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P. Nikodemus Schnabel
Bild Copyright: © ordensgemeinschaften.at

Jerusalemer Abt Schnabel: Tiefe Krise der Menschlichkeit

01.07.2026 13:47
Deutschland/Kirche/Justiz/Gesellschaft/Menschenwürde
Benediktiner warnt vor einer Instrumentalisierung des Menschen
Karlsruhe, 01.07.2026 (KAP/KNA) Der Jerusalemer Benediktiner-Abt Nikodemus Schnabel hat sich gegen eine Abwertung des Menschen gewandt. "Der Mensch darf niemals verfügbar werden: Nicht für den Staat, nicht für den Markt, nicht für eine Ideologie. Nicht einmal für eine Religion", sagte Schnabel laut der katholischen Nachrichtenagentur KNA am Dienstag in Karlsruhe bei einem Kirchenempfang für die deutschen Bundesgerichte.

"Bewahren wir gemeinsam die Ehrfurcht vor dem Menschen. Widerstehen wir gemeinsam jeder Sprache, die Menschen auf Kategorien reduziert", sagte der Leiter der Jerusalemer Dormitio-Abtei. Der Mensch dürfe niemals Mittel zum Zweck werden. "Er bleibt Geheimnis. Er bleibt Ebenbild Gottes. Er bleibt unantastbar."

Vergessen, wer der Mensch ist

Schnabel betonte, niemals zuvor habe die Menschheit so viele technische Möglichkeiten gehabt wie heute. Aber dennoch drohe sehr viel verloren zu gehen: "Nicht Wissen, sondern Menschlichkeit. Kriege entmenschlichen. Terror entmenschlicht. Propaganda entmenschlicht. Der digitale Hass entmenschlicht." Inmitten aller politischen Verwerfungen sei vielleicht die anthropologische Krise am tiefsten: "Wir vergessen, wer der Mensch ist." Unter Verweis auf das erste Lehrschreiben von Papst Leo XIV. beschrieb Schnabel die Gegenwart als eine "Epoche tiefgreifender De-Humanisierung".

Der Leiter der Jerusalemer Dormitio-Abtei wandte sich gegen eine Verrohung von Sprache und gegen politische Polarisierungen, die das Gegenüber zuerst zum Gegner macht. Die Antwort der Kirchen müsse eine echte "Re-Humanisierung" sein, forderte Schnabel.

Ökologie und Menschlichkeit

Zugleich rief er zu mehr Anstrengungen zum Schutz der Umwelt auf. "Denn die Sorge um die Schöpfung ist niemals von der Sorge um den Menschen zu trennen. Wer die Erde nur als Ressource betrachtet, wird früher oder später auch den Menschen zur Ressource machen."

Der Benediktiner Schnabel leitet seit 2023 die traditionsreiche Dormitio-Abtei in Jerusalem. Er sprach am Dienstagabend beim Jahresempfang des Foyers Kirche und Recht. Auf Einladung der Kirchen in Deutschland waren unter anderen die Präsidentin des deutschen Bundesgerichtshof, Bettina Limperg, Bundesanwalt Jens Rommel sowie mehrere Richter und Richterinnen des Bundesverfassungsgerichts gekommen. Gastgeber waren die evangelische Landesbischöfin Heike Springhart und Erzbischof Stephan Burger. Das 2007 gegründete und ökumenisch getragene Karlsruher Foyer Kirche und Recht will Gesprächsangebote, aber keine Lobbyarbeit für die Kirchen machen.
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