Vietnams Kirche rüstet sich für große Seligsprechung
23.06.202611:33
Vietnam/Kirche/Religion/Glaube/Religionsfreiheit
70.000 Gläubige bei Seligsprechung des Märtyrerpriesters Francis Xavier Truong Buu Diep im Wallfahrtsort Tac Say erwartet
Hanoi, 23.06.2026 (KAP) Die katholische Kirche in Vietnam erwartet mehr als 70.000 Teilnehmer zur Seligsprechung des Priesters Francis Xavier Truong Buu Diep. Die Feier findet am 2. Juli im Wallfahrtsort Tac Say in der südvietnamesischen Diözese Can Tho statt, berichtet die Nachrichtenplattform ucanews.com (Montag). Als Sondergesandter von Papst Leo XIV. wird Kurienkardinal Luis Antonio Tagle der Liturgie vorstehen. Für die Großveranstaltung wurden ein fünf Hektar großes Feiergelände mit Platz für 47.000 Menschen sowie zusätzliche Bereiche rund um die Kirche mit Großbildschirmen und Infrastruktur für weitere 25.000 Pilger eingerichtet.
Der 1897 geborene Diep wurde 1924 zum Priester geweiht und wirkte in ländlichen Gebieten des Mekong-Deltas sowie im heutigen Kambodscha. Bekannt war er vor allem für seinen Einsatz für Arme und seinen Schutz katholischer Gläubiger während des Ersten Indochinakrieges. Als die Gewalt 1946 die Region erreichte, weigerte er sich trotz mehrfacher Aufforderungen, seine Pfarrgemeinde zu verlassen. Er wurde am 12. März 1946 von japanischen Soldaten getötet, die sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vietnamesischen kommunistischen Kräften angeschlossen hatten. Sein Leichnam wurde verstümmelt und in einem Teich entsorgt.
Die Verehrung des Priesters reicht heute weit über die katholische Gemeinschaft hinaus. Das Wallfahrtszentrum zieht seit Jahren zahlreiche Besucher anderer Religionen an. Im Vorfeld der Seligsprechung stellte die Diözese ein neues offizielles Porträt und eine Statue des künftigen Seligen vor, die auf historischen Fotografien beruhen. Die Statue zeigt den Priester mit dem Evangelium in der linken Hand und einem Palmzweig als Symbol des Martyriums in der rechten.
Die katholische Kirche in Vietnam wirkt in einem politisch restriktiven Umfeld. Obwohl rund sieben Millionen Katholiken ihren Glauben offen praktizieren und die Kirche über ein dichtes Netz von Diözesen, Pfarren und Bildungseinrichtungen verfügt, unterliegen religiöse Gemeinschaften einer staatlichen Kontrolle durch die kommunistische Führung. Kirchen und andere Religionsgemeinschaften berichten immer wieder von Repressalien, Einschränkungen ihrer Tätigkeit und behördlichen Eingriffen.
Zugleich haben sich die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Vietnam in den vergangenen Jahren spürbar verbessert. Seit 2023 verfügt der Vatikan über einen ständigen Vertreter im Land, wenngleich noch keine vollen diplomatischen Beziehungen bestehen. Beobachter sehen darin einen wichtigen Schritt zu mehr kirchlicher Handlungsfreiheit, auch wenn Fragen der Religionsfreiheit und staatlichen Kontrolle religiöser Aktivitäten weiterhin ein sensibles Thema bleiben.