Burke zweifelt an Vatikan-Kurs bei Piusbrüdern und Synodalität
30.06.202613:57
Vatikan/USA/Kirche/Kardinäle
US-Kardinal zeigt sich irritiert, dass die bevorstehenden unerlaubten Bischofsweihen der Piusbruderschaft bei der jüngsten Kardinalsversammlung im Vatikan kaum vorkamen
Vatikanstadt, 30.06.2026 (KAP/KNA) Laut US-Kardinal Raymond Burke hat es einige Kardinäle befremdet, dass die anstehenden vom Papst verbotenen Bischofsweihen durch die Piusbrüder kein offizielles Thema im Kardinalskonsistorium am Wochenende waren. "Das Programm befasste sich - abgesehen von der letzten Sitzung zum Thema Synodalität - praktisch fast ausschließlich mit den Sorgen der Welt und damit, wo sich die Menschen isoliert oder verloren fühlen", sagte der ehemalige Präfekt des Obersten Gerichtshofs der Apostolischen Signatur dem kirchlichen Nachrichtenportal "Per Mariam" am Montag.
"Zu diesem Thema hat er uns nicht um Rat gefragt", betonte der Amerikaner. Einige Kardinäle hätten dann selbst die Krise der Priesterbruderschaft St. Pius X. angesprochen, "da es ihnen sehr seltsam erschien, dass wir Kardinäle darüber nicht gesprochen hätten", sagte Burke.
Keine Exkommunikation aller Piusbrüder
Mit Blick auf die für den 1. Juli angekündigten Bischofsweihen der Piusbrüder äußerte sich Burke besorgt. Das Argument der Bruderschaft, man müsse Bischöfe weihen, weil ein Ausnahmezustand vorliege, halte er nicht für tragfähig. Eine Exkommunikation für alle Mitglieder der Piusbruderschaft befürchte er aber nicht, so Burke: "Ich glaube, dass es viele Gläubige gibt, die Mitglieder der Piusbruderschaft sind, darunter auch Priester, die keinen schismatischen Geist haben: Sie lieben einfach die Tradition des älteren Ritus des Römischen Messbuchs", sagte er.
Burke gilt als einflussreicher Fürsprecher der sogenannten "Alten Messe". Die Piusbruderschaft lehnt die meisten Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils ab. Streitpunkte sind vor allem Liturgie, Religionsfreiheit und Ökumene.
Der US-Kardinal erklärte, er hoffe, dass der Heilige Stuhl einige Kardinäle benennen werde, um weitere Verhandlungen zu führen. Davon verspreche er sich fruchtbarere Verhandlungen als von den Gesprächen, die Kardinal Victor Manuel Fernández im Namen des Heiligen Stuhls geführt habe.
Fragezeichen beim Thema Synodalität
Burke begrüßte, dass Papst Leo XIV. regelmäßige Kardinalsversammlungen im Vatikan wieder zum Standard mache, um dort wichtige kirchliche Fragen zu erörtern. Bezüglich des beim vergangenen Konsistorium thematisierten Synodalitätsprinzips äußerte er sich kritisch. Aus seiner Sicht sei "die gesamte Frage der Synodalität" allerdings "nach wie vor ungeklärt" und habe "sicherlich keine Tradition im Leben der Kirche". Der Kardinal führte aus: "Es muss wirklich kritisch geprüft werden, was damit gemeint ist und ob dies ein geeigneter Weg ist, um Konsultationen in der Kirche durchzuführen".
Auch die Beratung in "synodalen" Kleingruppen beim Konsistorium habe ihn noch nicht komplett überzeugt: "Das klassische Format des Konsistoriums war eine offene Debatte, bei der alle Kardinäle anwesend waren, dem Redner zuhörten und darauf antworten konnten", sagte Burke. Nach der ersten Kardinalsversammlung hätten einige Kardinäle die neue Beratungsform kritisiert, doch Leo XIV. habe bei der zweiten Versammlung darauf bestanden, sie weiterhin anzuwenden.