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Papst Leo XIV. im Gespräch mit Kardinälen beim außerordentlichen Konsistorium am 8. Januar 2026 im Vatikan. Rechts am Tisch sitzt Kardinal Pierbattista Pizzaballa, lateinischer Patriarch von Jerusalem, und arbeitet am Laptop.
Konsistorium
Bild Copyright: © KNA-Bild / Vatican Media

Leo XIV. wirbt für synodale Beratungsweise beim Kardinalstreffen

26.06.2026 11:50
Vatikan/Papst/Kirche/Religion
Beginn des Konsistoriums mit Messe im Petersdom und Papst-Ansprache in der Synodenaula mit Bitte um "Hilfe bei der Ausübung des Petrusdienstes" - Autorität "bei demjenigen, der zuhört und lernt"
Vatikanstadt, 26.06.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat seine Kardinäle am Beginn ihrer zweitägigen Beratungen im Vatikan zu Zusammenarbeit und Kollegialität aufgerufen. An diesen Formen der christlichen Geschwisterlichkeit könnten alle Getauften teilhaben, sagte er Freitagfrüh im Petersdom bei der Messe vor Beginn des sogenannten Konsistoriums. "Deshalb wird die Hilfe, die ihr mir bei der Ausübung des Petrusdienstes leisten könnt, bei mir auf jemanden treffen, der bittet, nicht auf jemanden, der befiehlt", unterstrich der Papst. "Die Autorität des Primats liegt nämlich bei demjenigen, der zuhört und nur deshalb führt, bei demjenigen, der lernt und nur deshalb lehrt - stets in der Nachfolge des einen Meisters."

Beim Konsistorium brächten die Kirchenmänner aus aller Welt pastorale Projekte und Erfahrungen mit, "die erfreulichen und die beschwerlichen", so der Papst. Mittelpunkt der zentralen Beratungen, zu denen alle Kardinäle eingeladen sind, sei der Glaube an Christus und dessen Verbreitung.

Initiativen für Frieden geben Hoffnung

In seiner Predigt ging Leo XIV. auch auf die aktuelle Weltlage ein und sagte: "Während wir alle Völker zu dem Glauben einladen, in dem wir wahrhaft frei sind, fügen internationale Spannungen und Konflikte der Menschheitsfamilie schwere Wunden zu." Zugleich gebe es Grund zur Hoffnung, da in Kirche und Welt Initiativen für die Achtung der Menschenwürde, der Gerechtigkeit und "schlichtweg des Menschlichen" zunähmen, so der Papst.

Krieg sei niemals von Gott gesegnet, betonte er. Gott habe den Menschen mit Verstand und Willen ausgestattet, um "Konflikte als Menschen und nicht als Raubtiere zu lösen". Der Friede sei eine Gerechtigkeitspflicht, "weil wir eine einzige Menschheitsfamilie sind, eine magnifica humanitas, die in Christus ihr Haupt und ihren Erlöser hat".

"Zivilisation der Liebe"

Mit Blick auf seine vor einem Monat veröffentlichte gleichnamige Enzyklika "Magnifica humanitas" rief er zu einer "Zivilisation der Liebe" auf. Zudem erinnerte er an das große Projekt der Weltsynode der katholischen Kirche. Die Umsetzung der Synode lade alle ein, "in der Einheit des Glaubens, in der Förderung des Friedens und im Gehorsam gegenüber dem lebendigen Wort, das Jesus ist, voranzuschreiten".

Enorme und rasche kulturelle Veränderungen verlangten, das Wort Gottes in einer Sprache auszudrücken, die in allen Kulturen verstanden werde. "So lässt der Heilige Geist in der Kirche geschwisterliches Einvernehmen, Nächstenliebe und missionarischen Eifer erblühen - während die Ideologien der Welt verwelken", sagte der Papst.

Werben um synodale Beratungsweise

Auch bei seiner anschließenden Eröffnungsrede zur Kardinalsversammlung sagte der Papst in der vatikanischen Audienzhalle, die gemeinsame Beratung schmälere nicht die Autorität des kirchlichen Amtes, sondern vertiefe sie. Leo XIV. rief dabei die versammelten Kardinäle aus dem Vatikan sowie aus allen Erdteilen, sich an den Beratungen zu beteiligen. Er könne das Papstamt nicht alleine ausüben, sondern sei auf ihre Hilfe angewiesen, auch außerhalb der Kardinalsversammlungen.

Leo XIV. betonte, es sei nicht Sinn des Konsistoriums, über innere Probleme der Kirche zu debattieren. Es gehe vielmehr um die Menschheit und um die Welt, in der die Kirche ihren Dienst tue. "Mission ist nicht eine Aufgabe unter vielen, sie ist der Daseinszweck der Kirche", so der Papst. Weiter mahnte der Papst die Kardinäle, sie seien nicht Vertreter von Partikularinteressen, sondern "Zeugen des Reiches Gottes".

Eindringlich rief der Papst die Kardinäle auf: "Helft mir, zu hören, was in den Kirchen aufbricht, und die Zeichen der Hoffnung zu erkennen, die oft im Stillen wachsen." Weiter sagte er: "Ich brauche Eure Freiheit, Eure Offenheit und Eure Loyalität."

Zuhören und Beraten

Indirekt ging Leo XIV. auch auf Kritik ein, die einzelne Kardinäle vorab an der "synodalen Methode" geäußert hatten. Diese Methode wird seit einiger Zeit auch beim Konsistorium praktiziert. Sichtbares Zeichen sind die runden Tische, an denen die Kardinäle in 20 Arbeitsgruppen beraten. Aus ihnen wird dann später im Plenum berichtet.

Der Papst rief die Kardinäle auf, sich vertrauensvoll auf diese Methode des gemeinsamen Zuhörens und Beratens einzulassen. Er wisse, dass dies nicht die bisher übliche Methode einer Kardinalsversammlung sei. "Und doch ist auch dies Teil des Weges, auf dem der Herr uns führt", so der Papst. Daneben gebe es Raum für Einzelreden sowie die Möglichkeit, schriftliche Eingaben an ihn zu formulieren.

Im Vorfeld hatten einige Medien berichtet, dass manche Kardinäle mehr Raum für Einzelreden im Plenum gefordert hätten. Das sogenannte synodale Beratungsverfahren an runden Tischen sorgt dafür, dass die Beratungen relativ harmonisch und ohne rhetorische Zuspitzungen ablaufen.

Möglichkeiten zur freien Rede vor dem Plenum sind bei diesem wie bereits beim letzten Konsistorium selten. Zudem ist nur eine begrenzte Zahl von Beiträgen mit einer Länge von maximal drei Minuten erlaubt. Ausführliche Informationen über Verlauf und Ergebnisse der Beratungen der Kardinäle mit dem Papst werden erst am Samstagabend erwartet.
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