Caritas-Europa-Präsident erinnert bei Gottesdienst im Wiener Stephansdom an Folgen der Hitzewelle für Obdachlose, Wenigverdiener und ältere Menschen - Christen sollten angesichts heutiger Notstände "die Augen öffnen, wo auch wir gebraucht sind"
Wien, 29.06.2026 (KAP) Caritas-Europa-Präsident Michael Landau warnt in der aktuellen Hitzewelle vor den sozialen Folgen der Klimakrise. In einer Predigt am Sonntag im Stephansdom verwies er auf obdachlose Menschen, Menschen mit niedrigem Einkommen und ältere Menschen als besonders gefährdete Gruppen. "Die Klimakrise ist längst auch eine soziale Krise geworden. Das gilt international; aber das gilt auch bei uns, wie wir es Tag für Tag in unserer Arbeit mit armutsbetroffenen Menschen hier in Österreich sehen", sagte Landau. Zu denken gebe, dass "diejenigen, die unter dieser Klimakrise am meisten leiden, zumeist auch diejenigen sind, die diese Krise am wenigsten verursacht haben".
Landau dankte Pfarrgemeinden, die derzeit ihre Säle und Gärten als Klimaoasen geöffnet haben, sowie den Hilfsangeboten der Caritas. Allein in Wien werde mit 24 Klimaoasen, Streetwork-Einsätzen, der Verteilung von Trinkwasser, Sonnenschutz und Sommerschlafsäcken sowie dem Louisebus auf die Hitzewelle reagiert. "Caritas ist ja immer konkret, Hilfe von Mensch zu Mensch, von Gesicht zu Gesicht", so der Caritas-Europa-Präsident.
Mit Blick auf das Erdbeben in Venezuela sprach Landau von einer dramatischen Situation. Die genaue Zahl der Opfer sei noch nicht bekannt, viele Familien hätten jedoch bereits alles verloren. Die Rettungsarbeiten würden durch Nachbeben, beschädigte Infrastruktur und Stromausfälle erschwert. "Rasche, wirksame Hilfe ist ein Gebot der Stunde, und diese Hilfe wird - auch das lässt sich heute schon sagen - einen langen Atem brauchen", so Landau.
Der Caritas-Präsident verwies zudem auf die weltweit angespannte humanitäre Lage. "Knapp 240 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe; für 87 Millionen besteht höchste Priorität bzw. akute Lebensgefahr." Besonders verwies Landau hier auf die Krisen im Südsudan, Libanon, Heiligen Land, Kongo und Syrien. Kirche und Caritas blieben dabei dauerhaft an der Seite der Betroffenen, sie "sind bei den Menschen vor einer Katastrophe, in einer Katastrophe und nach einer Katastrophe. Wir sind da - und wir bleiben."
Seinen Appell zu konkreter Hilfe verband Landau mit einer geistlichen Einladung. Die Kirche dürfe nicht schweigen "im Wissen um all die Menschen, die hungern, die fliehen müssen - vor Krieg, vor extremer Armut oder Hunger". Immer noch alle zehn Sekunden sterbe ein Kind an Hunger oder seinen Folgen. Zugleich ermutigte der Priester die Gläubigen, die eigene Verantwortung wahrzunehmen: "Öffnen wir die Augen, wo auch wir gebraucht sind. Hören wir hin, wo der Herr uns ruft."