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Papst legt Erzbischof Grünwidl das Pallium über die Schultern
Kirche
Bild Copyright: © Erzdiözese Wien / Stephan Schönlaub

Papst Leo verleiht Wiens Erzbischof Grünwidl das Pallium

29.06.2026 12:15
(zuletzt bearbeitet am 29.06.2026 um 12:54 Uhr)
Vatikan/Österreich/Tschechien/USA/Papst/Kirche/Pallium/Grünwidl
Insgesamt 35 in den vergangenen zwölf Monaten neu ernannte Leiter katholischer Kirchenprovinzen in aller Welt erhielten bei Feier im Petersdom ihr Rangabzeichen in Form einer mit schwarzen Kreuzen bestickten weißen Wollstola - Papst am Hochfest Peter und Paul: Petrus-Schlüssel als Symbol des Dialogs
Vatikanstadt, 29.06.2026 (KAP) In einem feierlichen Gottesdienst im Petersdom hat Papst Leo XIV. am Montag den 35 in den vergangenen zwölf Monaten neu ernannten Leitern von katholischen Kirchenprovinzen in aller Welt das Zeichen ihrer besonderen Würde verliehen. Das sogenannte Pallium legte der Papst unter anderem dem neuen Wiener Erzbischof Josef Grünwidl (63), dem Prager Erzbischof Stanislav Pribyl (54) und den polnischen Erzbischöfen Kardinal Grzegorz Rys (62) aus Krakau und Kardinal Konrad Krajewski (62) aus Lodz um die Schultern. Zu den Trägern der mit sechs schwarzen Kreuzen bestickten weißen Wollstola zählen künftig auch die Erzbischöfe Ronald Hicks (New York, 58), Richard Moth (Westminster/London, 67), Mario Antonio da Silva (Aparecida, 59), Sithembele Sipuka (Kapstadt, 66) und Khalid Rehmat (Lahore, 57).

Papst Leo betonte in seiner Predigt am Hochfest der heiligen Petrus und Paulus, die Pallien seien Ausdruck der Verpflichtung eines jeden Hirten - aber auch jedes Christen -, die ihm anvertrauten Brüder und Schwestern "wie Lämmer der Herde des Herrn auf seine Schultern zu nehmen". Sie sollten für sie Energie, Zeit, Mühe und sogar ihr Leben opfern, "damit das Evangelium alle erreicht und die ganze Welt darin Harmonie und Eintracht findet", zitierte der Papst das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965).

Er habe bei der für ihn "sehr bewegenden" Feier im Vatikan "Weltkirche erleben" und Kontakte knüpfen können, sagte Erzbischof Grünwidl nach dem Gottesdienst gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress. Das Pallium sei Würde, aber auch Bürde, in dem Sinn, dass es ihn noch stärker an seine Verantwortung als Bischof im Sinne eines Hirten erinnere, erklärte der Wiener Erzbischof. "Besonders wichtig ist mir, dass das Pallium aus Schafswolle von den Agnes-Lämmern hergestellt wird. Papst Franziskus hat immer gesagt, dass ein Hirte, ein Bischof den Stallgeruch der Herde haben muss - und daran erinnert mich das Pallium in ganz besonderer Weise."

Das Pallium dürfen in der katholischen Kirche nur Erzbischöfe tragen, die eine Metropolie leiten. In Österreich sind das die Erzbischöfe von Wien und Salzburg. Die Wiener Kirchenprovinz umfasst neben der Erzdiözese Wien auch die Diözesen Linz, St. Pölten und Eisenstadt. Zur Salzburger Kirchenprovinz gehören die Erzdiözese Salzburg und die Diözesen Graz-Seckau, Innsbruck, Gurk und Feldkirch. Insgesamt sind von den mehr als 3.000 katholischen Diözesen weltweit 555 Metropolitan-Erzdiözesen.

