Malteser versorgen Beben-Opfer in Venezuela mit mobilen Kliniken
01.07.202611:14
Venezuela/Österreich/Erdbeben/Hilfsorganisation
Fahrende Gesundheitsstationen für am stärksten betroffene Gebiete von Caracas, La Guaira und Miranda - "Jugend eine Welt"-Koordinator Wedan: Leichengeruch in Städten
Caracas/Wien, 01.07.2026 (KAP) Nach den schweren Erdbeben in Venezuela wird das internationale Katastrophen-Hilfswerk des Malteserordens mehrere Monate lang mit 30 voll ausgestatteten mobilen Klinikeinheiten Menschen in der Krisenregion medizinisch versorgen. Die fahrenden Gesundheitsstationen sollen in den am stärksten betroffenen Gebieten von Caracas, La Guaira und Miranda eingesetzt werden und täglich unterschiedliche Gemeinden anfahren, teilte "Malteser International" am Mittwoch in Wien mit. Dabei kooperiere man mit der lokalen Partnerorganisation "Paluz".
Immer noch werden Zehntausende Menschen vermisst. Nothilfekoordinator Jonas Jung berichtete aus der Küstenstadt La Guaira von einer "katastrophalen" Lage vor Ort. "Die Stille, die über den zerstörten Häusern liegt, bewegt mich sehr. Es gibt zu wenige Krankenwagen, und die Verletzten werden teils notdürftig auf Motorrädern in nahegelegene Krankenhäuser gebracht. Es fehlen insbesondere medizinische Notfallausrüstung, Medikamente und Material für die Traumaversorgung", so der "Malteser International"-Helfer.
Die venezolanischen Malteser versorgten Verwundete und verteilten Trinkwasser und Kleidung. Angesichts der akuten Medikamentenengpässe in der Krisenregion schickt "Malteser International" aus Deutschland Medikamente und medizinisches Material. Auch die österreichischen Malteser unterstützen die Hilfsaktivitäten und bitten um Spenden zur Bewältigung der humanitären Katastrophe. Bereits vor den Beben waren 7,9 Millionen der insgesamt 23,5 Millionen Einwohner des Landes, das seit vielen Jahren unter einer dauerhaften Wirtschaftskrise leidet, auf humanitäre Hilfe angewiesen.
"Jugend eine Welt"-Koordinator: Leichengeruch in Städten
Von der chaotischen Lage berichtete auch der Nothilfe-Koordinator des Hilfswerks "Jugend eine Welt", der in Venezuela lebende Österreicher Wolfgang Wedan. Es gebe eingestürzte Häuser in einem Ausmaß, wie er es noch nie gesehen habe, sagte er in der Ö1-Sendung "Religion aktuell". "Auf den riesigen Schuttbergen sind ganz kleine Menschen zu sehen, die noch nach Lebenden suchen. Man sucht mit schwerem Gerät, mit bloßen Händen, aber auch mit Suchhunden." Die Situation sei "unvorstellbar traurig", so Wedan, der von Leichengeruch über zerstörten Straßenzügen berichtete. Zugleich sei er aber auch Zeuge der Lebendbergung einer Frau geworden.
Umfassende internationale Hilfe und deren Koordinierung sei dringend nötig, erklärte der Katastrophenhelfer. Wedan koordiniert Nothilfemaßnahmen von "Jugend Eine Welt" und Partnern der Salesianer Don Boscos, die in Venezuela eine Reihe Stützpunkte haben. Erste Hilfslieferungen mit Wasser, Nahrungsmitteln, Hygieneprodukten und Kleidung seien bereits verteilt worden. Viele Menschen würden auf der Straße schlafen, sich auch nicht in die unbeschädigten Häuser hineintrauen, weil sie traumatisiert seien, so der Nothilfe-Koordinator.
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