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Polak: "Unis müssen sich Antisemitismus stellen"

17.06.2026 15:02
Österreich/Judentum/Wissenschaft/Rassismus/Religion/Diskriminierung/Religiöse Diskriminierung/Universität/Hochschule/Polak/Antisemitismus
Pastoraltheologin in "Furche"-Interview: "Besondere Verantwortung der Universität und speziell meiner Katholisch-Theologischen Fakultät, zu überlegen, wie wir Übel begegnen können"
Wien, 17.06.2026 (KAP) Die Wiener Pastoraltheologin Regina Polak fordert eine stärkere Auseinandersetzung der Universitäten mit Antisemitismus. Speziell der israelbezogene Antisemitismus stelle Hochschulen vor Herausforderungen, so die Präsidentin des christlich-jüdischen Koordinierungsausschusses im Interview mit der Wochenzeitung "Die Furche" (Ausgabe 18. Juni). Universitäten müssten sich dem Thema stellen und entsprechende Maßnahmen in Forschung, Lehre und Ausbildung verstärken, meinte Polak. Nötig sei eine stärkere interdisziplinäre Forschung, mehr Aufmerksamkeit für die Rolle sozialer Medien als "Brandbeschleuniger" sowie Investitionen in Bildung und Lehrerinnen- und Lehrerbildung. "Wenn man das nicht tut, wird dieses Übel weiter tradiert", meinte Polak.

Konkret verwies die Pastoraltheologin auf eine Studierendenvollversammlung an der Universität Wien Anfang Juni. Dort seien Beschlüsse gefasst worden, die sie als antisemitisch einstufe; dazu zählen etwa die Forderung, Antizionismus an der Universität zu fördern, die Antisemitismus-Definition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) abzuschaffen sowie Kooperationen mit israelischen Universitäten zu boykottieren.

Polak, u. a. Organisatorin des transdisziplinären Workshops "Was tun nach dem 7. Oktober?" an der Uni Wien, zeigte sich auch besorgt über den Anstieg antisemitischer Einstellungen und Vorfälle. Sie sehe "eine besondere Verantwortung der Universität und speziell auch meiner Katholisch-Theologischen Fakultät, zu überlegen, wie wir diesem Übel begegnen können". Polak verwies zudem auf eine Studie der Grazer Fundamentaltheologin Martina Bär, in der erforscht wurde, was die Unis explizit gegen Antisemitismus in Forschung und Lehre tun. "Und diese Studie hat gezeigt, dass es an den Hochschulen, wo wir ja die künftige Elite ausbilden, Luft nach oben gibt." Berichten zufolge hätten die Ergebnisse bei Hochschulleitungen nicht überall Zustimmung gefunden. Polak vermutet dahinter auch die Sorge vor eskalierenden Konflikten, betonte jedoch: "Wir müssen uns diesem Thema stellen."

Kritik versus Antisemitismus

Als besonders schwierig bezeichnete Polak die Abgrenzung zwischen legitimer Kritik an der Politik der israelischen Regierung und antisemitischen Positionen. Problematisch werde Kritik etwa, wenn die Politik Israels mit jener des Nationalsozialismus gleichgesetzt, das Existenzrecht Israels infrage gestellt oder mit doppelten Maßstäben gearbeitet werde. Als Orientierung verwies Polak auf die sogenannte 3D-Regel des früheren sowjetischen Dissidenten und israelischen Politikers Natan Sharansky: "Antisemitisch wird Kritik dann, wenn Doppelstandards, Delegitimierung oder Dämonisierung Israels im Spiel sind."

Kritisch äußerte sich die Theologin auch zu bestimmten Ausprägungen postkolonialer Theorien. Zwar könne und dürfe auf diese Diskurse nicht verzichtet werden, da sie wichtige Perspektiven einbrächten. "Gleichzeitig muss man fragen, wo das kippt und wo postkoloniale Hermeneutiken nicht nur ideologisch, sondern auch verschwörungstheoretisch oder eben auch antisemitisch werden", sagte Polak.
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