Papst ruft in Norditalien zum Einsatz für Menschenwürde auf
20.06.202621:26
(zuletzt bearbeitet am 20.06.2026 um 21:30 Uhr)
Italien/Vatikan/Papst/Kirche/Soziales
Es war nur ein Nachmittag, den Leo XIV. in Norditalien zubrachte. Doch die Menschen in Pavia empfingen den Papst enthusiastisch. Er zollte ihrer schönen Stadt viel Lob - und ermutigte zu sozialem Zusammenhalt.
Pavia , 20.06.2026 (KAP) Leo XIV. hat Stadtbewohner in der Welt zum Einsatz für das Gemeinwohl aller Bürger aufgerufen. So verkörpere etwa "die anspruchsvolle Schönheit" des norditalienischen Pavia das kostbare Erbe einer Vergangenheit, das zur Verpflichtung für die Gegenwart wird, sagte der Papst am Samstag bei einem Besuch in der lombardischen Universitätsstadt.
"Dies ist ein Charakteristikum europäischer Städte", so der gebürtige Chicagoer vor Tausenden Bürgern auf dem zentralen Platz von Pavia: Einfallsreichtum und Bürgersinn ihrer Erbauer zeigten den Wert des urbanen Gefüges.
Gerade Schulen, Universitäten, Krankenhäuser und Pfarrzentren zeugten von Gastfreundschaft, Bildung und Kultur, sagte Leo. "In ihrer individuellen Form zeigen sie dieselbe Fürsorge für den Einzelnen in der Gemeinschaft, mit ihrer Würde und ihren Werten. Jenen Werten, die Sie als ein Volk vereinen und die zugleich das Fundament der italienischen Verfassung bilden", sagte er unter Applaus.
Im "Organismus Stadt" sollten die Menschen einander unterstützen: motiviert durch das Gemeinwohl und nicht durch parteipolitische Interessen, hob der Papst hervor. Wenn dagegen Gleichgültigkeit die Gemeinschaft zu zersetzen drohe, müsse die aktive Teilhabe aller am Stadtleben erneuert werden.
Gegen bürgerschaftlichen Analphabetismus
"Angesichts von Verfall und bürgerschaftlichem Analphabetismus sind wir aufgerufen, eine Sprache der Hingabe und des Dienstes zu sprechen, die Plätze, Parks und Straßen als Orte der Begegnung schlechthin bewahrt. Dieses gute Bürgertum weiß, wie man Harmonie durch Dialog und konstruktive Begegnungen zwischen den Menschen und Kulturen pflegt, die Pavia mit Leben erfüllen", so der Papst.
Besonders hob er die Förderung von Wissen und Kultur in der Universitätsstadt hervor. "Man kann nicht glauben, ohne zu denken, und es ist unmöglich, die höchsten Fragen der Vernunft ohne Glauben zu ergründen." Christen glaubten daran, dass der Mensch nicht einem anonymen Schicksal ausgeliefert sei, sondern "dass Gott der Schöpfer und Erlöser des Lebens ist".
Kirche als "Haus der Nächstenliebe"
Eigens dankte er den vielen Freiwilligen in Pavia, die die Kirche zu einem Haus der Nächstenliebe für die Jüngsten, Ärmsten, Einsamsten und Alten machten. "Dank Ihres Engagements ist Pavia nicht nur reich an Wohlstand, sondern auch an Tugend: Achten Sie stets die Würde jedes menschlichen Lebens! Das Kreuz im Stadtwappen ist weit mehr als ein heraldisches Symbol; es ist eine kulturelle Synthese."
Pavias Wurzeln in der christlichen Liebe müssten im gegenseitigen Verständnis zwischen Bürgern und Vereinen, zwischen Kirche und öffentlichen Einrichtungen, zwischen Generationen und Kulturen gepflegt werden, betonte der Papst. "Ich lade jeden Einzelnen von Ihnen ein, sein Bestes für das Wohl aller zu geben", schloss er.
Bei Krebspatienten und am Augustinus-Grab
Zuvor hatte er im Nationalen Zentrum für Strahlentherapie mit medizinischem Personal sowie vor allem mit jungen Patienten gesprochen. Anschließend hatte der Papst - seit rund 50 Jahren Mitglied des Augustinerordens - in der Basilika San Pietro in Ciel d'Oro am Grab des Kirchenvaters Augustinus (354-430) gebetet und sich mit Ordensleuten und Seelsorgern der Diözese Pavia ausgetauscht. Ebenfalls anwesend war auch der Generalprior der Augustiner, Joseph Farrell. Der Papst war selbst von 2001 bis 2013 Leiter des weltweiten Ordens.
Bei einem Gottesdienst in der Basilika ermutigte er die Kirche in der Lombardei, trotz Herausforderungen einer säkularisierten Gesellschaft den Glauben weiterzugeben und offen zu sein für Fragen insbesondere der suchenden Menschen und der Jugend. Auch bei einer Begegnung mit Kindern und der lokalen südamerikanischen Gemeinschaft wurde der Papst begeistert gefeiert.
Schutzpatronin der Migranten
Zum Abschluss der Halbtagesreise besuchte der Papst Sant'Angelo Lodigiano, Geburtsort der Ordensgründerin Francesca Cabrini (1850-1917), Schutzpatronin der Migranten und erste heiliggesprochene US-Amerikanerin.
Bauern spenden zwei Tonnen Reis für Arme
Anlässlich des Papstbesuches in Norditalien haben örtliche Bauern zwei Tonnen Reis für Bedürftige gespendet. Das Grundnahrungsmittel wird über die Päpstlichen Wohltätigkeitsorganisationen an arme Menschen in Rom verteilt, 800 der insgesamt 2.000 Kilo Reis gehen in die Ukraine, wie das Portal Vatican News berichtet.
Der Almosenmeister des Papstes, Bischof Luis Marín de San Martín, nannte die Solidaritätsaktion des Bauernverbands eine Geste, die "den Bedürftigen Kraft, Hoffnung und Glauben schenkt". Dies sei genau im Sinne des Papstes.