Caritas Tirol warnt vor Folgen gekürzter Entwicklungshilfe in Westafrika - Bischof Glettler: Sauberes Trinkwasser ist grundlegendes Menschenrecht
Innsbruck, 02.07.2026 (KAP) Die Caritas Tirol warnt angesichts zunehmender Wasserknappheit und internationaler Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit vor einer Verschärfung der humanitären Lage in Mali und Burkina Faso. Mithilfe ihrer Sommersammlung wirbt die Hilfsorganisation um Spenden für den Bau und die Sanierung von Brunnen sowie den Ausbau der Wasserversorgung in den beiden westafrikanischen Ländern. Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler rief zur Unterstützung der Sommersammlung auf. Sauberes Trinkwasser sei ein grundlegendes Menschenrecht; angesichts zunehmender Trockenheit werde auch in Österreich bewusst, "wie kostbar Wasser ist" und umso wichtiger werde es, "Solidarität zu zeigen und Menschen in Not zu unterstützen", so Glettler.
Caritas-Tirol-Direktorin Elisabeth Rathgeb verwies auf die zentrale Bedeutung des Zugangs zu Wasser. "Wasser ist Leben. Ohne Wasser kann nichts wachsen - somit hat es auch direkten Einfluss auf die Ernährungssicherheit der Menschen." Der Bau von Brunnen erleichtere insbesondere Frauen und Kindern den Alltag, da lange Wege zur nächsten Wasserstelle entfielen. Im Rahmen der jährlichen Sommersammlung werden Spenden aus Tirol gesammelt, um Menschen in Mali und Burkina Faso zu unterstützen. Dadurch konnten allein in den vergangenen 20 Jahren mehr als 170 Brunnen gebaut oder rehabilitiert werden, so die Caritas.
"Das ist eine beeindruckende Zahl, die Tausende Menschen mit sauberem Wasser versorgt", so die Leiterin der Caritas-Auslandshilfe, Julia Stabentheiner. "Allerdings ist es nicht damit getan, einfach einen Brunnen zu bohren. Unser Ansatz geht weiter: Die Menschen vor Ort werden im Umgang mit den Anlagen geschult, Hygienebeauftragte ausgebildet und die langfristige Versorgung mit Trinkwasser sowie die Bewässerung von Feldern und die Versorgung von Nutztieren sichergestellt."
Laut Caritas stehen den Menschen in der Sahelzone durchschnittlich nur 15 Liter Wasser pro Tag zur Verfügung, konkret für Trinken, Kochen, Waschen und Hygiene. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt mindestens 50 Liter täglich. In Österreich liegt der durchschnittliche Wasserverbrauch dagegen bei rund 130 Litern pro Kopf und Tag.
Mehr als Wasser
Mit dem Brunnenbau werde nicht nur die Wasserversorgung sichergestellt, sondern in Folge auch Schulungen für die Bevölkerung, Hygienemaßnahmen sowie die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen ermöglicht, sagte die Leiterin der Caritas-Auslandshilfe, Julia Stabentheiner.
Besonders Frauen und Mädchen würden vom Ausbau der Wasserversorgung profitieren, da sie in vielen Regionen traditionell für das Wasserholen zuständig seien. Kürzere Wege bedeuteten mehr Zeit für Schule oder Erwerbsarbeit und reduzierten zugleich das Risiko von Gewalt auf langen Wegen zu den Wasserstellen.
Die positiven Auswirkungen zeigen sich laut Caritas auch in Städten, die viele Binnenvertriebene aufgenommen haben. So sei die Bevölkerung der Stadt Nouna in Burkina Faso innerhalb weniger Jahre um rund 23.000 Menschen gewachsen. Ein dort errichteter Brunnen versorge statt der üblichen 500 rund 1.700 Menschen, ein weiterer auf dem Gelände eines Gymnasiums komme mehr als 900 Schülerinnen und Schülern sowie mindestens 300 weiteren Anrainern zugute.
Kürzungen der Entwicklungszusammenarbeit
Kritik übte die Hilfsorganisation an den weltweiten Einsparungen in der Entwicklungszusammenarbeit. Bereits jetzt müssten Projekte verkleinert oder eingestellt werden. "Kürzungen entziehen der Prävention den Boden. Wenn Gelder gestrichen werden, entsteht das Problem nicht erst im Fall einer Epidemie - Gesundheitssysteme werden bereits im Vorfeld geschwächt und geraten deutlich schneller an ihre Grenzen", so Stabentheiner mit Blick auf den jüngsten Ebola-Ausbruch. Auch Österreich reduziert laut Caritas nach dem aktuellen Budgetbeschluss die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe bis Ende 2026 um rund ein Drittel. "Dies geschieht ausgehend von einem bereits im internationalen Vergleich niedrigen Finanzierungsniveau und steht damit im Widerspruch zum steigenden globalen Bedarf infolge von Hungerkrisen, Konflikten und den Auswirkungen der Klimakrise", so die Caritas Tirol.