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Erzbischof Josef Grünwidl spendet die Priesterweihe
Priester
Bild Copyright: © Stephan Schönlaub / Erzdiözese Wien

Grünwidl: Priesterweihe ist Immunisierung gegen Klerikalismus

20.06.2026 12:58
Österreich/Kirche/Glaube/Priesterweihe/Grünwidl
Wiener Erzbischof spendete fünf Männern das Weihesakrament im Stephansdom - Priester soll Gottvertrauen, Menschennähe und Mut zum Träumen auszeichnen
Wien, 20.06.2026 (KAP) Der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl hat am Samstag im Stephansdom fünf Männer zu Priestern geweiht. In seiner Predigt nannte er drei Grundhaltungen für den priesterlichen Dienst: Gottvertrauen, Menschennähe und Mut zum Träumen. Priestersein bedeute nicht Ehre oder Auszeichnung, sondern Dienst am Volk Gottes. Die Priesterweihe sei das "Sakrament der Immunisierung gegen jede Form des Klerikalismus", so Erzbischof Josef Grünwidl in seiner Predigt zur Priesterweihe von Joachim Losehand, Manuel Rennhofer, Richard Johannes Andrae, Cristian Xavier Gonzalez und Giovanni Wu.

Grünwidl betonte, dass das Sakrament der Weihe "etwas Großes und Heiliges" sei, aber keine persönliche Auszeichnung und keine Ehre, sondern "Beauftragung zum Dienst am Volk Gottes". Wenn die Priesterweihe die Neupriester Christus ähnlich mache und tiefer mit ihm verbinde, dann müsse das besonders in der Haltung des Dienens sichtbar werden.

Ausgangspunkt der Predigt war das Tagesevangelium aus der Bergpredigt: "Sorgt euch nicht um euer Leben" und "Macht euch keine Sorgen, ihr Kleingläubigen" (Mt 6,24-34). Grünwidl nahm diese Worte nicht als einfache Beruhigung, sondern als Glaubensfrage. Menschen sorgten sich um Kinder, Gesundheit, Arbeitsplatz, Kriege, Klimawandel und Zukunft. Auch mit Blick auf die kirchliche Situation gebe es Anlass zur Sorge. Jesus frage aber tiefer, nämlich, ob wir Gott etwas zutrauen, mit seiner Hilfe und mit seinen Möglichkeiten rechnen oder aber der Illusion erliegen, alles, ja sogar unser Leben, hänge allein von uns ab.

Gottvertrauen und Freundschaft mit Christus

An die Weihekandidaten gerichtet, deutete der Erzbischof deren Bereitschaft zur Priesterweihe als Akt des Glaubens: "Ihr seid heute alles andere als kleingläubig. Ihr setzt heute einen mutigen Schritt, stellt euch Gott zur Verfügung, seid bereit, am Aufbau seines Reiches mitzuwirken, und tretet als Priester in den Dienst der Kirche." Ihr Weg sei nicht einfach Ergebnis von Planung und Organisation, sondern Antwort auf einen Ruf. "Euer Gottvertrauen ist das Fundament für das 'Ich bin bereit!'"

Grünwidl verband die Weihe mit dem Wunsch, dass die neuen Priester in ihrem Glauben wachsen, ihre Beziehung zu Gott und ihre Freundschaft mit Christus pflegen: im persönlichen Gebet, im Hören auf Gottes Wort, in der Feier der Sakramente und im Dienst an den Menschen. "Euer ganzer Weg hat mit Gottsuche und Gottvertrauen zu tun", sagte der Erzbischof.

Die Glaubwürdigkeit eines Priesters hänge nicht zuerst an Programmen, Projekten und Leistung. Wörtlich sagte Grünwidl: "Nicht so sehr, was ihr tut, sondern wer ihr seid und wie ihr euren Glauben lebt, euer Mut zum Gottvertrauen, eure Beziehung zu Jesus Christus, eure Suche nach dem Reich Gottes macht euch als Priester glaubwürdig und hilfreich."

"Menschen muss man mögen"

Ein zweiter Gedanke der Predigt war die Menschennähe. Priestersein heiße zuerst, Mensch zu bleiben, Bruder der Menschen zu bleiben und Christ zu sein: einer, der glaubt und doch auch um seinen Glauben ringt; einer, der vertraut und sich doch Sorgen macht; einer, der Erfolge und Niederlagen kennt und selbst immer wieder Stärkung braucht. "Wir brauchen Priester mit dem Stallgeruch der Herde", sagte Grünwidl in Bezug auf den berühmten Ausspruch von Papst Franziskus. Den Neupriestern gab er eine einfache Regel, die er als "4-M-Regel" bezeichnete: "Menschen muss man mögen." Er wünsche ihnen ein weites Herz und eine große Liebe zu den Menschen, besonders zu den Kleinen, Armen und Kranken.

Als dritten Impuls nannte der Erzbischof den Mut zum Träumen. Grünwidl erinnerte an den Traum von Papst Innozenz III., in dem Franz von Assisi die einsturzgefährdete Lateranbasilika stützt. Dieses Bild sei auch sein Wunsch für die Neupriester: dass sie aufstehen, sich vom Wort Gottes leiten lassen, das Evangelium verkünden, anpacken und durch ihren Dienst die Kirche stützen und aufbauen. Heute, so Grünwidl, sollten nicht Kirchenkrise und Probleme im Mittelpunkt stehen, sondern Freude und Dankbarkeit. Sein Zuruf an die Neupriester: "Seid mutig! Sorgt euch zuerst um das Reich Gottes, und traut seinem Wort mehr als den Schwarzsehern und den Unheilpropheten."

Handauflegung in Stille

Vor Empfang der Priesterweihe lagen bei der Allerheiligenlitanei die fünf Männer ausgestreckt am Boden, während die Gemeinde um Gottes Beistand und die Fürsprache der Heiligen betete. Der eigentliche Moment der Weihe geschah in Stille: Erzbischof Grünwidl legte jedem Kandidaten die Hände auf. Anschließend taten dies auch die anwesenden Priester, allen voran die Leiter der beiden diözesanen Priesterseminare und die Mitglieder des Domkapitels, ehe der Erzbischof das große Weihegebet sprach. Danach wurden die Neugeweihten mit Stola und Kasel bekleidet, ihre Hände mit Chrisam gesalbt, und jedem wurde Brot und Wein überreicht. Mit dem Friedensgruß nahm der Erzbischof sie schließlich sichtbar in den priesterlichen Dienst auf.

Zahlreiche Gläubige waren zur Priesterweihe in den Stephansdom gekommen. Neben vielen Priestern und Ordensleute feierten auch der Wiener Alterzbischof Christoph Schönborn und die Weihbischöfe Franz Scharl und Stephan Turnovszky die Weiheliturgie mit.

Musikalisch wurde die Feier vom Vokalensemble St. Stephan, den Wiener Dombläsern und Domorganist Robert Kovács unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Landerer gestaltet. Zu hören waren Gemeindegesang, Chor, Bläser und Orgel; Teile aus der "Salzburger Messe" von Hans Haselböck, Mendelssohn Bartholdys "Jauchzet dem Herrn alle Welt" zur Gabenbereitung und während der Kommunion Gesänge, vorgetragen von Mitgliedern des "Neokatechumenalen Wegs", dem drei der Neugeweihten angehören.
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