Nach Ungarn durchkreuzt nun Bulgarien Brüssels Plan, das russisch-orthodoxe Kirchenoberhaupt Kyrill I. wegen Unterstützung des Ukraine-Kriegs zu belangen
Sofia, 19.06.2026 (KAP/KNA) Bulgarien lehnt EU-Sanktionen gegen den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. ab. Ministerpräsident Rumen Radew kündigte am Donnerstag ein Veto seines Landes an, wenn die EU das Moskauer Kirchenoberhaupt mit Sanktionen wegen dessen Rolle im Krieg gegen die Ukraine belegen wolle, wie bulgarische Medien berichteten. "Lasst uns Politik und Religion nicht vermischen. Die Zeit der Kreuzzüge ist vorbei", sagte Radew.
Dem Regierungschef geht es nach eigenen Worten nicht um Kyrill I., sondern um die russisch-orthodoxe Kirche. Diese habe zu Bulgariens Befreiung von der osmanischen Herrschaft beigetragen. "Meine Sorge gilt der russischen Gesellschaft als Ganzes und ihrer Kirche, die wie die unsere ostorthodox ist", so Radew. Auch die bulgarisch-orthodoxe Kirche solle ein Mitspracherecht haben, wenn solche Sanktionen diskutiert würden. Ihr gehören rund 70 Prozent der Bevölkerung an.
Patriarch im Visier Brüssels
Medienberichten zufolge will Brüssel mit dem nächsten Sanktionspaket gegen Russland auch den Moskauer Patriarchen ins Visier nehmen. Das Kirchenoberhaupt unterstützt den Angriffskrieg gegen die Ukraine und lobt regelmäßig den Kurs von Staatschef Wladimir Putin.
In dieser Woche hatten die EU-Außenminister bereits den russisch-orthodoxen Metropoliten auf der von Moskau annektierten Halbinsel Krim, Tichon (Schewkunow), auf die Sanktionsliste gesetzt. In der offiziellen EU-Verordnung wird die Maßnahme damit begründet, dass der Bischof "eine aktive Rolle bei der Verbreitung russischer Propaganda und Desinformation zur Rechtfertigung des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine" spiele.
Ungarn gibt Widerstand auf
Bulgariens Außenministerin Welislawa Petrowa hatte schon am Mittwoch vor Journalisten in Sofia EU-Sanktionen gegen den Moskauer Patriarchen abgelehnt. Bisher haben nur einzelne EU-Staaten gegen Kyrill I. ein Einreiseverbot verhängt oder Vermögen von ihm gesperrt. Zuletzt soll Ungarn nach dem Regierungswechsel in Budapest seinen Widerstand gegen EU-Sanktionen gegen Kyrill I. aufgegeben haben.