Nach Special Olympics: Turnovszky wirbt für mehr Inklusion
29.06.202611:54
Österreich/Sport/Behinderte/Kirche
Bischof würdigt nach Besuch der nationalen Bewerbe in Wien "Atmosphäre der Freude und Wertschätzung", hofft auf weitere Schritte der Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen
Wien, 29.06.2026 (KAP) Die Nationalen Sommerspiele der Special Olympics in Wien haben beim Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Die Tage seien von einer Atmosphäre der Freude, Wertschätzung und des Miteinanders geprägt gewesen, sagte Österreichs Familienbischof am Montag im Gespräch mit Kathpress. Die Kirche könne aus diesen Erfahrungen lernen und Inklusion noch stärker zu einem Kennzeichen ihres pastoralen Handelns machen.
Der Bischof hatte bei den Bewerben am Samstagmorgen ein Segensgebet gesprochen und anschließend Wettbewerbe im Tischtennis, Judo, Boccia, Klettern sowie den MATP-Parcours (Motor Activity Training Program) für Menschen mit schwersten Beeinträchtigungen besucht. Besonders beeindruckt habe ihn die Freude der Athletinnen und Athleten, und zwar nicht nur über die eigenen Leistungen, sondern auch über die Erfolge anderer. "Das ist ein wirkliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber vielen anderen Wettkämpfen", sagte Turnovszky.
An den Nationalen Sommerspielen der Special Olympics in Wien nahmen rund 1.800 Athletinnen und Athleten aus Österreich sowie Gäste aus Deutschland und der Schweiz teil. Unterstützt wurden sie von rund 1.000 freiwilligen Helferinnen und Helfern. Turnovszky bezeichnete die Veranstaltung als "Kitt für unsere Gesellschaft", weil sie eindrucksvoll aufzeige, "wie Gemeinschaft gelingen kann, wenn Menschen einander mit Respekt begegnen und sich gemeinsam über die Stärken des anderen freuen".
"Wer ist nun eigentlich behindert?"
Immer wieder habe er erlebt, wie mitgejubelt, geklatscht und sich gegenseitig ermutigt wurde, so der Bischof. Das habe ihn auch persönlich zum Nachdenken gebracht. Menschen mit Beeinträchtigungen hätten ihm vor Augen geführt, wie selbstverständlich sie sich mit anderen freuen könnten. "Am Ende des Tages habe ich mich gefragt, wer nun eigentlich behindert ist. Tun wir uns als vorgeblich Gesunde nicht oft viel schwerer, uns ehrlich über den Erfolg anderer zu freuen?", fragte der Weihbischof.
Die Eindrücke hätten ihn so bewegt, dass er sie bereits am folgenden Tag in einer Firmpredigt in der Wiener Pfarre St. Antonius aufgegriffen habe, berichtete der Bischof. Er habe den Firmlingen vermitteln wollen, was es bedeute, aus dem Geist Gottes zu leben. "Der Geist Gottes bricht den Egoismus auf, macht empfänglich für die Freuden und Nöte anderer Menschen und befähigt dazu, diese zu teilen", sagte Turnovszky.
Weg der Inklusion weitergehen
Für die Kirche sollten die Spiele eine Bestärkung sein, den Weg der Inklusion konsequent weiterzugehen, befand der Bischof. Erfahrungen damit gebe es etwa im Religionsunterricht, es müsse jedoch für jede Form von Pastoral gelten. Die Kirche sollte stärker darüber sprechen und auch sichtbar machen, wo Inklusion bereits gelebt werde, wie etwa im Ministrantendienst. Zwar gebe es bereits Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen, die ministrieren, dennoch wünsche er sich hier noch mehr Offenheit, so Turnovszky. Gerade Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen könnten selbstverständlich viele Aufgaben in einer Pfarre übernehmen, etwa auch im Pfarrbüro.
Dabei müsse nicht jede Initiative von der Kirche selbst organisiert werden. Vielmehr gehe es darum, bestehende Projekte zu unterstützen, Menschen zu ermutigen und gute Beispiele sichtbar zu machen. "Ich fände es gut, wenn Christinnen und Christen beim Thema Inklusion eine Vorreiterrolle einnehmen. Es gibt so viele private Initiativen. Unsere Aufgabe als Kirche und auch als Bischöfe ist es, an ihre Bedeutung zu erinnern, sie sichtbar zu machen und sie zu stärken", sagte Turnovszky.
Mit großem Respekt würdigte der Weihbischof auch die Organisatoren der Sommerspiele. Besonders hob er das Engagement von Special-Olympics-Österreich-Präsident Laurenz Maresch hervor. Ebenso dankte er dem Präsidenten des Verbands Alpiner Vereine Österreichs, Gerald Dunkel-Schwarzenberg, für die Einladung sowie dem Präsidenten des Österreichischen Alpenvereins, Wolfgang Schnabl, mit dem er die Bewerbe gemeinsam besucht hatte.