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Woher das nationale US-Motto "In God We Trust" stammt

21.06.2026 08:31
USA/Religion/Gesellschaft
Satz bleibt bis heute zwischen Religion, Politik und Ideologie umstritten - Von Christoph Renzikowski (KNA)
Washington, 21.06.2026 (KAP/KNA) "In God We Trust" - Wir vertrauen auf Gott, so lautet der offizielle Leitspruch der Vereinigten Staaten von Amerika. Das Motto hat eine illustre Karriere hinter sich und noch eine große Zukunft vor sich, zumindest wenn es nach den Vorstellungen christlicher US-Nationalisten geht. Doch eines steht auch fest: Aus der Bibel stammt es nicht; es ist vielmehr ein Kind des Bürgerkriegs.

Im Buch der Bücher findet sich allenfalls die Form im Singular: "Ich vertraue auf Gott"; vorwiegend in den Psalmen, also im alten jüdischen Gebetbuch. 1814 bombardierten britische Streitkräfte die Hafenstadt Baltimore. Die erfolgreiche Verteidigung von Fort McHenry inspirierte Francis Scott Key zu einem Gedicht, das später zur Nationalhymne der USA wurde. "And this be our motto: In God is our trust", heißt es in der vierten Strophe.

Ein Kind des Bürgerkriegs

1861, zu Beginn des Bürgerkriegs, wallten religiöse Gefühle erneut auf. Ein Pastor aus Pennsylvania wandte sich an Finanzminister Salmon P. Chase mit der Eingabe, bislang sei eine Tatsache hinsichtlich der US-Währung bedauerlicherweise übersehen worden: Auf den Münzen fehle eine förmliche Anerkennung der Allmacht Gottes.

Chase machte sich das Anliegen des Reverend zu eigen und wies die US-Münzanstalt an: "Das Vertrauen unseres Volkes in Gott" sollte auf dem Geld deklariert werden. Der Chef der Münzanstalt schlug daraufhin Sprüche wie "Our God" oder "God, Our Trust" vor - die der Minister aber verwarf. Stattdessen plädierte Chase für "In God We Trust". Per Gesetz vom 22. April 1864 wurde diese Formel für die neuen Zwei-Cent-Münzen erlassen.

Diese Münzen waren bald Geschichte, das Motto nicht. 1908 beschloss der Kongress in Washington, dass der Spruch auf alle neu entworfenen Münzen zu setzen sei. Seit 1938 ist dies der Fall; inzwischen steht er auch auf allen Dollarscheinen. Was für eine Devise für Devisen.

Teddy Roosevelt fand ihn respektlos

Seither bringt die Losung nicht nur Atheisten auf die Palme. US-Präsident Theodore Roosevelt tat seine Meinung 1907 in einem Brief an die "New York Times" kund: Der Spruch sei respektlos - und nahe an Gotteslästerung.

Ob Roosevelt Aramäisch konnte, ist nicht überliefert. Aber in der Bibel dürfte er sich ausgekannt haben. In der Muttersprache Jesu bezeichnet das Wort "Mammon" das, "worauf man traut". Jesus, der Wanderprediger aus Nazareth, hatte allerdings keine sonderlich hohe Wertschätzung für Geld, wovon sein Ausspruch zeugt: "Ihr könnt nicht Gott dienen - und dem Mammon."

Eine philosophische Deutung

Der Jenaer Philosoph Gottfried Gabriel deutete die Botschaft hinter der Gottesformel auf dem Dollar bei einer Tagung der Uni Augsburg 2014 über Symbolik und Ästhetik von Banknoten so: "Wir vertrauen auf Gott - also ist uns und unserer Währung zu vertrauen."

Diese Art religiöser Stabilisierung ergibt Sinn. Rein materiell gesehen sind bedrucktes Papier und aus billigem Kupfer gewonnenes Münzgeld wertlos. Eine Währung muss sich bewähren. Damit sie ihren Wert behält, ist sie beständig auf Glauben, auf Kredit angewiesen; sonst drohen Inflation und Bankensturm.

"En Dios Confiamos"

In seiner spanischen Variante "En Dios Confiamos" wanderte das Leitwort wohl nicht zufällig auf die kleinste Münze Nicaraguas. Immer wieder versuchte das mittelamerikanische Land, die eigene Währung an den US-Dollar zu koppeln - ohne Erfolg. Heute gehört Nicaragua zu den ärmsten Ländern der Welt.

1956, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, wurde "In God We Trust" unter Präsident Dwight D. Eisenhower zum nationalen Motto der USA erklärt. Offenkundig wollte sich die "One Nation under God" damit auch vom als gottlos empfundenen Kommunismus absetzen.

Mittlerweile prangt der Slogan auf Fassaden von Regierungsgebäuden, Bundesbehörden, Rathäusern und Polizeiautos. Bundesstaaten führen ihn im Wappen; jene im konservativ geprägten Süden und Mittleren Westen häufiger als an der Westküste oder im Nordosten. In Mississippi steht "In God We Trust" seit 2019 als Standard auf allen privaten KFZ-Kennzeichen. Wer das nicht will, muss sich rauskaufen.

Gegen Trennung von Staat und Kirche?

Nichtreligiöse und Bürgerrechtler nehmen immer wieder Anlauf gegen die öffentliche Ausbreitung der Parole. Ihr Argument: Sie unterlaufe die verfassungsmäßige Trennung von Staat und Kirche.

Im Jahr 2000 empfahl der Bildungsausschuss des Bundesstaates Colorado, an allen öffentlichen Schulen des Staates den Spruch zu plakatieren. Kritiker wimmelte der Ausschussvorsitzende Clair Orr mit der Behauptung ab: Es handele sich um das Nationalmotto; die Worte "In God We Trust" hätten nichts mit Religion zu tun. Genauso könnte man "einen Dollarschein an die Schulmauern kleben".
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