Katholisch-Theologische Fakultäten und Kirchliche Pädagogische Hochschulen in Österreich appellieren an Verantwortungsträger, "sich klar und unmissverständlich gegen christlich-nationalistische Gruppierungen zu positionieren" und für eine "offene, demokratische und menschenwürdige Gesellschaft" einzutreten
Graz, 01.07.2026 (KAP) Mit einer gemeinsamen Erklärung haben die Katholisch-Theologischen Fakultäten und Kirchlichen Pädagogischen Hochschulen in Österreich gegen rechte Tendenzen in Gesellschaft und Kirche Stellung bezogen und diese scharf verurteilt. Auch in Österreich würden "christlich-nationalistische Strömungen" wie etwa der Neo-Integralismus zunehmend an Sichtbarkeit und Einfluss gewinnen - eine Entwicklung, die man mit Sorgen beobachte, da sie "religiöse Sprache, christliche Symbolik und das christliche Gottesbild" politisch missbrauche, "um antidemokratische, antifeministische und ausgrenzende Ideologien zu legitimieren", heißt es in der am Mittwoch veröffentlichen und Kathpress vorliegenden Erklärung.
Auf diese Weise werde Religion ihrer befreienden, die Menschenwürde und Pluralität fördernden Dimension beraubt, für die die Katholisch-Theologischen Fakultäten und kirchlichen Bildungseinrichtungen einstehen, heißt es darin weiter. Indem diese zu einer "kritischen, dialogischen und Kontext-bewussten Praxis" befähigten, würden sie zu einer freien und demokratischen Gesellschaft beitragen. "Wir treten jeglicher Form von Diskriminierung, Antifeminismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit entschieden entgegen", betonen die Unterzeichnenden.
Darüber hinaus verpflichte man sich, "eine theologisch fundierte und zugleich pluralitätssensible Bildung zu fördern und so einen entscheidenden Beitrag zur Stärkung demokratischer Resilienz und zur Prävention gegenüber religiös legitimierten Extremismen in Kirche und Gesellschaft zu leisten". Gerade die katholischen bzw. kirchlichen Bildungseinrichtungen seien Orte, an denen Studierende befähigt würden, "politisch aufgeladene religiöse Narrative und Symboliken kritisch zu hinterfragen, Machtstrukturen in religiöser Sprache zu erkennen und zwischen authentischem Glaubenszeugen und ideologischer Vereinnahmung zu unterscheiden".
Auf der anderen Seite rufe man alle Verantwortungsträger in Kirche, Politik, Wissenschaft und Bildung dazu auf, "sich klar und unmissverständlich gegen christlich-nationalistische Gruppierungen zu positionieren und gemeinsam für eine offene, demokratische und menschenwürdige Gesellschaft einzutreten".
Unterzeichnet wurde die Stellungnahme von den Dekaninnen und Dekanen Prof. Klara Antonia Csiszar (KU Linz), Prof. Wilhelm Guggenberger (Innsbruck), Prof. Andrea Lehner-Hartmann (Wien), Prof. Katharina Pyschny (Graz), Prof. Dietmar Winkler (Salzburg) sowie von den Rektorinnen und Rektoren Ulrike Greiner (KPH Wien/NÖ), Nikolaus Janovsky (KPH Edith Stein), Johannes Reitinger (Private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz), Andrea Seel (Private Pädagogische Hochschule Augustinum) sowie von Sabine Weisz (Private Pädagogische Hochschule Burgenland).