Spieker sieht Widersprüche im Schreiben "Magnifica humanitas"
Freiburg, 16.06.2026 (KAP/KNA) Der deutsche Sozialethiker Manfred Spieker hat Papst Leo XIV. Inkonsistenz in dessen Überlegungen zur Lehre vom gerechten Krieg vorgeworfen. Was die Sozialenzyklika "Magnifica humanitas" dazu sage, "entbehrt jeder Konsistenz und zwingt zu mehreren Einwänden", schrieb der ehemalige Osnabrücker Professor am Dienstag auf dem Portal "communio.de".
Die Enzyklika fordere, die Lehre vom gerechten Krieg zu "überwinden", halte aber zugleich am Recht auf "legitime Verteidigung, die im engsten Sinne zu verstehen ist", fest. Genau darin sieht Spieker einen Widerspruch. Die traditionelle Lehre vom gerechten Krieg diene der Begrenzung militärischer Verteidigung. Wer nach den Kriterien legitimer Verteidigung frage, komme daher wieder bei der alten Lehre an.
Die in "Magnifica humanitas" angeführten Gründe gegen die Lehre vom gerechten Krieg überzeugen Spieker nicht. Dass sich Kriegsparteien zu Unrecht auf sie beriefen, mache sie nicht obsolet, so der Theologe. Ebenso bestätige die moralische Ablehnung bestimmter Waffen oder Einsätze die Notwendigkeit ethischer Kriterien, wie sie die Lehre vom gerechten Krieg vorlege.
Nach Spiekers Ansicht führt "Magnifica humanitas" die Lehre vom gerechten Krieg in den Passagen zu künstlicher Intelligenz in der Kriegführung selbst wieder ein. Dort fordere das Schreiben, "Waffengewalt nur als letzte Option in Fällen legitimer Verteidigung" einzusetzen.
Lehre vom gerechten Krieg
Was die Kirche zu Kriegen und Rüstung lehrt, ist im "Katechismus der Katholischen Kirche" in den Artikeln 2307 bis 2317 zusammengefasst. Demnach sind Bürger und Regierende "verpflichtet, sich für die Vermeidung von Kriegen tätig einzusetzen". Nur wenn alle Möglichkeiten einer friedlichen Konfliktbeilegung ausgeschöpft sind, wird militärische Notwehr als "sittlich vertretbar" betrachtet. Hierbei sind enge Regeln zu beachten. Zudem betont der Katechismus die theologische Sicht, nach der die Gefahr des Krieges in der Sündhaftigkeit des Menschen wurzele. Damit wird angedeutet, dass auch ein "gerechter Krieg" ein Übel ist.
Die Lehre vom gerechten Krieg geht maßgeblich auf den Kirchenlehrer Augustinus (354-430) zurück. Dessen Grundsätze - etwa die Beschränkung auf Verteidigung und das Prinzip der Verhältnismäßigkeit - wurden über die Jahrhunderte weiterentwickelt.
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