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Leo XIV. würdigt an Amerikas 250. Geburtstag ertrunkene Migranten

28.06.2026 08:30
Vatikan/Italien/USA/Papst/Migration/Diplomatie
Ob auf den Kanaren, in Norditalien oder im Vatikan: Papst Leo XIV. lässt keine Gelegenheit aus, um die "Herausforderung Migration" anzusprechen - Das ist ihm sogar wichtiger als eine große Feier in seinem Geburtsland - Kathpress-Korrespondentenbericht von Sabine Kleyboldt
Rom, 28.06.2026 (KAP) 19. Mai 2025: Lächelnd nimmt Papst Leo den Umschlag von US-Vizepräsident JD Vance entgegen; und legt ihn ungeöffnet auf seinen Schreibtisch. Seitdem wird eifrig spekuliert: War der scheinbar achtlos zur Seite gelegte Brief Donald Trumps Einladung zu den Feierlichkeiten in Washington am 250. Geburtstag der USA?

Fest steht: Leo XIV., erster US-Amerikaner im Papstamt, wird am 4. Juli nicht in seiner Heimat feiern, sondern auf der italienischen "Flüchtlingsinsel" Lampedusa an ertrunkene Bootsmigranten erinnern.

Den Spekulationen um eine mögliche USA-Reise im laufenden Jahr setzte Vatikansprecher Matteo Bruni Anfang Februar ein Ende. Der Papst werde nicht in die USA reisen, so die knappe Mitteilung. Kurz darauf wurde Leos Lampedusa-Besuch angekündigt. Sein Vorgänger Franziskus (2013-2025) war am 8. Juli 2013 auf die Mittelmeerinsel vor der nordafrikanischen Küste gereist, auf der alljährlich Tausende Migranten landen - sofern sie den gefährlichen Seeweg lebend überstehen.

Flucht, Migration und Hunger

Beim Thema Flucht und Migration setzt Leo XIV. den Kurs seines Vorgängers fort. Immer eindringlicher spricht er über Migration: zuletzt auf den Kanaren, in Norditalien oder beim Besuch einer UN-Organisation in Rom.

Beim Welternährungsprogramms WFP am 22. Juni verwies er auf den Teufelskreis von Krieg, Hunger und Migration. Doch lieber würden Kriege statt Menschen "genährt", beklagte er. Die Folge: Viele Menschen seien gezwungen, "ihre Heimat zu verlassen - nicht aus freiem Willen, sondern weil sie es müssen, um zu überleben".

Am Vortag hatte er im Vatikan die Einhaltung der Genfer Flüchtlingskonvention gefordert. "Niemand darf wegschauen, wenn er vor Menschen steht, die Schutz und Sicherheit suchen", so der Papst beim sonntäglichen Mittagsgebet.

Am Weltflüchtlingstag am Samstag war Leo XIV. in Sant'Angelo Lodigiano, Geburtsort der Schutzpatronin der Migranten: Francesca Cabrini (1850-1917) ging 1889 nach Amerika, um Schulen, Krankenhäuser und andere soziale Einrichtungen für die vielen Italiener zu gründen, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben ausgewandert waren.

Migration sei auch für die Kirche ein sehr komplexes Phänomen, sagte Leo. "Was könnte aktueller sein als ein missionarisches Charisma, das sich in den Dienst von Migranten stellt?", so der Papst mit Blick auf die Ordensfrau - die in seiner Geburtsstadt Chicago starb und als erste US-Bürgerin heiliggesprochen wurde.

Spiegel ohne Holzhammer

Der Papst, der selbst italienische, französische, spanische und kreolische Wurzeln hat, hält der Welt und insbesondere Europa den Spiegel vor - aber er nutzt nicht den Holzhammer. Während Franziskus den Kontinent einst als "vertrocknete Großmutter" bezeichnete, warb Leo XIV. jüngst in Spanien für die Ideale der reichen Kultur- und Geistesgeschichte Europas samt ihren vielfältigen sozialen Aspekten. Und im norditalienischen Pavia pries er die Schönheit europäischer Städte - um zugleich an das demokratische Gemeinwesen zu erinnern, das niemanden ins Abseits stelle.

Auch seine Botschaften an Migranten selbst sind abgewogen. Auf den Kanarischen Inseln zollte er ihnen viel Mitgefühl, forderte sie aber auch auf, keine Parallelgesellschaften zu bilden, die Gesetze des Landes zu achten, die Sprache zu lernen und eigene Talente in die aufnehmende Gesellschaft einzubringen.

Und just an dem Tag, als sich Europa mit einem neuen Regelwerk gegen irreguläre Zuwanderung absichern wollte, war sein Appell an den Kontinent glasklar. Man dürfe sich nicht abschotten und nicht zulassen, dass jährlich Tausende in Mittelmeer und Atlantik auf dem Weg nach Europa ertrinken und die See zu einem Friedhof ohne Grabsteine werde, rief Leo XIV. auf den Kanaren.

Dass der seit bald 14 Monaten regierende Papst kein Blatt vor den Mund nimmt, ist inzwischen bekannt. Für seinen lebenslangen Einsatz "für die Verteidigung von Glaubens-, Gewissens- und Meinungsfreiheit" bekommt er die Freiheitsmedaille des National Constitution Center in Philadelphia - ausgerechnet am 3. Juli.

So hält Leo XIV. am Vorabend des amerikanischen Unabhängigkeitstages eine Ansprache, die vom Vatikan aus live nach Philadelphia und in die Welt übertragen wird. Nicht nur in den USA werden sicher viele genau hinhören.
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