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Moldau: Kirchenkonflikt begleitet EU-Beitrittsverhandlungen

24.06.2026 13:18
Moldawien/Österreich/Kirche/Politik/Konflikte/Orthodoxie
Ostkirchenexperte Winkler in ORF-Interview: Zwei orthodoxe Kirchen konkurrieren in Moldau und spiegeln Debatte pro und contra EU-Beitritt wider
Chisinau/Wien, 24.06.2026 (KAP) Vergangene Woche startete eine neue Etappe der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Republik Moldau. Der Salzburger Ostkirchenexperte Prof. Dietmar Winkler hat in der ORF-Sendung "Religion aktuell" am Dienstagabend den kirchlichen Hintergrund Moldaus beleuchtet, der durch zwei konkurrierende orthodoxe Kirchen geprägt ist: die Moldauische Orthodoxen Kirche (MolOK), die zum Moskauer Patriarchat gehört, und die Bessarabische Metropolie, die der Rumänischen Orthodoxen Kirche (RumOK) untersteht.

Im Konflikt zwischen beiden Kirchen spiegelt sich auch der politische Diskurs für oder gegen die Europäische Union wider. Wie Winkler sagte, sei die MolOK zwar immer noch mit Abstand die größere Kirche, doch es würden laufend Geistliche mit ihren Gemeinden von der MolOK zur Bessarabischen Metropolie übertreten. Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine habe sich diese Entwicklung verstärkt.

Auch wenn die aktuelle pro-europäische Regierung unter Präsidentin Maia Sandu die Stärkung der Bessarabischen Metropolie sicher begrüße, halte man sich offiziell zurück, da man sich im Blick auf die EU-Beitrittsperspektive der Trennung von Kirche und Staat verpflichtet weiß, erklärte Winkler. Ein so enges Verhältnis wie in Russland, wo das Moskauer Patriarchat Präsident Wladimir Putin in seinem Krieg intensiv zuarbeite, sei in Moldau undenkbar.

Vor Kurzem hat das bisherige Oberhaupt der Bessarabischen Metropolie, Metropolit Petru, sein Rücktrittsgesuch eingereicht. Er machte sein Alter von 79 Jahren geltend. Winkler bezeichnete den Metropoliten als einen Hierarchen, der mit Beharrlichkeit über viele Jahrzehnte hinweg an der Etablierung der eigenen kirchlichen Strukturen in Moldau gearbeitet habe. Das Verhältnis zur MOlOK unter Metropolit Vladimir sei denkbar schlecht gewesen. Metropolit Petru leitete seit 1995 die Bessarabische Metropolie

Zum Skandal, der den aktuellen Rücktritt von Metropolit Petru begleitete, äußerte sich Winkler nicht. Jüngst waren Videoaufnahmen publik geworden, die den Geistlichen in eindeutigen sexuellen Posen mit einem zweiten Mann zeigen sollen. Einige Medien berichten auch von einer angeblichen Erpressungsaktion gegen den Metropoliten.

Laut Volkszählung von 2024 bekennen sich 95 Prozent der moldauischen Bevölkerung zum orthodoxen Christentum. Ein Blick zurück in die Geschichte zeigt die komplexe Dimension des aktuellen Kirchenkonflikts auf: Nach einer wechselvollen Geschichte des Gebiets der heutigen Republik Moldau, in der sich Zeiten russischer und rumänischer Beeinflussung bzw. Herrschaft und entsprechender kirchlicher Zugehörigkeiten abwechselten, gab es zuletzt während der Zugehörigkeit Moldaus zur Sowjetunion ab 1944 nur noch eine zur Russisch-orthodoxen Kirche gehörende Hierarchie, während die zuvor bestehenden Strukturen der Rumänisch-orthodoxen Kirche in dieser Zeit verboten waren.

Nach der Unabhängigkeit der Republik Moldau hat die Rumänisch-orthodoxe Kirche im Jahr 1992 die orthodoxe Metropolie von Bessarabien mit Sitz in der Hauptstadt Chisinau wiedererrichtet, der sich inzwischen zumindest ein Fünftel aller orthodoxen Kirchengemeinden angeschlossen hat. Es gibt aber auch Schätzungen, die bereits von einem Drittel sprechen.
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