Klimaschutz: 170 Glaubensorganisationen appellieren an EU
01.07.202615:12
Europäische Union/Österreich/Hilfsorganisation/Umweltpolitik/Klimaveränderung/Energie/Öl und Gas (Verwertung)
Koalition im Namen von 33 Millionen vertretenen Europäern fordert Ausstieg aus fossilen Energien, höhere Klimainvestitionen und Besteuerung von Übergewinnen
Brüssel/Wien, 01.07.2026 (KAP) Zu Beginn der irischen EU-Ratspräsidentschaft haben mehr als 170 christliche Glaubensgemeinschaften und kirchliche Organisationen aus 20 EU-Staaten zu entschlosseneren Klimaschutzmaßnahmen aufgerufen. Die Initiative "Europe, Be Faithful for Our Common Home" vertritt nach eigenen Angaben rund 33,1 Millionen Europäer und fordert die EU auf, den Ausstieg aus fossilen Energieträgern zu beschleunigen, Investitionen in erneuerbare Energien deutlich zu erhöhen und Übergewinne der fossilen Industrie dauerhaft zu besteuern.
Der Appell erfolgte vor dem Hintergrund der jüngsten Hitzewelle in Europa. Die Koalition sieht in der irischen Ratspräsidentschaft bis Ende 2026 einen wichtigen politischen Zeitpunkt, um Weichen für den nächsten mehrjährigen EU-Haushalt sowie für die europäische Klima- und Energiepolitik zu stellen. Es brauche groß angelegte Strategien, um die Umweltzerstörung zu stoppen und die Schwächsten zu schützen. Klimaschutz sei nicht nur eine ökologische, sondern auch eine soziale und ethische Verpflichtung, hieß es.
Zu den Unterstützern zählen unter anderem die Laudato-Si'-Bewegung, Caritas Europa, CIDSE, Justice & Peace Europe sowie das Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Aus Österreich beteiligten sich die Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO), die Jesuiten in Zentraleuropa, horizont3000, die ARGE Schöpfungsverantwortung, die Steyler Missionare, die Katholische Jugend Österreich sowie die Welthaus-Organisationen für Graz, Innsbruck und Vorarlberg.
Sorge um vereinfachte Regeln
Die Koalition warnte zugleich davor, geplante Vereinfachungen im EU-Recht - sogenannte "Omnibus-Pakete" - könnten zu einer Hintertür für Deregulierung werden und somit Umweltstandards abschwächen. Stattdessen forderte sie eine stärkere Förderung von Energieeffizienz, Elektrifizierung und erneuerbaren Energien sowie eine sozial gerechte Gestaltung der Energiewende.
KOO-Leiterin Anja Appel sprach sich für eine ambitionierte internationale Klimafinanzierung aus. Die EU solle den globalen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen mit Zuschüssen statt Krediten unterstützen und zugleich mehr Mittel für Klimaanpassung sowie für die Bewältigung klimabedingter Schäden bereitstellen. Länder des Globalen Südens benötigten dafür zusätzliche finanzielle Spielräume, etwa durch Schuldenerleichterungen und gerechtere internationale Besteuerung. Einer aktuellen Studie zufolge würden die Kohlendioxid-Emissionen aus Produktion der EU-Ölkonzerne seit dem Pariser Abkommen weltweit Klimaschäden in Höhe von 1,5 Billionen US-Dollar verursachen.
Ausstieg rasch und sozial gerecht
Zu den zentralen Forderungen der Initiative gehören ein schrittweiser rascher und sozial gerechter Ausstieg aus fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdgas und Erdöl, eine dauerhafte Abgabe auf Übergewinne fossiler Energiekonzerne sowie deutlich höhere Investitionen in saubere Energien und Ressourceneffizienz. Im nächsten mehrjährigen EU-Finanzrahmen müssten nach Ansicht der Organisationen Menschenwürde und soziale Gerechtigkeit Vorrang vor wirtschaftlichen Einzelinteressen erhalten.
Lorna Gold, Geschäftsführerin der von Papst Franziskus inspirierten "Laudato-Si'"-Bewegung, appellierte an die EU, große Umweltverschmutzer sollten angesichts der zunehmenden Hitzewellen durch eine dauerhafte Steuer auf Übergewinne fossiler Unternehmen stärker für Klimaschäden aufkommen. Unterstützung erhielt der Appell auch von einem Bündnis aus Gewerkschaften und Klima-Thinktanks.
Die Initiatoren verwiesen darauf, dass Europa als "historischer Geburtsort der auf fossilen Brennstoffen basierenden Wirtschaft" eine "beispiellose Verantwortung" beim weltweiten Übergang zu einer klimafreundlichen Wirtschaft zukomme. Die irische Ratspräsidentschaft falle zudem in die Vorbereitungsphase einer internationalen Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, die Anfang 2027 von Irland und Tuvalu ausgerichtet werden soll.