Warnung vor "Eskalation politisch motivierter Gewalt" - Bewaffnete stürmten in Kathedrale zivilgesellschaftliche Versammlung, bei der es um die Regierungspläne zum nächsten Staatsbudget ging
Nairobi, 24.06.2026 (KAP) Nach dem Angriff auf eine zivilgesellschaftliche Versammlung in der anglikanischen All Saints Cathedral in Nairobi haben die katholischen Bischöfe Kenias vor einer Eskalation politisch motivierter Gewalt gewarnt und gefordert, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. In einem Hirtenbrief äußert sich die Bischofskonferenz laut Nachrichtendienst Fides (Mittwoch) "zutiefst besorgt" über die Sicherheit kirchlicher Einrichtungen und demokratischer Versammlungen. Der Angriff reiht sich in eine Serie von Spannungen im Vorfeld der Wahlen in Kenia 2027 ein. Die Kirchen geraten dabei zunehmend als Orte politischer Auseinandersetzungen in den Fokus.
Der Vorfall ereignete sich am 12. Juni während einer Veranstaltung, bei der Vertreter aus Zivilgesellschaft und Kirche die kurz zuvor präsentierten Regierungspläne zum nächsten Staatsbudget diskutierten. Eine Gruppe bewaffneter und teils maskierter Männer überwand Sicherheitskräfte, drang auf das Gelände der Kathedrale ein, stürmte die Veranstaltung und bedrohte Teilnehmer, wie zuletzt öffentlich gewordene Aufnahmen von Sicherheitskameras zeigen. Im Zuge der Attacke wurde laut Medienberichten auch Tränengas eingesetzt, es gab Schüsse und Fensterscheiben sowie Fahrzeuge wurden beschädigt. Die Polizei soll später mit Warnschüssen eingegriffen haben.
Die katholischen Bischöfe verurteilen die Gewalt gegen die Teilnehmer der Veranstaltung in der anglikanischen Kathedrale als "eklatante Schändung eines Gotteshauses" und sprachen von einer "schweren Verletzung der verfassungsmäßigen Rechte auf Versammlungs-, Vereinigungs- und Informationsfreiheit". Zugleich warnen sie vor einer zunehmenden Verflechtung von Politik und gewaltsamen Störungen öffentlicher Veranstaltungen. Wörtlich heißt es im Hirtenbrief: "Besteht der politische Wille, die Bedrohung durch Rowdytum anzugehen, oder liegt dies nicht im Interesse der politischen Elite?"
Auch der nationale "Council of Churches of Kenya" sprach von einem "staatlich geförderten" Angriff und kritisierte eine mögliche politische Steuerung der Ereignisse. Der "Inter-Religious Council of Kenya" forderte Schutz für friedliche Versammlungen und eine konsequente Strafverfolgung der Täter. Der "Supreme Council of Kenya Muslims" verurteilte den Angriff ebenfalls und sprach von einer "inakzeptablen Manifestation politischer Intoleranz".