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Flüchtlingscamp in Tigray
Bild Copyright: © Jugend Eine Welt

Jugend Eine Welt warnt vor humanitärer Krise im Tigray

17.06.2026 15:11
Österreich/Äthiopien/Kirche/Hilfsorganisation/Bürgerkrieg/Hunger/Armut/Wasser
Hunderttausende Menschen in überfüllten Lagern leiden unter Hunger, Wasserknappheit und mangelnder Versorgung
Wien, 17.06.2026 (KAP) Auf die weiterhin dramatische Lage in der nordäthiopischen Region Tigray hat anlässlich des Weltflüchtlingstags (20. Juni) das Hilfswerk "Jugend Eine Welt" aufmerksam gemacht. Dreieinhalb Jahre nach dem offiziellen Ende des Bürgerkriegs lebten dort noch immer Hunderttausende Binnenvertriebene in Flüchtlingslagern und Notunterkünften. Die Sicherheitslage sei weiterhin prekär. Aus Sorge vor einem Wiederaufflammen der Kämpfe habe die äthiopische Zentralregierung zuletzt die Schulen für vier Monate geschlossen, teilte die Organisation am Mittwoch mit. "Wir erleben in Tigray eine Krise, die international kaum noch Aufmerksamkeit erhält, obwohl die Not vieler Menschen immer größer wird", sagte Wolfgang Wedan, Globaler Nothilfekoordinator von Jugend Eine Welt.

Die Eindrücke nach einem kürzlichen Besuch von Projektstandorten und Flüchtlingslagern in Tigray seien erschütternd, berichtete Wedan. "Rund 90 Prozent der öffentlichen Schulen, die wir besucht haben, sind nach wie vor von Binnenvertriebenen belegt. Man weiß schlicht nicht, wo die Menschen sonst untergebracht werden sollen." Dadurch fehlten Kindern und Jugendlichen wichtige Lernorte, die ohnehin bereits Jahre ihrer Schulbildung verloren hätten. Zusätzlich erschwere ein Mangel an Unterrichtsmaterialien den Bildungsalltag.

Gemeinsam mit den Salesianern Don Boscos unterstützt Jugend Eine Welt in Äthiopien neben Nothilfemaßnahmen auch Bildungs- und Ausbildungsprogramme. In sogenannten "Child Friendly Spaces" erhalten Kinder Schutz, psychosoziale Betreuung sowie die Möglichkeit zu lernen und zu spielen.

Katastrophale Zustände in Flüchtlingslagern

Besonders schwierig seien die Bedingungen in den Flüchtlingscamps. Philippa Belcredi, Leiterin der Programmabteilung von Jugend Eine Welt, verwies auf die Situation in der Stadt Adwa. Dort lebten rund 40.000 Menschen auf dem Gelände einer ehemaligen Fabrik, die während des Krieges geplündert worden sei. "Jede Familie verfügt dort nur über wenige Quadratmeter, die durch aufgehängte Decken oder Planen voneinander getrennt sind."

Zusätzlich verschärften massive Versorgungsengpässe die Lage. "Es gibt viel zu wenig Nahrung. Erste Todesfälle aufgrund von Unterernährung wurden in den letzten Wochen gemeldet", so Belcredi. Auch Treibstoffmangel und Wasserknappheit belasteten die Bevölkerung. Entsprechend katastrophal seien die hygienischen Zustände. "Die vorhandenen acht Toiletten für 40.000 Geflüchtete funktionieren meist nicht. Für die Duschen gibt es kein Wasser. Mangels Alternativen versuchen sich die verzweifelten Menschen im Camp mit Asche zu reinigen." Fehlende Abfallentsorgung und mangelnde Beleuchtung führten zudem dazu, dass nachts immer wieder Hyänen in die Lager eindrängen. In der Vergangenheit seien auch Kinder angegriffen worden.

"Die Situation bleibt äußerst herausfordernd und wird durch das mögliche Aufflammen des Bürgerkriegs noch verschärft. Die Menschen in Tigray brauchen nicht nur Hilfe zum Überleben, sondern auch Chancen für die Zukunft. Beides gehört untrennbar zusammen", appellierte Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt, an die Spendenbereitschaft der österreichischen Bevölkerung.

(Jugend Eine Welt-Spendenkonto: AT66 3600 0000 0002 4000; Onlinespenden unter www.jugendeinewelt.at/spenden)
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