Hostienmangel in Kuba: Kirche in Panama und Puerto Rico senden Hilfe
17.06.202611:45
Kuba/Krise/Kirche
Schwere Versorgungskrise auf der Karibikinsel betrifft auch die Gottesdienste und führte schon bisher zu Rationierungen
Santiago de Cuba, 17.06.2026 (KAP) Die katholische Kirche in Panama und in Puerto Rico hat Lieferungen von insgesamt mehreren Hunderttausend Hostien nach Kuba organisiert, um Engpässe bei der Feier der Eucharistie in mehreren Diözesen der Karibikinsel zu überbrücken. Nach Angaben der Erzdiözese Panama gegenüber der Plattform aciprensa (Dienstag Ortszeit) wurden 35.000 Hostien gesendet, aus Puerto Rico kamen rund 300.000 weitere hinzu. Die Hilfsaktionen wurden von den jeweiligen Bischöfen koordiniert, als Zeichen kirchlicher Solidarität innerhalb der Karibikregion.
Hintergrund der Engpässe ist eine sich verschärfende Versorgungskrise in Kuba, die weite Teile des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens betrifft. In vielen Regionen kommt es zu stunden- oder sogar tagelangen Stromausfällen, da die staatliche Elektrizitätsgesellschaft nur eingeschränkt Strom bereitstellen kann. Auch Treibstoff und Kochgas sind nach offiziellen Angaben knapp, was den Alltag erheblich belastet.
Die Kirche ist von der Knappheit gleichermaßen betroffen. So ist auch die sonst in einem Kloster der Karmelitinnen vollzogene Herstellung von Hostien beeinträchtigt, da sie auf kontinuierliche Energieversorgung und technische Abläufe angewiesen ist und angesichts der vielen Stromausfälle deutlich reduziert werden musste. Eine Rationierung sei deshalb notwendig geworden, hieß es.
Die jüngsten Lieferungen aus Panama und Puerto Rico wurden ebenso in Klöstern hergestellt und über zivile Flugverbindungen transportiert. Seitens der Bischöfe hieß es, die Eucharistie sei "Sakrament der Einheit" und der gemeinsame Austausch des eucharistischen Brotes über Grenzen hinweg Ausdruck kirchlicher Verbundenheit. Die Hilfe stelle zudem nicht nur eine materielle Unterstützung dar, sondern sei auch ein Zeichen der Solidarität mit den Gläubigen in Kuba, die derzeit unter schwierigsten Bedingungen lebten.
Krise in allen Bereichen
Kubas Versorgungskrise betrifft alle Sektoren des täglichen Lebens und führt zu einer Verschärfung der wirtschaftlichen und sozialen Probleme. Neben der Strom- und Treibstoffknappheit fehlt es vielerorts auch an sauberem Trinkwasser, da Pumpanlagen ebenfalls von der instabilen Energieversorgung abhängen. Haushalte weichen zunehmend auf alternative Energiequellen wie Holz oder Holzkohle aus. Die hohe Inflation hat die Kaufkraft vieler Menschen stark reduziert, während Grundnahrungsmittel und Güter des täglichen Bedarfs in privaten Geschäften zu deutlich höheren Preisen angeboten werden.
Die angespannte Lage führte in den vergangenen Wochen in mehreren Städten zu spontanen Protesten, bei denen Anwohner mit dem Klopfen auf Töpfe und Pfannen durch die Straßen zogen. Gleichzeitig belasten internationale Sanktionen und die Reduzierung wirtschaftlicher Aktivitäten ausländischer Unternehmen die kubanische Wirtschaft zusätzlich. Besonders der Tourismussektor verzeichnet Rückgänge. Beobachter sehen derzeit keine kurzfristige Entspannung, während die Regierung in Havanna vor einer weiteren Verschlechterung der Lage warnt und zugleich ihre Sicherheitsmaßnahmen verstärkt.