Gebete, Solidaritätsaufrufe und weitere Suche unter den Trümmern nach Überlebenden - Caritas-Präsident berichtet von tausenden Obdachlosen
27.06.2026, Nach den schweren Erdbeben in Venezuela hat die katholische Kirche des Landes zu einem nationalen Gebetstag aufgerufen. Die Bischofskonferenz Venezuelas rief die Gläubigen für Sonntag zum Gebet für die Opfer, Verletzten und betroffenen Familien auf. In einer Erklärung äußerten die Bischöfe "tiefen Schmerz" über die Katastrophe und zugleich Hoffnung im Glauben. Man bete für die Verstorbenen, bitte um Trost für die Angehörigen und rufe zur Solidarität mit den Betroffenen auf.
Zugleich hat die Kirche in Venezuela Hilfsaktionen und Sammelstellen in den Diözesen und Pfarren organisiert. In einer Mitteilung der Bischofskonferenz heißt es, man wolle die Bevölkerung auch praktisch unterstützen und habe kirchliche Einrichtungen als Anlaufstellen für Spenden von Lebensmitteln, Wasser, Medikamenten und Kleidung geöffnet. Die Caritas koordiniert zudem die Verteilung von Hilfsgütern.
Bereits 920 Tote, über 50.000 Vermisste
Nach den schweren Erschütterungen vom 24. Juni, die die Hauptstadt Caracas und die Küstenregion La Guaira besonders trafen, ist die Lage in vielen Gebieten weiterhin angespannt. Die Zahl der Todesopfer wird inzwischen mit rund 920 angegeben, mehr als 3.000 Menschen wurden verletzt. Zusätzlich gelten laut Angaben von Hilfsorganisationen mehr als 50.000 Personen als vermisst. Hunderte Gebäude sind eingestürzt, darunter auch kirchliche Einrichtungen und Ausbildungsstätten. Viele Menschen sind weiterhin ohne Strom, Wasser oder sichere Unterkunft.
Die Rettungsarbeiten dauern an. Internationale Hilfsteams aus Europa, den USA und lateinamerikanischen Ländern unterstützen die lokalen Einsatzkräfte. Immer wieder werden Überlebende aus den Trümmern geborgen, zuletzt auch mehrere Kinder in der Region La Guaira. In Caracas werden beschädigte Kirchengebäude derzeit von Expertenteams auf ihre Statik überprüft.
Weiter fieberhafte Suche nach Verschütteten
Derzeit seien die Rettung der Verschütteten und die Versorgung der Verletzten die unmittelbare Prioritäten, sagte der Präsident der Caritas Venezuela, Erzbischof José Luis Azuaje Ayala, im Gespräch mit Vatican News am Samstag. Tausende würden weiterhin unter den Trümmern vermutet. Gleichzeitig rief er dazu auf, staatliche Stellen, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft müssten enger zusammenarbeiten, "so dass alle helfen können, diese schwierige Situation zu bewältigen".
Azuaje warnte zudem vor der Instabilität zahlreicher beschädigter Gebäude und Infrastrukturen. Aufgrund der anhaltenden Nachbeben müsse besonders auf Bauwerke geachtet werden, die weiterhin einsturzgefährdet seien. Er sprach sich für eine rasche technische Bewertung der betroffenen Strukturen aus, um weitere Opfer zu verhindern und die Risiken für die Bevölkerung zu minimieren.
Nach Angaben des Caritas-Präsidenten stehen viele Menschen weiterhin vor existenziellen Problemen. Tausende seien obdachlos geworden und hielten sich aus Angst vor weiteren Erschütterungen in öffentlichen Plätzen und offenen Bereichen auf. Besonders angespannt sei die Lage in der medizinischen Versorgung, wo Krankenhäuser unter massivem Druck stünden und medizinisches Personal mit begrenzten Mitteln arbeite. Die Caritas sei seit den ersten Stunden im Einsatz, um sowohl bei der Bergung von Verschütteten als auch bei der Unterstützung von Betroffenen in den am stärksten betroffenen Gebieten zu helfen.
Dank für Papst-Spende
Der Erzbischof von Caracas, Raúl Biord Castillo, hat unterdessen dem Papst und dem Heiligen Stuhl für die Unterstützung gedankt. Der Vatikan stellte über das Amt für den päpstlichen Almosendienst eine Soforthilfe in Höhe von 100.000 Euro zur Verfügung. "Der Papst hat mir und der Bischofskonferenz geschrieben, unsere Nachrichten und Mitteilung gelesen sowie die Videos gesehen", sagte Biord Castillo gegenüber vatikanischen Medien. "Wir danken ihm, dem Heiligen Stuhl, den Bischofskonferenzen und der Caritas. In diesem Moment ist es wichtig, die Solidarität zu spüren und sich als Teil einer universalen Kirche zu fühlen."
Der Erzbischof besuchte gemeinsam mit dem Bischof von La Guaira, Pablo Modesto González Pérez, die betroffenen Regionen. Er betonte, im Vordergrund stehe derzeit die unmittelbare Hilfe für die Bevölkerung. Erst in einem weiteren Schritt könne der Wiederaufbau beginnen, der Wohnraum, Schulen, Pfarrstrukturen und die gesamte Infrastruktur umfassen müsse.
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