Benediktiner und spiritueller Lehrer spricht in "Rupertusblatt Salzburg" über Dankbarkeit, das Älterwerden und seine Hoffnung für das Lebensende
Salzburg, 02.07.2026 (KAP) "Die Wurzel der Freude ist Dankbarkeit": Der international bekannte Benediktiner und Wegbereiter des interreligiösen Dialogs David Steindl-Rast sieht Dankbarkeit auch mit fast 100 Jahren als Grundhaltung seines Lebens. "Überraschung" sei sein liebster Name für Gott, so der Mönch im Interview der Salzburger Kirchenzeitung "Rupertusblatt" (Ausgabe 2. Juli). Gott sei "immer überraschend" und lasse sich deshalb nicht festlegen. Mit Blick auf die Sterbehilfedebatte plädierte er, dem Leben Vorrang einzuräumen und erinnerte an den hippokratischen Eid der Ärzte, also die Verpflichtung, "dem Leben zu dienen". Und weiter: "Man weiß nie, was das Leben doch noch vorhat." Für sich selbst wünsche er sich keine Wiederbelebungsmaßnahmen, sondern "einen sanften Tod, wenn das möglich ist".
Steindl-Rast, der am 12. Juli seinen 100. Geburtstag feiert und seit einigen Jahren im Europakloster Gut Aich lebt, bezeichnete das Leben in der klösterlichen Gemeinschaft als "Segen". Das Älterwerden sei zwar "sehr schwierig", zugleich ermögliche ihm die Unterstützung seiner Mitbrüder, sich weniger mit körperlichen Einschränkungen beschäftigen zu müssen. "Es ist etwas ganz anderes als in einem Altersheim zu sein. Es ist vielmehr so, wie einfach in der Familie alt werden zu können." Das Zusammenleben sei zudem "ein Einüben in ein respektvolles Miteinander verschiedener Generationen".
Als Grundhaltung seines Lebens bezeichnete der Benediktiner die Dankbarkeit. "Die Wurzel der Freude ist Dankbarkeit", sagte Steindl-Rast und verwies auf seine Wiener Herkunft, sein Elternhaus, seine Schulbildung und den Eintritt in das Benediktinerkloster Mount Savior im US-Bundesstaat New York als prägende Stationen seines Lebens.
Der aus Wien stammende Benediktiner zählt zu den international bekanntesten christlichen Autoren zum Thema Dankbarkeit und interreligiöser Dialog. Als das Zentrum seiner Spiritualität nannte er, "hinzuhorchen, was mir das Leben jetzt in diesem Augenblick sagt und darauf antworten". Pläne seien oft "nur Ablenkungen vom Augenblick". Rückblickend würde er sein Leben "im Großen und Ganzen" wieder genauso führen. "Ich würde auf jeden Fall wieder Mönch werden wollen."
Kolloquium zum 100er in Kremsmünster
Mit einem zweitägigen Kolloquium im Stift Kremsmünster wird nächste Woche der Benediktinermönch und Autor David Steindl-Rast anlässlich seines 100. Geburtstags gewürdigt. Die Veranstaltung unter dem Titel "Geheimnis des Lebens" findet am 10. und 11. Juli statt, rund um den runden Geburtstag des international bekannten spirituellen Lehrers am 12. Juli. Neben Vorträgen umfasst das Programm spirituelle und kulturelle Elemente, u. a. eine Festmesse mit dem Wiener Erzbischof Josef Grünwidl sowie ein Live-Gesprächsformat mit Br. David selbst. Die bereits vor Anmeldeschluss ausgebuchte Veranstaltung wird aufgrund des großen Interesses auf dem YouTube-Kanal des Stiftes Kremsmünster via Livestream übertragen. Erwartet werden 450 Gäste, darunter auch internationales Publikum.
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