Hilfswerk: Christen-Gemeinde im Libanon schrumpft massiv
16.06.202612:36
Libanon/Israel/Kirche/Krieg
Pfarrer im Süden des Libanon über Lage der von Krieg und Vertreibung betroffenen Christen: "Wir bewahren uns die Hoffnung - aber Hoffnung allein reicht nicht aus"
München, 16.06.2026 (KAP/KNA) Die israelischen Angriffe auf die islamistische Terrororganisation Hisbollah im Libanon haben nach Angaben des katholischen Hilfswerks "Kirche in Not" negative Folgen für Christen in dem Land im Nahen Osten. So ist die christliche Gemeinde im südlibanesischen Dorf Al-Kfour binnen weniger Monate nahezu verschwunden, wie das Hilfswerk am Dienstag in München mitteilte. Von einst rund 120 Gläubigen leben demnach heute nur noch knapp ein Dutzend dauerhaft vor Ort.
Der maronitische Pfarrer Youssef Semaan sagte "Kirche in Not", seit Beginn der jüngsten Eskalation Anfang März seien viele Familien geflohen. Die Menschen stünden vor einer schweren Entscheidung: bleiben und das Leben riskieren - oder die Heimat verlassen, ohne zu wissen, ob eine Rückkehr jemals möglich sein werde.
Semaan stammt selbst aus Al-Kfour. Die im Nahen Osten verwurzelte maronitische Kirche ist seit dem 12. Jahrhundert mit der katholischen Kirche verbunden.
Haus des Priesters beschädigt
Auch der Pfarrer musste sein Dorf aus Sicherheitsgründen verlassen, wie es hieß. Die Lage habe sich zuletzt weiter verschärft: In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni wurden nach Angaben des Priesters drei Häuser zerstört, die Gemeindemitgliedern gehörten. Auch sein eigenes Haus sei beschädigt worden. "Jede Woche ist gefährlicher als die vorherige. Die Situation ist unerträglich geworden", so Semaan.
Mit Al-Kfour verbunden ist der Geistliche laut der Mitteilung durch seine schmerzliche Familiengeschichte: Sein Vater Khalil, ebenfalls maronitischer Priester - in der maronitischen Kirche können verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden -, wurde am 2. Dezember 1987 während des libanesischen Bürgerkriegs auf dem Weg zur Feier der heiligen Messe entführt und starb Jahre später in Gefangenschaft.
Bewusstes Zeichen gegen Gewalt
Youssef Semaan habe sich nach dem Tod des Vaters dazu entschieden, selbst Priester zu werden und als Seelsorger dort zu wirken, wo sein Vater entführt worden war. "Für ihn war das ein bewusstes Zeichen: Gewalt sollte nicht das letzte Wort behalten", so das Hilfswerk.
Semaan hat den Angaben zufolge die Hoffnung nicht aufgegeben. "Wir bewahren uns die Hoffnung", sagte er. "Aber Hoffnung allein reicht nicht aus. Sie muss sich auf konkrete Grundlagen stützen, die es uns ermöglichen, wieder aufzubauen und weiterzuleben."