Kardinal Marx kritisiert Internet-Unternehmer Elon Musk
27.06.202612:42
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Münchner Erzbischof warnt vor Unsterblichkeitsfantasien und absolutem Technik-Glaube
München, 27.06.2026 (KAP/KNA) Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sieht Unternehmer wie Elon Musk kritisch. Diese hätten inzwischen mehr Macht als einzelne Staaten, sagte Marx in einem am Wochenende in der "Süddeutschen Zeitung" veröffentlichten Interview. "Sie geben vor, sie wollten die Welt verbessern, dabei geht es ihnen auch darum, sie zu beherrschen."
Manche dieser Unternehmer strebten unter dem Stichwort Transhumanismus eine Fusion zwischen Mensch und Maschine an. "Sie wollen den Menschen optimieren wie eine Datenbasis. Was für ein Wahnsinn! Dieser Weg führt wohl kaum zum guten Leben für alle, sondern entspringt einem totalitären Denken", so Marx.
Die dahinter steckenden Unsterblichkeitsfantasien verurteilte der Kardinal. "Der Wunsch nach einem langen Leben ist legitim. Aber wir sind nicht Gott, das ist der Kern des Ganzen." Zudem richteten sich Musk und Co mit ihren Ideen nur an eine Elite, "die glaubt, das Schicksal aller anderen in die Hand nehmen zu müssen".
Auf den Einwand, dass einer wie Musk entgegnen würde, dass hier lediglich die katholische Kirche ihr eigenes Geschäftsmodell schützen wolle, antwortete der Kardinal mit einer Gegenfrage. "Was ist denn dein Geschäftsmodell? Eines für einige wenige, die die Umwelt opfern, andere Länder, andere Völker? Was ist dir ein Mensch im Sudan wert? Ist sein potenzieller Tod ein 'Kollateralschaden' der Technik oder des ökonomischen Erfolgs? Oder hat er gleiche Rechte? Wenn nicht, dann sind in der Konsequenz die gleichen Rechte aller Menschen in Gefahr."
Sorge um Zustand der Gesellschaft
Beunruhigt äußerte sich der Kardinal darüber, "wie viele Menschen einer recht primitiv daherkommenden Ideologie zustimmen". Marx bezog sich dabei sowohl auf Debatten in Sozialen Medien wie auch auf das Erstarken der AfD. Er warnte vor der Tendenz, "Sicherheiten zu suchen, in die man sich einmauert und sich der Auseinandersetzung nicht stellt". Er wolle nicht, dass die Menschen enger oder fundamentalistischer würden, so der Erzbischof. Die Kirche als Teil der Gesellschaft müsse sich in Diskussionen einbringen und Demokratie und Freiheit verteidigen. "Klar ist: Wir lehnen völkischen Nationalismus ab!"
Es stelle sich die Frage, "ob die Demokratie bei uns auch so gut funktioniert hätte, wenn wir in den letzten fünf Dekaden nicht Jahr für Jahr auch Wohlstandsgewinne gehabt hätten", fügte Marx hinzu. "Ist der Wert der Demokratie auch erkennbar, wenn es Zeiten gibt, in denen nicht jeder ökonomisch das hat, was er vielleicht noch vor zehn Jahren hatte? Demokratie ist mehr als Wohlstand!"
Erinnerungen an NS-Zeit
Der Münchner Kardinal äußerte sich vor der Verleihung des Fritz-Gerlich-Preises am Mittwoch. Seit 2012 vergeben das kirchennahe Medienunternehmen Tellux und die Erzdiözese München und Freising den Preis an Filmemacher, die sich wie Gerlich "gegen alle Formen des totalitären Machtmissbrauchs und der Erniedrigung wenden". Der Journalist Fritz Gerlich war 1934 von den Nationalsozialisten ermordet worden. "Wir müssen wach sein und jedem Versuch entgegentreten, dass Menschen in ihrer Würde und in ihrer Freiheit verletzt werden", betonte Kardinal Marx weiter. Geschehe dies nicht, verrate man Gerlich und andere Märtyrer.