Orthodoxer Metropolit ortet religiöse Erneuerung in Serbien
26.06.202614:30
Serbien/Österreich/Kirche/Gesellschaft/Orthodoxie
Für Österreich zuständiger serbisch-orthodoxer Metropolit Irinej (Bulovic) spricht in Interview von "Wiedergeburt des Glaubens" und sieht tiefgreifenden Wandel in der serbischen Gesellschaft
Belgrad, 26.06.2026 (KAP/KNA) Mehr als 1,1 Mio. Gläubige haben vor Kurzem eine rund zwei Wochen in Belgrad ausgestellt Athos-Reliquie aufgesucht. Für den serbisch-orthodoxen Metropoliten Irinej (Bulovic), der interimistisch seit Jahren auch die serbisch-orthodoxe Diözese Österreich leitet, ist der Besucheransturm Zeichen einer religiösen Erneuerung in Serbien, wie er in einem Interview mit dem griechischen Sender Pemptousa TV betonte. Bei der Reliquie handelte es sich um den heiligen Gürtel der Jungfrau Maria, der eigentlich im Kloster Vatopedi auf dem Athos aufbewahrt wird. Vom 20. Mai bis 5. Juni war die Reliquie in der Kathedrale des Hl. Sava ausgestellt.
Die große Zahl von Gläubigen bei der Reliquienverehrung zeige eine "Wiedergeburt des Glaubens" im Land, so Metropolit Irinej. Viele der Teilnehmer seien früher "Atheisten oder sogar Kirchenfeinde gewesen". Dies deutete er als Zeichen eines tiefgreifenden Wandels. Während der kommunistischen Herrschaft hätten Gläubige "Not, Erpressung und Verbrechen überstanden", könnten ihren Glauben heute jedoch wieder frei leben. Die Serben hätten ihren Glauben an den Atheismus überwunden.
Irinej sprach dabei von einer notwendigen "Re-Evangelisierung" des Volkes. Die Kirche habe dabei eine klar geistliche Rolle: "Die Kirche ist nicht mit der Lösung politischer Probleme beauftragt." Wenn sie ihre eigentliche Aufgabe - die Erneuerung des Menschen - erfülle, würden sich viele andere Fragen von selbst in eine neue Richtung entwickeln.
Führende Kirchenpersönlichkeit
Irinej gilt als führender Intellektueller der serbischen Kirche und ist bekannt für theologische Schriften und Predigten, in denen er die Bewahrung orthodoxer Traditionen mit sozialer Verantwortung verbindet. Zugleich äußert er sich immer wieder sehr kritisch gegenüber dem Westen, den er als politisch und ideologisch gespalten sieht. An der seiner Ansicht nach schwindenden christlichen Prägung westlicher Gesellschaften lässt er kein gutes Haar. So meinte er einmal in einem anderen Interview: "Spirituell fühlen wir uns dem orthodoxen Osten verpflichtet und nicht dem modernen Westen." Neoliberale Ideologien hätten zu moralischer Verflachung, Gier und einer "Krise der Werte" geführt.
Bulovic ist Erzbischof der serbischen Diözese Novi Sad sowie Metropolit von Backa und leitet seit 2023 interimistisch als Administrator die Serbisch-orthodoxe Diözese Österreich. Die Serbisch-orthodoxe Kirche ist die zahlenmäßig größte orthodoxe Kirche in Österreich. Ihr gehören rund 350.000 Gläubige an. Die rund 25 Pfarrgemeinden verteilen sich über das ganze Land.