Auch 170 Kardinäle im Petersdom

Die Verleihung des Abzeichens der Metropolitenwürde im Vatikan erfolgt traditionell zum Peter-und-Paul-Fest am 29. Juni. Neun der Kirchenmänner, denen der Papst das Pallium verlieh, stammen aus Europa, acht aus Nordamerika, sieben aus Lateinamerika, sechs aus Asien, vier aus Afrika und einer aus Australien.

Neben den neuen Erzbischöfen nahmen auch rund 170 Kardinäle an dem Gottesdienst im Vatikan teil, unter ihnen Kardinal Christoph Schönborn. Die Kardinäle hatten am Freitag und Samstag mit Papst Leo XIV. über dringende Fragen in Kirche und Welt beraten.

Petrus-Schlüssel als Symbol des Dialogs

Leo XIV. erinnerte in seiner Predigt weiters daran, dass sich Petrus immer wieder für die Gemeinschaft unter den Brüdern und Schwestern eingesetzt habe, ohne selbst vollkommen zu sein. Der Schlüssel als Attribut des Petrus sei ein Symbol. Es zeige, dass die Gemeinschaft in der Kirche nicht entstehe, indem man sich auf eigene Positionen versteift. Vielmehr gehe es darum, in den Herzen aller die Berührungspunkte in der Wahrheit zu suchen, "in deren Licht allein ein jeder für den anderen zum Mittel des Wachstums wird", betonte der Papst.

Dies sei auch Aufgabe der Päpste als Nachfolger des Petrus: die Belange jedes einzelnen zu hören und zu erfassen, Eingebungen zu unterscheiden, Fehler zu korrigieren und zu unterweisen. Zugleich müssten sie ermutigen und ermahnen sowie die Brüder und Schwestern begleiten, damit sie offen für das Wirken des Heiligen Geistes seien.

Auch der Apostel Paulus habe sein Leben für diese Aufgabe geopfert. Petrus und Paulus seien Vorbilder "wie auch wir Apostel und Baumeister der Einheit sein können, großzügige Diener der Wahrheit in der Liebe", unterstrich der Papst.

Empfang in der Botschaft

Wie die Erzdiözese Wien mitteilte, stand auf dem Programm des Kurzbesuchs von Erzbischof Grünwidl im Rom am Sonntagabend auch ein Empfang in der österreichischen Botschaft beim Heiligen Stuhl. Botschafter Marcus Bergmann und seine Gattin begrüßten Erzbischof Grünwidl und Kardinal Schönborn sowie einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den Erzbischof zur Palliumsverleihung nach Rom begleitet hatten.

Wolle von "Agnes-Lämmern"

Der Begriff "Pallium" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet "Hülle". Ursprünglich bezeichnet es ein mantelähnliches Obergewand der Römer. Seit dem sechsten Jahrhundert gehörte das Pallium zur Kleiderordnung der Päpste, die es dann auch bestimmten Bischöfen als Auszeichnung verliehen. Ab der Mitte des neunten Jahrhunderts waren die Erzbischöfe verpflichtet, sich das Pallium vom Papst zu erbitten. Erst danach durften sie ihr Amt als Metropolitanbischöfe ausüben.

Die Wolle des Palliums stammt traditionell von Lämmern, die am 21. Jänner, dem Gedenktag der heiligen Agnes, in Rom gesegnet werden. Vor der Übergabe werden die Pallien in einem eigenen Behälter in der sogenannten Palliumnische beim Petrusgrab im Petersdom aufbewahrt.

Das Pallium ist streng an das Amt gebunden. Es wird einem Erzbischof persönlich verliehen, gilt aber nur für dessen Dienst auf einem bestimmten Metropolitansitz. Der Metropolit darf das Pallium nur innerhalb seiner eigenen Kirchenprovinz tragen, also nicht einfach überall, wo er einer Liturgie vorsteht. Mit dem Ende der Amtszeit als Erzbischof endet auch der liturgische Gebrauch.
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