Wiener Erzbischof in Gespräch mit Alpenverein-Zeitschrift: Gipfelerlebnis lässt vieles kleiner und weniger dramatisch erscheinen - Grünwidl: Einsatz für die Schöpfung ohne Alternative
Wien, 03.07.2026 (KAP) Der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl hat die Natur und die Berge als zentralen Ort seiner persönlichen Gotteserfahrung beschrieben. Im Interview mit der Mitgliederzeitschrift der Sektion Austria des Österreichischen Alpenvereins ("Austria Nachrichten", Ausgabe Juli 2026) betonte er zugleich die Bedeutung gemeinsamer gesellschaftlicher Verantwortung für Klimaschutz und Schöpfungsbewahrung und ging auch ausführlich auf seine eigene Beziehung zur Natur ein.
"Für mich ist die Ruhe, die ich in der Schöpfung finde, eine Möglichkeit, um Gott nahe zu sein", sagte der Erzbischof. Besonders gelte dies für die Berge. Angesichts eines Gipfels erscheine vieles kleiner und weniger dramatisch; das helfe ihm auch bei der Einordnung von Themen und der Prioritätensetzung. "Viele Wege führen zu Gott. Einer geht über die Berge": Diesem Satz des früheren Innsbrucker Bischofs Reinhold Stecher (1921-2013), stimme er "voll und ganz zu".
Persönlich komme er derzeit nur selten zu längeren Bergtouren, bedauerte Grünwidl. Zuletzt habe ihn eine Wanderung auf die Hochgrabe in Osttirol geführt; für die kommenden Monate hoffe er auf Ausflüge auf Rax oder Schneeberg. Auch den Sommerurlaub wolle er wieder in den Bergen verbringen, berichtete der Wiener Erzbischof.
Näher zu sprechen kam Grünwidl auch auf das Gipfelkreuz und dessen "besondere Bedeutung". Es sei "ein Zeichen für Segen und Erlösung". Der Längsbalken verbinde Himmel und Erde, der Querbalken erinnere an die Gemeinschaft der Menschen. "Ich bin jedes Mal dankbar, wenn ich nach einer langen, anstrengenden Tour meine Hand auf das Gipfelkreuz legen kann", sagte der Erzbischof.
Angesprochen auf die Diskussion um religiöse Symbole im öffentlichen Raum verwies Grünwidl auf eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte aus dem Jahr 2011, wonach Kreuze als "stumme und passive" Symbole keinen Zwang ausübten und daher im öffentlichen Raum zulässig seien.
Das Engagement des Alpenvereins würdigte Grünwidl, selbst Vereinsmitglied, unter anderem mit Blick auf den Klimawandel. Ihm sei zuletzt ein Bericht über den Rückgang der Gletscher aufgefallen, in dem davor gewarnt werde, dass diese bis 2050 nur mehr in besonders geschützten Lagen erlebbar sein könnten. In Sachen Klimaschutz sei "gemeinsames und engagiertes Arbeiten möglichst vieler Akteurinnen und Akteure" nötig, wobei er den Alpenverein als "wichtigen Player" sehe, sagte der Wiener Erzbischof.
Grundsätzlich sei für ihn der Einsatz für die Schöpfung "alternativlos", sagte Grünwidl, der auch auf von in der Erzdiözese Wien umgesetzte Maßnahmen verwies, darunter Photovoltaikanlagen auf Pfarrhäusern, klimafreundliche Mobilitätsangebote, regionale Verpflegung bei Pfarrfesten sowie die Öffnung von Kirchen und Pfarrgärten als sogenannte "Klimaoasen". Entscheidend sei, "bei mir selber anzufangen und einen Beitrag zu leisten".