Appell im Geschichtsstreit zwischen Warschau und Kiew über Weltkriegsvergangenheit
Kiew/Warschau, 30.06.2026 (KAP) Hochrangige katholische Kirchenvertreter aus Polen und der Ukraine haben im aktuellen Streit zwischen den beiden Ländern zu Versöhnung aufgerufen. Angesichts wachsender gegenseitiger Spannungen zwischen Polen und Ukrainern gelte es, "die Sprache zu entwaffnen" und den mit dem Segen des heiligen Johannes Paul II. (1978-2005) eingeschlagenen Weg des Dialogs fortzusetzen, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Gemeinsamen Erklärung zu den polnisch-ukrainischen Beziehungen. Der Kiewer Großerzbischof Swajtoslaw Schewtschuk, die polnischen Kardinäle Konrad Krajewski, Kazimierz Nycz und Grzegorz Rys sowie Kardinal Mykola Bychok, Bischof der Exil-Ukrainer im australischen Melbourne, unterzeichneten den Aufruf am Rande der jüngsten Kardinalsversammlung in Rom.
Wie Papst Leo XIV. sei man davon überzeugt, "dass der erste Schritt zum Frieden die Entwaffnung der Sprache ist". Dies gelte nicht nur für Worte, sondern auch für Gesten, Zeichen und Symbole. "Auch sie können verletzen, den Weg zur Begegnung versperren und Angst schüren", halten die Kardinäle fest. Das Wiederaufleben von Feindseligkeiten zwischen Polen und Ukrainern sei umso schmerzhafter, als dies "zu einer Zeit geschieht, in der die Ukraine weiterhin die Schrecken des Krieges erlebt und Polen in den letzten Jahren große Solidarität mit Millionen ukrainischer Schwestern und Brüder gezeigt hat".
Hintergrund ist ein seit Wochen anhaltender Streit zwischen Warschau und Kiew über die Weltkriegsvergangenheit. Unmittelbarer Auslöser war die vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vorgenommene Benennung einer Armee-Gruppe nach Kämpfern der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) aus dem Zweiten Weltkrieg. Weil diese unter deutscher Besatzung auch Zehntausende Polen im heutigen Westen der Ukraine ermordete, löste der Schritt Empörung im Nachbarland aus. Der rechtskonservative polnische Präsident Karol Nawrocki entzog Präsident Selenskyj in der Folge einen hohen polnischen Orden; Selenskyj wiederum sagte daraufhin seine Teilnahme an einer internationalen Ukraine-Wiederaufbaukonferenz in Danzig ab.