Monitoringbericht zur Verfolgung religiöser Minderheiten der Stabstelle "Internationaler Schutz verfolgter religiöser Minderheiten" im Bundeskanzleramt sieht Lage höchst angespannt - Fokus auf Asien und Nahost
Wien, 22.06.2026 (KAP) Weltweit waren Anfang 2026 rund 388 Millionen Christinnen und Christen von Verfolgung und Diskriminierung betroffen. Das geht aus dem soeben veröffentlichten Monitoringbericht 01/2026 zur Verfolgung religiöser Minderheiten hervor, der vom Bundeskanzleramt bzw. der zugeordneten Stabstelle "Internationaler Schutz verfolgter religiöser Minderheiten" verantwortet wird. Näher ausgeführt wird im Bericht die Lage in ausgewählten Staaten in Asien bzw. im Nahen Osten. Der Bericht solle zur Sensibilisierung, zur fachlichen Einordnung und zur weiteren Befassung mit dem internationalen Schutz verfolgter religiöser Minderheiten beitragen, so Daniel Soudek, Leiter der Stabstelle.
So bleibt laut Bericht etwa die Lage religiöser Minderheiten in Syrien, Irak und Iran weiterhin sehr angespannt. In Syrien gebe es zwar keine flächendeckende staatliche Verfolgung, doch lokale Konflikte, extremistische Gewalt und strukturelle Diskriminierung schränkten besonders Christen und andere Minderheiten in ihrer Religionsfreiheit ein. Im Irak bedrohten vor allem Milizen, terroristische Restgruppen, rechtliche Einschränkungen und mangelnder staatlicher Schutz religiöse Minderheiten, "was Unsicherheit und Abwanderung verstärkt", wie es heißt.
Im Iran würden insbesondere Konvertiten durch das "theokratisch-autoritäre Regime" systematisch verfolgt. Religionswechsel würden kriminalisiert, Betroffene überwacht und hart bestraft. Politische Krisen und militärische Konflikte verschärften die Repression zusätzlich und begrenzen die Religionsfreiheit massiv.
Der Bericht bezieht sich zwar auf das erste Quartal 2026, wurde aber durch wesentliche Entwicklungen im April 2026 ergänzt, die sich aus dem Irankonflikt ergeben haben, wie es heißt. Für die Religionsfreiheit wirkt der Konflikt demnach vor allem als Beschleuniger bereits bestehender Gefährdungen: im Iran durch verstärkte Repression gegen religiöse Minderheiten, im Libanon und im Irak durch zusätzliche Destabilisierung fragiler Räume und in Jerusalem durch zeitweilige Einschränkungen des Zugangs zu heiligen Stätten von Christen, Juden und Muslimen. Aber auch in Europa habe sich die Bedrohungslage vor allem für jüdische und israelbezogene Einrichtungen sichtbar verschärft.
Myanmar und Indien
Die Lage religiöser Minderheiten in Myanmar sei durch den anhaltenden Bürgerkrieg und die Militärherrschaft seit 2021 massiv verschärft, wird im Bericht festgehalten: "Sie sind systematischer Gewalt und gezielten militärischen Angriffen ausgesetzt, wobei sich religiöse Verfolgung eng mit ethnischen Konflikten überschneidet und der Staat selbst als zentraler Akteur der Repression auftritt."
Die Situation religiöser Minderheiten in Indien sei durch ein Spannungsverhältnis zwischen verfassungsmäßig garantierter Religionsfreiheit und zunehmendem hindunationalistischem Einfluss geprägt, "wodurch insbesondere Christen vermehrt gesellschaftliche Gewalt und unzureichenden staatlichen Schutz erfahren".
Zunehmende Überwachung
Die Formen der Verfolgung haben sich in Asien in den vergangenen Jahren weiter ausdifferenziert, wird im Bericht festgehalten: "Neben klassischer Gewalt wie Mord, Vertreibung oder Inhaftierung spielen heute auch Überwachung, rechtliche Diskriminierung und strukturelle Ausgrenzung eine große Rolle." Moderne Technologien ermöglichten eine immer engere Kontrolle religiöser Gruppen, während gleichzeitig soziale Medien zur Verbreitung von Hass beitragen.
Besonders auffällig sei zudem die zunehmende Verknüpfung von Religion mit nationaler Identität, wodurch Minderheiten oft als "fremd" oder "gefährlich" dargestellt würden. Seit etwa 2020 hätten politische Krisen, wirtschaftliche Unsicherheiten und technologische Entwicklungen diese Dynamiken zusätzlich verschärft.
Zusammenfassend lasse sich sagen, "dass sich die Situation religiöser Minderheiten in Asien insgesamt verschlechtert hat". Die Verfolgung sei nicht nur intensiver geworden, sondern auch komplexer. Je nach Region dominierten unterschiedliche Formen und Akteure, doch überall zeige sich ein ähnliches Muster: "zunehmende Kontrolle, wachsende gesellschaftliche Spannungen und ein unzureichender Schutz für betroffene Minderheiten".
Zahl der Christen stark rückläufig
Im Blick auf den Nahen Osten sei vor allem der starke demografische Rückgang auffällig: In Ländern wie Syrien und Irak sei die Zahl der Christen seit den Kriegen drastisch gesunken: beispielsweise von rund 1,5 Millionen auf nur noch etwa 300.000 in Syrien. Ein zentraler Trend sei dabei nicht nur direkte Gewalt, sondern vor allem anhaltende Unsicherheit und Diskriminierung. "Viele Minderheiten verlassen die Region dauerhaft, wodurch sich ihre Lage weiter verschlechtert, da sie als kleinere Gruppen noch verwundbarer werden", heißt es im Bericht.
Die Ursachen hätten sich dabei teilweise verschoben: Während in den 2010er-Jahren besonders Terrororganisationen wie der "Islamische Staat" prägend waren, spielten heute zunehmend auch staatliche Repression (z.B. im Iran), politische Instabilität (z.B. in Syrien) sowie gesellschaftliche Spannungen und wirtschaftliche Krisen eine Rolle. Zudem sei in einigen Ländern sogar ein Anstieg von Übergriffen im Alltag zu beobachten, etwa durch Belästigungen oder Angriffe auf religiöse Einrichtungen.
Stabstelle für Religionsfreiheit
Die Stabstelle "Internationaler Schutz verfolgter religiöser Minderheiten" wurde 2024 eingerichtet und steht aktuell unter der politischen Verantwortung von Ministerin Claudia Bauer. Die Stabstelle bündelt Österreichs Engagement für verfolgte Christen und andere religiöse Minderheiten, stärkt die internationale Vernetzung, fördert konkrete Hilfsprojekte, beobachtet und beurteilt die weltweite Situation der Religionsfreiheit, erstellt Berichte und hält Kontakt zur in Österreich lebenden christlichen Diaspora.
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