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Papst bei Trauermesse für Kardinal Ruini: Weiser und mutiger Hirte

18.06.2026 18:10
Vatikan/Italien/Papst/Kirche/Leute/Requiem/Ruini
Am Dienstag im Alter von 95 Jahren gestorbener früherer Kardinalvikar der Diözese Rom prägte jahrzehntelang das Verhältnis von Kirche und Politik in Italien
Vatikanstadt, 18.06.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat den verstorbenen Kardinal Camillo Ruini als "weisen und fürsorglichen Hirten der Herde Christi" gewürdigt. "Er verstand es, das Volk Gottes und seine Mitbrüder im Bischofsamt in wichtigen und heiklen Momenten zu führen und begegnete vielfältigen Herausforderungen mit Leidenschaft, Urteilsvermögen und Mut", sagte der Papst am Donnerstag im Petersdom über den früheren langjährigen Vorsitzenden der Italienischen Bischofskonferenz.

"Wir verdanken ihm Erkenntnisse und Initiativen, die den Weg der kirchlichen und zivilen Gemeinschaften tiefgreifend geprägt haben", so Leo XIV. bei der Trauermesse für Ruini. Der Kardinal, über Jahrzehnte eine der prägendsten Persönlichkeiten der Kirche Italiens, war am Dienstag im Alter von 95 Jahren gestorben.

Dialogbereite Präsenz auf vielen Ebenen

Ruini habe sich für den Beitrag der katholischen Welt in den verschiedenen Bereichen des religiösen, zivilen und politischen Lebens in Italien engagiert, etwa mit dem "Kulturprojekt", betonte Leo XIV. Eigens hob er die Diözesansynode und ihre Umsetzung in Rom, Ruinis dialogorientierte Präsenz auf verschiedenen Ebenen des kirchlichen Lebens sowie der säkularen Welt und Gesellschaft hervor.

Der Gestorbene habe mit "einigen der großen Heiligen der Neuzeit" zusammengearbeitet, so Leo XIV. mit Blick auf die heiliggesprochenen Päpste Paul VI. (1963-1978) und Johannes Paul II. (1978-2005). Italiens Kirche ebenso wie die Diözese Rom verdankten ihm viel, so Leo XIV.

Der im norditalienischen Modena geborene Ruini gehörte als Stellvertreter des Papstes für die Diözese Rom von 1991 bis 2008 zu den engsten Mitarbeitern von Johannes Paul II. und später von Benedikt XVI. Zugleich leitete er bis 2007 die Italienische Bischofskonferenz mit ihren fast 200 Diözesen. Mit seinem Tod umfasst das Kardinalskollegium noch 241 Männer, 117 von ihnen sind unter 80 Jahre alt und wären damit in einem möglichen Konklave stimmberechtigt.

Große politische Veränderungen in Italien

In seiner Zeit durchlief Italien große Veränderungen wie den Zerfall der Partei "Democrazia Cristiana", der jahrzehntelangen Verbündeten der katholischen Kirche des Landes. An die Stelle des katholischen Blockdenkens setzte Kardinal Ruini danach das "kulturelle Projekt" einer kirchlichen Durchdringung von Staat und Gesellschaft jenseits der Parteigrenzen.

Nach dem Niedergang der Christdemokraten Mitte der 1990er Jahre stützte Ruini Ministerpräsident Silvio Berlusconi (1936-2023). 2010 machte Papst Benedikt XVI. den als Generalvikar der Diözese Rom emeritierten Kardinal 2010 zum Leiter der Untersuchungskommission für die Vorgänge im Marienwallfahrtsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina. Nahezu bis zuletzt meldete sich Ruini zu aktuellen Vorgängen zu Wort.
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