Meister der frühen Neuzeit schuf im Vatikan vier päpstliche Gemächer mit prachtvollen Fresken sowie Galerie mit 52 biblischen Szenen
Vatikanstadt, 26.06.2026 (KAP) Die berühmte Raffael-Loggia im Vatikan wird für rund fünf Jahre restauriert. Ein Team von mehr als 20 Restauratoren werde gemeinsam an etwa 1.300 Quadratmetern verzierter Fläche im Säulengang des Westflügels im zweiten Stock des Apostolischen Palastes arbeiten, teilten die Vatikanischen Museen mit.
Die Galerie mit Blick auf den Damasus-Hof, wo heute häufig Staatsgäste des Papstes ankommen, ist reich mit Grotesken und biblischen Szenen ausgeschmückt. Sie gilt als eines der bedeutendsten Werke der Renaissance und raffiniertestes Beispiel figurativer Kunst des frühen 16. Jahrhunderts.
Raffaello Sanzio (1483-1520) erhielt den Auftrag für die Loggia von Medici-Papst Leo X. (1513-1521). Die Ausführung übernahm er zwischen 1517 und 1519 gemeinsam mit seinem Künstlerteam. So wurden die Wände und Pfeiler von Giovanni da Udine im sogenannten Grotesken-Stil gestaltet, einer antiken Malweise mit fantasievollen Ornamenten, Fabelwesen und Pflanzenmotiven, die damals durch Ausgrabungen - etwa im "Domus Aurea" von Kaiser Nero - entdeckt wurde.
Die Loggia, die ursprünglich Leo X. als privater Wandelgang und repräsentative Empfangshalle diente, besteht aus 13 reich dekorierten Jochen. Besonders bekannt sind die 52 Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, auch "Bibbia di Raffaello" (Raffael-Bibel) genannt. Von der Erschaffung der Welt bis hin zum Letzten Abendmahl wird hier die biblische Geschichte in lebendigen, antikisierenden Farben erzählt.
"Stanzen des Raffael" mit großen Fresken
Ebenfalls im Vatikan liegen die "Stanzen des Raffael", vier Gemächer, die der Künstler im Auftrag von Papst Julius II. (1503-1513) mit Fresken ausmalte, darunter die prachtvolle "Schule von Athen". Anders als die "Stanzen" mit ihren monumentalen Fresken beeindrucken die Loggien vor allem durch die Fülle kleiner erzählender Bibelszenen, fantasievolle Ornamente (Grotesken) und die Verbindung von Architektur, Malerei und Dekoration.
Die 65 Meter langen Loggien stellten zusammen mit den Stanzen des Raffael eines der bedeutendsten künstlerischen Vermächtnisse des Meisters dar, sagte die Direktorin der Vatikanischen Museen, Barbara Jatta, dem Portal "Vatican News". Die Loggien seien ein "entscheidender Übergangspunkt zwischen Antike und Gegenwart", sagte Jatta.
Der Leiter des Labors für die Restaurierung von Gemälden und Holzobjekten der Vatikanischen Museen, Paolo Violini, erklärte, die Restaurierung sei notwendig, um dem Verfall entgegenzuwirken, der in den vergangenen Jahren einige kritische Stellen offenbart habe.
Mögliche Ursachen könnten in klimatischen Schwankungen liegen. Die zwischen 1813 und 1814 eingebauten Verglasungen hätten die Dekorationen zwar vor Witterungseinflüssen geschützt, aber auch den Luftaustausch eingeschränkt und so Staunässe begünstigt, sagte Violini.
5,5 Millionen US-Dollar bereitgestellt
Das Projekt ist Teil der umfassenderen internationalen Initiative "Legacy of Raphael: The Vatican and Beyond", die die Restaurierung durch Fortbildungsmaßnahmen und digitale Dokumentation ergänzt. Für die Sanierung der Loggia wurden laut "Vatican News" 5,5 Millionen US-Dollar (rund 4,8 Millionen Euro) bereitgestellt.