Erzdiözese Wien startet Dialogreihe - Auftaktveranstaltung in Mamas Café thematisierte Spannungsfeld zwischen Recht, Medizin, Ethik und pastoraler Begleitung
Wien, 19.06.2026 (KAP) Die Erzdiözese Wien hat eine neue Dialogreihe zu pastoral-ethischen Fragen gestartet. Bei der ersten Podiumsdiskussion unter dem Titel "Assistierter Suizid & Seelsorge - ethische Herausforderungen und pastorale Antworten" diskutierten am Donnerstag Fachleute aus Medizin, Recht und Seelsorge über den Umgang mit Menschen in existenziellen Krisensituationen. Fragen rund um den assistierten Suizid seien nicht allein juristisch oder medizinisch zu beantworten, sondern berührten grundlegende ethische und gesellschaftliche Fragen, so der Tenor der Experten, darunter der Grazer Palliativmediziner Gerold Muhri, der Jurist Michael Halmich, der Leiter der Krankenhaus- und Pflegeheimseelsorge der Erzdiözese Wien, Traian Tamas, sowie die Leiterin der Seniorenpastoral, Beatrix Auer.
Im Fokus stand das Spannungsfeld zwischen gesetzlichen Rahmenbedingungen, kirchlicher Lehre und der praktischen Begleitung von Menschen in existenziellen Situationen. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Nicole Meissner, Geschäftsführerin der St. Elisabeth-Stiftung.
Muhri verwies auf die Möglichkeiten der Palliativmedizin, Menschen am Lebensende zu begleiten, und sprach sich für den Ausbau entsprechender Unterstützungsangebote aus. Ethikberater Halmich thematisierte die rechtlichen Rahmenbedingungen rund um Sterbeverfügungen und das Spannungsfeld zwischen individueller Selbstbestimmung und dem Schutz besonders verletzlicher Personen. Er machte deutlich, dass gesetzliche Regelungen Orientierung und Schutz bieten, zugleich aber persönliche Entscheidungsräume wahren müssen. Der Staat habe nicht die Aufgabe, einen einzigen Weg am Lebensende vorzugeben. Vielmehr gehe es darum, unterschiedliche Interessen sorgfältig auszubalancieren, so der Jurist.
Aus seelsorglicher Sicht hob Tamas, Leiter der Krankenhaus- und Pflegeheimseelsorge der Erzdiözese Wien, die Bedeutung professioneller Begleitung in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen hervor. Auer verwies insbesondere auf die Herausforderungen von Einsamkeit im Alter und die Notwendigkeit ausreichender personeller und finanzieller Ressourcen für pastorale Angebote. Einsparungen in diesem sensiblen Bereich würden jene Menschen treffen, die besonders auf Nähe und Begleitung angewiesen sind, so die Leiterin der Seniorenpastoral.