Hilfswerk "jesuitenweltweit Österreich" berichtet von enormem Hilfsbedarf in Bebenregion - Caritas und Bischöfe koordinieren Maßnahmen für Erdbebenopfer
Caracas/Rom/Wien, 30.06.2026 (KAP) Nach den schweren Erdbeben in Venezuela berichten Kirchenvertreter und Hilfswerke vom wachsenden Ausmaß der Katastrophe. In der am schwersten getroffenen Region La Guaira seien die Verwüstungen noch verheerender als nach der Schlammlawinen-Katastrophe von 1999, schilderte etwa der venezolanische Priester Luis Antonio Garcia Thomas dem Sender Radio Vatikan. In der Küstenstadt wurden ganze Straßenzüge zerstört und zahlreiche Gebäude schwer beschädigt. Nach offiziellen Angaben der venezolanischen Regierung wurden in der gesamten Bebenregion bereits mehr als 1.700 Tote geborgen. Zehntausende Menschen gelten nach wie vor als vermisst.
Der Hilfsbedarf vor Ort sei weiterhin enorm, berichtete das Hilfswerk "jesuitenweltweit Österreich" am Dienstag unter Berufung auf die internationalen Netzwerke des Jesuitenordens. Wie andere Hilfsorganisationen bündeln auch die jesuitische Netzwerke ihre Kräfte, um die Menschen in den besonders schwer betroffenen Regionen schnell und gezielt zu unterstützen. Eine zentrale Rolle spiele dabei das Bildungsnetzwerk "Fe y Alegria", das allein im Bundesstaat La Guaira 39 Schulen mit rund 21.000 Schülerinnen und Schülern sowie etwa 3.000 Lehr- und Mitarbeitenden betreibt. Durch dieses dichte Netzwerk könne der Bedarf an Hilfsgütern schnell erhoben und diese unmittelbar in die betroffenen Gemeinden gebracht werden, so "jesuitenweltweit".
Trinkwasser, Babynahrung, haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel würden derzeit besonders dringend benötigt. Für die anhaltenden Arbeiten zur Bergung von Verschütteten werden Schaufeln, Spaten, Hämmer und Bohrgeräte gebraucht. Darüber hinaus veruscht man jene Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten mit Powerbanks, Schlafsäcken, aufblasbaren Matratzen, Thermodecken und wetterfester Kleidung zu versorgen.
Auch in der Hauptstadt Caracas seien viele Menschen ums Leben gekommen und zahlreiche Wohngebäude einsturzgefährdet, berichtete Pfarrer Garcia gegenüber Radio Vatikan. Er verwies auf die Hilfsmaßnahmen der Kirche, die sich organisiert habe, um den Betroffenen Beistand zu leisten. Es gehe dabei nicht nur um soziale Unterstützung, sondern auch um die seelische Begleitung der Opfer. Da Gottesdienste aufgrund der Gebäudeschäden nicht in den Kirchen stattfinden können, versammeln sich die Gemeinden stattdessen auf öffentlichen Plätzen zum Gebet.
Soforthilfe, Seelsorge und Wiederaufbau
Unterdessen koordiniert die katholische Kirche in Venezuela ihre Hilfsmaßnahmen landesweit. Bei einem am Montag stattgefundenen Treffen der Bischofskonferenz mit dem Apostolischen Nuntius Alberto Ortega Martín, den Bischöfen der Kirchenprovinz Caracas und Vertretern der besonders betroffenen Diözese La Guaira wurden aktuelle Maßnahmen der Soforthilfe, der Seelsorge und des Wiederaufbaus abgestimmt. Nach Angaben der Bischofskonferenz haben sich zahlreiche Pfarren unmittelbar nach den Beben zu Sammelstellen für Hilfsgüter sowie zu Orten des Gebets und der Begleitung von Betroffenen entwickelt.
Der Bischof von La Guaira, Pablo Modesto González, erklärte, derzeit laufe eine systematische Erhebung der Schäden und des Hilfsbedarfs in den einzelnen Gemeinden. Vorrang hätten die Unterstützung der im Katastrophengebiet eingesetzten Priester, die Wiederherstellung der Verbindungen zu abgeschnittenen Ortschaften sowie die psychosoziale Begleitung traumatisierter Menschen. Auch viele Seelsorger seien selbst von den Erdbeben betroffen und hätten Wohnraum oder enge Mitarbeiter verloren.
Die Caritas Venezuela hat nach eigenen Angaben einen Rund-um-die-Uhr-Hilfsplan ("Plan 24 por 24") aktiviert. Innerhalb der ersten drei Tage seien bereits mehr als 321 Lastwagen mit Hilfsgütern in die besonders betroffenen Bundesstaaten La Guaira, Caracas, Carabobo und Falcón entsandt worden. Zugleich bereite die Kirche gemeinsam mit staatlichen Stellen und zivilgesellschaftlichen Organisationen den mittel- und langfristigen Wiederaufbau vor. Der frühere Bischof von La Guaira, Raúl Biord, betonte, es gehe nicht nur um den Wiederaufbau von Häusern und Kirchen, sondern auch darum, "Leben, Gemeinschaft und ein ganzes Volk" neu aufzubauen. Zudem mahnte er, bei Umsiedlungen betroffener Menschen Familien nicht auseinanderzureißen.