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Caritas Oberösterreich feiert das 75-jährige Bestehen ihrer Familienhilfe
Bild Copyright: © Caritas

Caritas: 75 Jahre Mobile Dienste an der Seite von Familien

29.06.2026 10:42
(zuletzt bearbeitet am 29.06.2026 um 17:21 Uhr)
Österreich/Kirche/Hilfsorganisation/Familie/Soziales/Kind
In OÖ begleiten 170 Familienhelfer jährlich bis zu 900 Familien in herausfordernden Lagen, Jubiläum auch in Diözese St. Pölten - Bischof Scheuer: Unterstützung "unverzichtbarer Ausdruck gelebter christlicher Nächstenliebe"
Linz, 29.06.2026 (KAP) Die Caritas Oberösterreich feiert das 75-jährige Bestehen ihrer Familienhilfe. Seit ihrer Einführung im Jahr 1951 begleiten die Mobilen Dienste der Hilfsorganisation Familien in belastenden Lebenssituationen. Begannen die Mobilen Dienste einst mit zwei Mitarbeiterinnen, sorgen heute rund 170 Familienhelferinnen und -helfer jährlich für bis zu 900 Familien. Sie unterstützen Eltern und Kinder unter anderem bei Erkrankungen, nach Unfällen oder in anderen Krisensituationen, um den Familienalltag aufrechtzuerhalten und Kindern den Verbleib in ihrem vertrauten Umfeld zu ermöglichen, wie die Hilfsorganisation in einer Aussendung am Montag mitteilte.

Bischof Manfred Scheuer würdigte die Familienhilfe als "unverzichtbaren Ausdruck gelebter christlicher Nächstenliebe". "Dort helfen, wo es gerade nottut - das ist ein Kernauftrag der Kirche und der Caritas. Es sind oft unvorhersehbare Umstände, die eine schwierige Lebenssituation verursachen - auch Familien machen diese Erfahrung", erklärte Scheuer bei der kürzlich stattgefundenen Jubiläumsfeier. Sozial-Landesrat Christian Dörfel betonte: "'Überbrücken - Brücken bauen' beschreibt treffend, was die Mobilen Familiendienste seit 75 Jahren leisten: Sie helfen Familien, schwierige Zeiten zu überbrücken, und bauen Brücken zu neuer Stabilität."

Leistbare Hilfe

"Damit die Hilfen rechtzeitig genutzt werden können, müssen sie für Familien gut erreichbar und leistbar sein", verwies Caritas-Vorstand Martin Gruber auf den großen Meilenstein der Anerkennung der Dienstleistung durch das Land Oberösterreich im Jahr 1973. Die Kosten werden seither teilweise vom Land Oberösterreich getragen, die Eigenbeiträge sind sozial gestaffelt und beginnen bei fünf Euro pro Stunde. "Dass dies in Oberösterreich möglich ist, trägt wesentlich dazu bei, dass Kinder und Eltern auch in schwierigen Zeiten die Unterstützung erhalten, die sie brauchen", so Gruber.

Während in den Anfangsjahren vor allem die Versorgung kinderreicher Familien im Mittelpunkt stand, hätten sich die Herausforderungen laut Caritas mittlerweile deutlich verändert. Heute führten unter anderem die Berufstätigkeit beider Elternteile, fehlende familiäre Netzwerke, Alleinerziehung sowie akute oder chronische Erkrankungen zu Unterstützungsbedarf. Zunehmend spielten auch psychische Belastungen wie Burnout oder Depressionen eine Rolle. Die Familienhelferinnen unterstützten Betroffene im Alltag und begleiteten sie dabei, langfristig tragfähige Strukturen zu entwickeln. (Info: www.mobiledienste.or.at)

Diözese St. Pölten: "Ureigenster Auftrag"

Auch die Caritas St. Pölten betonte am Montag zum 75-jährigen Bestehen ihrer Familienhilfe die Unterstützung von Familien als "ureigensten Auftrag" der Hilfsorganisation. "Gerade dann, wenn Menschen besonders verletzlich sind, brauchen sie Nächstenliebe und Schutz. Kinder sind hier eine der ganz betroffenen Gruppen", erklärte Caritas-Direktor Hannes Ziselsberger: "Umso mehr ist es uns ein Anliegen, diese Leistung gemeinsam mit der Förderung durch das Land Niederösterreich als einziger Träger in Niederösterreich anbieten zu können."

Allein im Jahr 2025 wurden demnach 160 Familien durch 270 Einsätze der insgesamt 15 Familienhelferinnen und -helfer in der Familien- und Kinderbetreuung im Wald- und Mostviertel, St. Pölten und Umgebung Tulln, begleitet. Die oft vielschichtigen Problemlagen führten auch dazu, dass viele Familien länger auf die Unterstützung der Familienhilfe angewiesen seien, so die Caritas. Durchschnittlich würden die Mitarbeiterinnen vier Wochen in den Familien bleiben, bei Bedarf könne auch um eine Verlängerung angesucht werden.

Lag in den 1950er- und 1960er-Jahren das Hauptaugenmerk auf der Unterstützung von kinderreichen Familien, warten angesichts der heute stark veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen andere Herausforderungen auf die Familienhelfer. Mehrheitlich seien mittlerweile oft beide Elternteile erwerbstätig, viele andere seien alleinerziehend und auch das Pensionsantrittsalter der Großeltern habe sich erhöht, schildert die Caritas. Akute Erkrankungen, Unfälle oder schwere chronische Krankheiten von Elternteilen oder von Kindern könnten unter diesen Voraussetzungen nicht mehr ausschließlich in der Familie bewältigt werden. Auch psychische Probleme können zu kritischen Situationen in Familien führen.

Entsprechend anspruchsvoll seien die Aufgaben in der Familienhilfe. Diese umfassten die Unterstützung bei Schwangerschaften und Geburten ebenso wie die Beaufsichtigung von Kindern, wenn die eigentliche Betreuungsperson erkrankt ist, sich im Spital, auf Kur oder Reha befindet, sich von einer Operation erholt oder verstorben ist. "Unsere Mitarbeiterinnen versuchen die Lebenswelten der Familien zu verstehen und sie nach ihrem Tempo und Bedarf zu begleiten", erklärte Gerda Bernauer, Leiterin der Familienhilfe. Auch stünden Planung und Organisation des Familienlebens, wie z.B. die Freizeitaktivitäten der Kinder koordinieren, oder das Haushaltsmanagement heute mehr im Fokus als früher, so Bernauer: "Der zeitliche Druck alles unter zu bringen ist oft hoch. Auch hier versuchen die Fachkräfte der Familienarbeit die Familien zu entlasten und durch praktische Hilfe den Alltag zu erleichtern."
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