Steirischer Generalvikar: Modell der Seelsorgeräume hat sich bewährt
27.06.202611:34
Österreich/Kirche/Leute/Diözese/Strukturreform
Erich Linhart zieht angesichts baldiger Emeritierung im "steirischen Sonntagsblatt" Bilanz über Strukturreform, Führungsarbeit und künftige Aufgaben in der Diözese Graz-Seckau
Graz, 27.06.2026 (KAP) Die in der Diözese Graz-Seckau eingeführten Seelsorgeräume haben sich nach Einschätzung von Generalvikar Erich Linhardt als tragfähiges Strukturmodell bewährt. "Ich bin nach wie vor überzeugt, dass sich das Modell 'Seelsorgeraum' für die Weitergabe des Evangeliums sehr eignet", sagte Linhardt im Interview mit dem steirischen "Sonntagsblatt" vor seiner mit 1. September angekündigten Emeritierung. Er zog darin Bilanz über seine Amtszeit seit 2015 und die Entwicklung der diözesanen Strukturen.
Rückmeldungen aus der Praxis zeigten breite Zustimmung, weshalb Linhart die Entwicklung der Diözese als grundsätzlich erfolgreich bewerte. Gleichzeitig verwies er auf notwendige Geduld bei kirchlichen Veränderungsprozessen: Große Reformen bräuchten Zeit und dürften nicht erzwungen werden. Es entspreche dem Charakter langfristiger Veränderungsprozesse, dass die Umsetzung der Reform in den einzelnen Regionen unterschiedlich weit fortgeschritten. Als Vergleich nannte er kirchliche Reformen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, deren Umsetzung in den Pfarren ebenfalls Jahrzehnte gedauert habe. Veränderungen müssten wachsen können und dürften nicht durch Zwang herbeigeführt werden.
Zur Zukunft der Kirche äußerte sich Linhardt grundsätzlich optimistisch. Er sehe die zentrale Aufgabe der Kirche in der Verkündigung einer Botschaft, die seiner Überzeugung "die einzige Möglichkeit der Veränderung des Menschen und der Welt zum Guten ist", wie er sagte. Diese Veränderung geschehe jedoch nicht primär durch Strukturen, sondern durch persönliche Glaubenserfahrung, durch "die Gottesbeziehung, die mein Herz verändert", so Linhardt. Diese Beziehung habe konkrete Auswirkungen auf das tägliche Leben und könne auch Konflikte im Kleinen verändern.
Rückblickend auf seine Amtszeit hob Linhardt insbesondere den Umgang mit Personal- und Konfliktthemen hervor. Als Generalvikar sei er regelmäßig mit schwierigen Situationen befasst gewesen, in denen Entscheidungen zu treffen gewesen seien. Wichtig sei ihm dabei ein respektvoller Zugang gewesen, der die betroffenen Personen in den Mittelpunkt stelle - "dass es unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut geht", sagte er. Auch in belastenden Gesprächen gelte es eine Haltung zu bewahren, in der Wertschätzung spürbar bleibe.
Strukturell habe sich die Diözese in den vergangenen Jahren deutlich verändert, ohne dass Pfarrstrukturen grundsätzlich aufgehoben worden seien. Die Präsenz vor Ort bleibe für die kirchliche Arbeit zentral, betonte Linhardt. Entscheidend sei die Begegnung in den Pfarren, wo kirchliches Leben konkret stattfinde. Reformen hätten sich daher immer an der Frage orientiert, wie Verkündigung und Seelsorge vor Ort gewährleistet werden können.
Für die Zeit nach seiner Emeritierung kündigte Linhardt eine weitere Tätigkeit innerhalb der Diözese an. Er wird unter anderem als Bischofsvikar für die Caritas tätig sein. Der Übergang in diese Funktion solle bewusst gestaltet werden, um Kontinuität und persönliche Übergabeprozesse zu sichern.
Auch zur kirchlichen Medienarbeit äußerte sich Linhardt in seiner Funktion als Sonntagsblatt-Herausgeber. Trotz rückläufiger Abonnentenzahlen sprach er sich für den Fortbestand der Kirchenzeitung aus. Diese erfülle eine besondere Informationsfunktion, da sie kirchliche Themen in einer Form aufbereite, die anderswo kaum abgedeckt werde.