studien wiesen teils stark erhöhte Belastungen in der Bevölkerung nach, insbesondere bei Kindern. "In der wasserreichsten Region der Erde haben die Menschen daher kein sauberes Trinkwasser", betonte der Bischof.

Menschenrechte unter Beschuss

An dem Gespräch nahm auch Manuel Cornejo teil, Direktor des kirchlichen Amazonischen Zentrums für Anthropologie und praktische Anwendung (CAAAP). Er verwies auf die enge Verflechtung des illegalen Goldabbaus mit grenzüberschreitenden kriminellen Netzwerken, die bis nach Kolumbien und Mexiko reichten. Umweltzerstörung, Menschenhandel und bewaffnete Strukturen seien dabei immer mehr miteinander verschränkt. Aktivisten und indigene Vertreter würden dabei zunehmend eingeschüchtert, bedroht oder auch angegriffen.

Die katholische Kirche betreibt in der Region ein Menschenrechtsbüro, das indigene Gemeinschaften rechtlich begleitet und in Einzelfällen auch Gerichtsverfahren unterstützt. "Wir dokumentieren, begleiten und geben den Menschen eine Stimme", sagte Bischof Cádenas. Zugleich warnte er vor einer zunehmenden Gewaltspirale in Teilen des Amazonasgebietes, in denen staatliche Strukturen nur eingeschränkt greifen.

Globale Verantwortung

Der steigende Goldpreis verschärft die Dynamik zusätzlich. Getrieben von geopolitischen Unsicherheiten und Käufen durch Zentralbanken, steigt die weltweite Nachfrage nach Gold ständig an. Dadurch werde der Druck auf den Amazonasraum erhöht, da illegale Förderstrukturen in globale Wertschöpfungsketten integriert werden könnten, sagte der Bischof, und es gelte: "Das Problem ist nicht lokal begrenzt, sondern Teil eines internationalen Systems."

Cádenas zufolge lautet die Frage "nicht nur, was im Amazonas passiert, sondern wo dieses Gold landet". Europa müsse sich stärker mit der Herkunft von Goldimporten auseinandersetzen. "Es braucht Transparenz und vollständige Rückverfolgbarkeit", so der Apostolische Vikar. Ohne funktionierende Rückvollziehbarkeit der Lieferketten entstehe ein System, in dem illegales Gold in den legalen Weltmarkt eingespeist werde und dort nicht mehr identifizierbar sei. Besonders Staaten in Europa sowie die USA, Kanada, die Golfstaaten und China seien zentrale Abnehmer.

Der Schutz des Amazonas sei daher eine globale Aufgabe. Neben strengeren Kontrollen brauche es auch alternative Wirtschaftsmodelle für die lokale Bevölkerung. "Die Menschen brauchen ein Leben in Würde, es geht nicht nur ums Überleben", so Cádenas. Nachhaltige Projekte könnten langfristig Perspektiven schaffen, etwa durch alternative Landwirtschaft oder lokale Produktionsketten.

(Honorarfreie Fotos von Bischof Cádenas und aus Iquitos zum Download unter www.kathpress.at/fotos)
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Bischof Miguel Ángel Cádenas Cardo
Bischof Miguel Ángel Cádenas Cardo
Manuel Cornejo und Bischof Miguel Angel Cadenas Cardo
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Indigene Frau mit Fisch im peruanischen Iquitos
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