US-Kirche feiert den 4. Juli auch mit Appellen für Migranten
01.07.202615:06
USA/Kirche/Geschichte/Migration
Außergewöhnliches Zeichen zum 250. Unabhängigkeitstag - Von Tobias Käufer (KNA)
Washington , 01.07.2026 (KAP/KNA) Vor Beginn der Prozession verteilen Helfer Rosenkränze. Jeder, der will, kann damit während des Marsches in Richtung Grenze zwischen Mexiko und den USA beten. Mit der Prozession im Bundesstaat Arizona und der "Border Mass 250", einem Gottesdienst an der vielleicht bestbewachten Grenze der Welt, feiert die katholische Kirche in den USA den 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten.
Mehr als 100 Bischöfe, Ordensschwestern, Priester und Gemeindemitglieder sind Ende Juni in die Grenzgemeinde gekommen. Von der Sacred-Heart-Kirche in Nogales aus, wo die Veranstaltung mit einem Gottesdienst beginnt, lässt sich bereits der Grenzzaun sehen.
James Misko, Bischof von Tucson, ruft zu einem brüderlichen Miteinander auf: "Wir wollen gut miteinander auskommen. Darum geht es in der Kirche."
Asylpolitik wird verschärft
Die Veranstaltung fällt in eine Zeit, in der das Oberste Gericht der USA zwei einschlägige Urteile zugunsten der Regierung von Donald Trump gefällt hat: Asylsuchende dürfen an der Grenze abgewiesen werden; Zugang zum Asylverfahren bekommt erst, wer auch geografisch die Grenze überschritten hat.
Überdies kann künftig Tausenden haitianischen und syrischen Einwanderern der Abschiebeschutz entzogen werden. Ein temporärer Schutzstatus hat solchen Migranten bisher ein zeitlich begrenztes Aufenthaltsrecht zugestanden. Künftig betroffen von einer möglichen Abschiebung sind nach Angaben der "New York Times" rund 350.000 Haitianer und 6.100 Syrer wie auch Menschen aus einem Dutzend anderer Länder.
Zurück nach Nogales in Arizona zur "Border Mass 250". Während dort Menschen gemeinsam beten und bei brütender Hitze in Richtung Grenze marschieren, kommen aus anderen Landesteilen Unterstützungsbotschaften.
Moralische Krise
Bischof Brendan J. Cahill aus dem texanischen Victoria kritisiert das Urteil der Richter: "Die Aufhebung des Rechtsstatus von Hunderttausenden Menschen, die in unserem Land leben, führt zu einer moralischen Krise, wenn die Rückkehr in ihr Herkunftsland keine sichere oder vernünftige Option darstellt."
Cahill ist Vorsitzender des Ausschusses für Migration der US-Bischofskonferenz. Er appelliert: "Wenn wir die von Gott gegebene Würde jedes Menschen wirklich bekräftigen wollen, dürfen wir als Nation vor einer solchen Ungerechtigkeit nicht die Augen verschließen."
"Akt äußerster Grausamkeit"
Auch aus Miami in Florida meldet sich eine prominente Kirchenstimme. Erzbischof Thomas Wenski spricht angesichts der Gerichtsentscheidung mit drastischer Wortwahl von einem "Akt äußerster Grausamkeit", sollten die Vereinigten Staaten Familien zurück ins gefährliche Krisenland Haiti schicken.
Wenski fordert den Kongress auf, den Haitianern zumindest eine Gnadenfrist von weiteren drei Jahren zu gewähren. Das sei zwar eine unvollkommene Lösung, aber immer noch besser, als "den Familien den Boden unter den Füßen wegzuziehen, ohne ihnen eine tragfähige Alternative zu bieten". Eine Massenabschiebung von Hunderttausenden Frauen, Männern und Kindern in ein Land, das sich in einer verzweifelten Lage mit Bandenkriminalität, Entführungen, Cholera-Ausbruch und Ernährungsunsicherheit befinde, sei keine Option.
"Unschätzbare Beiträge" der Migranten
Derlei Botschaften und die öffentlichkeitswirksame "Border Mass 250" sind in Zeiten zunehmender Anti-Migrations-Rhetorik bewusst gewählte Aktivitäten der Bischöfe im Vorfeld des 4. Juli. Statt einer verschärften Asylpolitik fordern sie zum Nachdenken auf über "die unschätzbaren Beiträge" der Migranten in den vergangenen 250 Jahren.
Viele hätten in den USA eine neue Heimat gefunden, oft auf der Flucht vor Verfolgung und Not in Lateinamerika und anderen Teilen der Welt. Sie hätten mitgeholfen, jenes Land aufzubauen, das nun Geburtstag feiert.