Neues ADA-finanziertes Projekt soll besonders gefährdete Menschen schützen - Caritas Ukraine Präsidentin Stawnychy: "Wir leben alle mitten in einem Trauma"
Wien, 02.07.2026 (KAP) Mehr als viereinhalb Jahre nach Beginn des russischen Großangriffs bleibt die humanitäre Lage in der Ukraine prekär: Anhaltende Luftangriffe auf Städte und zivile Infrastruktur erschwerten den Alltag der Bevölkerung und erhöhten den Bedarf an humanitärer und psychologischer Hilfe, informierten Caritas Österreich und Caritas Ukraine am Donnerstag in Wien. Die Hilfsorganisationen bauen aktuell ihre Zusammenarbeit mit einem neuen, von der Austrian Development Agency (ADA) finanzierten Projekt aus. Im Mittelpunkt stehen sichere Schutzräume sowie psychosoziale Unterstützung für Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen, informierten Tetiana Stawnychy, Präsidentin der Caritas Ukraine und Andreas Knapp, Generalsekretär für Internationale Programme der Caritas Österreich.
Das Projekt "ACCESS" wird in den Regionen Mykolajiw und Tscherkassy umgesetzt. Bestehende Luftschutzkeller werden saniert und barrierefrei adaptiert, damit sie heutigen Sicherheitsstandards entsprechen und im Ernstfall als geschützte Aufenthaltsorte dienen können. Gleichzeitig entstehe dort Angebote für psychologische Ersthilfe und psychosoziale Betreuung, erklärte Knapp.
Resilienz im Kriegsalltag
"Wir leben alle mitten in einem Trauma", sagte Stawnychy. Die psychische Gesundheit sei mittlerweile eines der drängendsten Themen im Kriegsalltag geworden. "Wie navigieren wir durch diese Situation, bleiben menschlich und unterstützen einander?", beschrieb Stawnychy die zentrale Herausforderung.
Ziel sei daher nicht nur, Schutz vor Raketenangriffen zu bieten, sondern Menschen dabei zu helfen, mit den dauerhaften Belastungen umzugehen. Gemeinsam mit Kindern, Eltern und Lehrkräften wolle man Strategien zur Bewältigung traumatischer Erfahrungen vermitteln und die Resilienz stärken. Gerade für Kinder seien geschützte Räume wichtig, in denen sie Erlebtes spielerisch verarbeiten könnten. Zugleich sei die internationale Solidarität für die Menschen in der Ukraine ein wichtiges Signal.
Besonders Kinder litten unter den psychischen Folgen des Krieges, berichtete Stawnychy. In eigens eingerichteten "Safe Spaces" an Schulen und in Gemeinschaftszentren könnten sie Erlebtes mit spielerischen Methoden verarbeiten. Ziel sei es, Stresssymptome wie Bettnässen früh zu erkennen und zu verhindern, dass traumatische Erfahrungen verdrängt werden. Psychosoziale Unterstützung werde deshalb nicht nur Kindern angeboten, sondern auch ihren Familien und Lehrkräften, so die Caritas-Ukraine-Präsidentin.
Seit Beginn des Krieges im Februar 2022 haben die Hilfsorganisationen die Kooperation verstärkt. Mit Unterstützung von Spenderinnen und Spendern, der ORF-Initiative "Nachbar in Not" sowie der österreichischen Bundesregierung seien rund 55 Millionen Euro für Hilfsmaßnahmen mobilisiert worden, so Auslandshilfe-Generalsekretär Knapp. Österreichische Mittel würden dort eingesetzt, "wo sie unmittelbare Auswirkungen haben", betonte Knapp. Gerade in Zeiten von Budgetkonsolidierung sei das fortgesetzte Engagement der Bundesregierung "ein positives Signal". Ebenso wichtig sei die Solidarität der österreichischen Bevölkerung: "Für die Menschen in der Ukraine ist dieses Zeichen der Verbundenheit enorm wichtig."
Die Caritas sehe sich daher verpflichtet, ihre Hilfe fortzusetzen, sagte Knapp. Humanitäre Unterstützung bedeute heute nicht mehr nur die Versorgung mit dem Notwendigsten, sondern auch, den Menschen Hoffnung und Zukunftsperspektiven zu geben. "Österreich steht an der Seite der ukrainischen Zivilgesellschaft", so Knapp.