Europaweit erste Islamisch-Theologische Fakultät startet in Münster
30.06.202611:19
Deutschland/Religion/Hochschule/Islam
Islamtheologe Khorchide erwartet mehr wissenschaftliche Freiheit
Bonn/Münster, 30.06.2026 (KAP/KNA) Das Zentrum für Islamische Theologie (ZIT) der Universität Münster wird zur ersten eigenständigen islamisch-theologischen Fakultät Europas an einer staatlichen Hochschule. Mit der offiziellen Gründung am Mittwoch erhält die Einrichtung den gleichen Status wie die katholischen und evangelischen Fakultäten der Hochschule. Die Aufwertung gilt als Meilenstein für die Etablierung der islamischen Theologie an deutschen Universitäten.
"Unsere akademische Unabhängigkeit und Reichweite wächst dadurch", sagte der bisherige Leiter des ZIT und künftige Dekan Mouhanad Khorchide der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Fakultät könne künftig eigenständig Professoren- und Doktortitel vergeben, leichter Drittmittel einwerben und eigene Forschungsschwerpunkte entwickeln. Geplant seien unter anderem ein Schwerpunkt "Public Theology", der sich mit religiösen Fragen zu Themen wie Umweltschutz, Sexualität oder Extremismus befasst, sowie ein neuer Studiengang "Islam und soziale Arbeit".
"Campus der Religionen"
Das 2012 gegründete Zentrum zählt zu den sechs Standorten islamischer Theologie in Deutschland. Bekannt wurde es vor allem durch Khorchides historisch-kritische Koranauslegung. "Das ZIT hat von allen Standorten die deutsche Islamdebatte der letzten Jahre vielleicht am stärksten geprägt", sagte der Theologe. Gemeinsam mit den katholischen und evangelischen Fakultäten solle nun ein "Campus der Religionen" entstehen, "auf dem der interreligiöse Dialog eine ganz neue Qualität entfalten kann".
Die Gründung der Fakultät ist auch religionspolitisch bedeutsam. Anders als die christlichen Kirchen verfügt der Islam in Deutschland über keine einheitliche Organisationsstruktur. Deshalb begleitet ein konfessioneller Beirat mit Vertretern muslimischer Religionsgemeinschaften die Fakultät. Nach Angaben Khorchides hat das Gremium jedoch "auf Lehrinhalte, Koranauslegung und Personalentscheidungen keinen unmittelbaren Einfluss". Ein Vetorecht bestehe nur, wenn grundlegende Glaubenslehren verletzt würden. Zugleich erklärte der Theologe: "Ich wäre aber froh, wenn es das Beiratsmodell nicht gäbe und Theologie mehr Freiheit bekäme."
Internationale Ausstrahlung
Mit dem Fakultätsstatus erhofft sich die Universität nicht zuletzt eine stärkere internationale Ausstrahlung. "Ich hoffe, dass die Fakultät weit über Deutschland und Europa hinaus Impulse setzen wird", sagte Khorchide.